Geschichte: Justiz: NS-Razzia in Marseille Verbrechen gegen Menschlichkeit
Marseille war zur Nazi-Zeit Zufluchtsort für Regime-Gegner und Verfolgte. Nach Besetzung der Stadt führten die Machthaber Massenverhaftungen durch – und begingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Mehr als 80 Jahre nach den Massenverhaftungen im südfranzösischen Marseille zur Zeit des Nationalsozialismus hat die französische Justiz die Taten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft. An der Einordnung gebe es keine Zweifel, hieß es von der zuständigen Anti-Terror-Staatsanwaltschaft. Noch lebende Verantwortliche habe man aber nicht ausmachen können.
Marseille war nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Zufluchtsort für zahlreiche Verfolgte. Viele versuchten, von der Hafenstadt aus nach Amerika auszuwandern. Intellektuelle, Regime-Gegner und Widerständler waren in der südfranzösischen Stadt aktiv, die zunächst zur freien Zone in Frankreich gehörte und Ende 1942 von den Nationalsozialisten besetzt wurde.
Tausende Menschen deportiert oder vertrieben
Ende Januar 1943 nahmen deutsche und französische Kräfte im Viertel Saint-Jean massenweise Menschen fest. Im Februar plünderten und zerstörten sie zahlreiche Häuser des Viertels. Laut Staatsanwaltschaft wurden 1.600 Menschen deportiert, 20.000 Menschen vertrieben und 1.500 Häuser gesprengt. Die Nationalsozialisten und ihre französischen Verbündeten gingen dabei demnach gezielt gegen Menschen vor, denen sie unterstellten, politisch aktiv zu sein oder einer "ausländischen Rasse" anzugehören.
12.000 französische Polizisten und Gendarmen wurden damals für die Razzia mobilisiert. Auch lokale Kollaborateure identifizierte die Justiz. Mittlerweile seien alle entweder verstorben oder ihnen könne keine konkrete Beteiligung nachgewiesen werden.
Um mögliche Verantwortliche zu finden, arbeitete Frankreich auch mit der deutschen Justiz zusammen. Mehrere deutsche Entscheidungsträger etwa aus der Waffen-SS in Frankreich und der Gestapo in Marseille wurden bereits vor Jahrzehnten in Frankreich verurteilt. Zu der Razzia laufen seit 2019 Ermittlungen. Damals hatten sich Überlebende und Nachfahren an die Justiz gewandt.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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