Parlamentswahl: Schwedens Wahlkrimi: Reicht der Abba-Hit als Glücksbringer?
Die Wahl ist vorbei, das Drama geht weiter: Zwar haben die Sozialdemokraten in Schweden die meisten Stimmen geholt. Ob es in dem skandinavischen Land zum Regierungswechsel kommt, ist aber offen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Nach der Parlamentswahl in Schweden ist das Rennen um die Macht noch nicht entschieden. Die Sozialdemokraten werden zwar wohl stärkste Kraft - und ihr politisches Lager aus Mitte-Links-Parteien kann voraussichtlich eine knappe Mehrheit im Parlament erringen. Doch Spitzenkandidatin Magdalena Andersson stehen bei der Koalitionsbildung einige Hindernisse bevor. Und: Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt. Der konservative Regierungschef Ulf Kristersson hat deshalb die Hoffnung noch nicht aufgegeben, doch im Amt bleiben zu können. Dann könnten die Rechtspopulisten erstmals Teil einer Koalition werden.
Wer ist denn nun Wahlsieger?
Bislang sind 94 Prozent der Stimmen ausgezählt. Nach den aktuellen Zahlen konnten die Sozialdemokraten mit 28,1 Prozent die meisten Stimmen auf sich vereinen.
Andersson hatte am Wahltag noch Unterstützung vom schwedischen Musik-Adel bekommen: Abba-Sänger Benny Andersson hatte den Refrain des berühmten Songs "Mamma Mia" bei einem Wahlkampf-Event auf "Magdalena" umgedichtet. Ein Video der Sozialdemokraten zeigte, wie Andersson den Abba-Hit spielte und die Wahlkämpfer begeistert mitschmetterten: "Magdalena - here I go again, my, my, how can I resist you?"
Nach der Wahl lässt sich nun darüber streiten, ob die prominente Rückendeckung zündete: Im Vergleich zu 2022 (30,3 Prozent) müssen die Sozialdemokraten voraussichtlich Einbußen hinnehmen.
Nach aktuellem Stand liegen sie mit drei weiteren Mitte-Links-Parteien, die Andersson unterstützen, mit nur drei Mandaten vor dem Parteienbündnis des konservativen Regierungschefs: Mit den Linken (8,2 Prozent), Grünen (6,1 Prozent) und der Zentrumspartei (7,1 Prozent) erreichen die Sozialdemokraten eine hauchdünne Mehrheit von 176 von 349 Mandaten - gegenüber 173 für die Regierungsparteien und Rechtspopulisten. Noch ist der Sieg nicht im Kasten. Zudem herrscht in Anderssons Lager keineswegs pure Harmonie.
Wie lief es für die Regierung und die Rechtspopulisten?
Kristerssons Konservative konnten im Vergleich zu 2022 (19,1 Prozent) leicht zulegen und kommen bislang auf 19,9 Prozent. Auch für die Christdemokraten (6,2 Prozent) und Liberalen (5,4 Prozent), mit denen Kristersson bislang regiert hat, lief es besser als bei der letzten Wahl.
Für die Schwedendemokraten dagegen war es ein bitterer Abend: Sie kommen bislang auf 17,6 Prozent und müssen damit wohl zum ersten Mal überhaupt bei einer Parlamentswahl einen Rückgang verschmerzen (2022: 20,5 Prozent).
Vor vier Jahren war es zum Tabubruch gekommen, als die Rechtspopulisten nach der Wahl erstmals als Mehrheitsbeschaffer der konservativen Regierung auftraten. Damals waren sie zweitstärkste Kraft geworden - jetzt müssen sie diesen Platz wohl wieder an Kristerssons Partei abgeben. Teil der Koalition wurden die Schwedendemokraten nicht.
Wieso haben die Rechtspopulisten schlechter abgeschnitten?
Als Unterstützer von Kristerssons Koalition hatten die Rechtspopulisten der Regierung vor allem beim Kampf gegen Gangs und in Bezug auf härtere Strafen gegen kriminelle Ausländer Druck gemacht. Ihr eigener Erfolg könnte ihnen zum Verhängnis geworden sein, meinte der Politik-Journalist Ivar Arpi von der Zeitschrift "Kvartal". Die Zahl der Schießereien ist zurückgegangen, die Bandenkriminalität beschäftigte die Wähler nicht so sehr wie 2022. "Wenn man es makaber ausdrücken will, könnte man sagen, es wäre für die Rechtspopulisten gut gewesen, wenn es mehr tödliche Schusswaffenangriffe, mehr Terrorismus oder eine Flüchtlingskrise gegeben hätte", sagte Arpi dem Sender SVT.
Gleichzeitig waren den Schweden wirtschaftliche Fragen wichtig. "Ich glaube, viele Wähler haben erkannt, dass die Schwedendemokraten wirtschaftspolitisch eine rechte Partei sind und waren enttäuscht, dass das Arbeitslosengeld gekürzt wurde und Medikamente teurer geworden sind", sagte Susanna Kierkegaard vom "Aftonbladet". "Das haben sie nicht gewollt."
Wie geht es jetzt weiter?
Nach der langen Wahlnacht heißt es: Warten. Erst am Mittwoch werden die letzten Stimmen ausgezählt - Wählerstimmen von Schweden, die im Ausland leben, und spät abgegebene Stimmen vor der Wahl. Diese können durchaus Mandate verschieben. Andersson muss also noch bangen. Auch ob sie mit ihren Unterstützern eine Koalition auf die Beine stellen kann, ist unsicher: Die Zentrumspartei weigert sich, mit den Linken zu koalieren. "Die Alternative für Magdalena Andersson ist eine Art Mitte-Regierung", sagte Mats Knutsson, Kommentator des Senders SVT. "Das Problem ist, dass weder die Christdemokraten noch die Liberalen im Geringsten daran interessiert sind."
Auf der anderen Seite steht auch Regierungschef Kristersson vor Problemen. Um an der Macht zu bleiben, braucht er in Schweden zwar keine Mehrheit - Minderheitskoalitionen sind hier keine Seltenheit. Er darf aber keine absolute Mehrheit im Parlament gegen sich haben. Sein Lager aus vier Parteien könnte darauf angewiesen sein, dass eine andere Partei die Koalition durchwinkt. Dafür kommt im Prinzip nur die Zentrumspartei infrage. Diese will wiederum keine Regierung unterstützen, in der die Rechtspopulisten sitzen. Blöd für Kristersson: Die Schwedendemokraten sind scharf auf ihre erste Regierungsbeteiligung überhaupt - wofür sich der Konservative vor der Wahl auch offen gezeigt hat.
Ein endgültiges Wahlergebnis wird für das Wochenende erwartet. Auf einen schnellen Erfolg bei der Suche nach einer Regierung deutet wenig hin. Einige Beobachter sehen bereits die Gefahr von Neuwahlen am Horizont.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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