Landtagswahl: Faktencheck: Video von Briefwahl-Manipulation ist eine Fälschung
Die Briefwahl in Sachsen-Anhalt gerät ins Visier von Desinformation. Ein Video soll eine Manipulation zum Nachteil der AfD zeigen. Aber es handelt sich um einen Fake nach einem bekannten Muster.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt taucht im Netz ein Fake auf, der bereits bekannten Desinformationskampagnen ähnelt: Auf einem Video ist zu sehen, wie Briefwahlumschläge geöffnet und Stimmzettel, auf denen die AfD angekreuzt ist, ungültig gemacht und zur Seite gelegt werden. Doch die Fälschung ist leicht zu erkennen.
Behauptung
Ein unbekannter Post-Mitarbeiter öffnet angeblich Briefwahlumschläge und sortiert Stimmen für die AfD aus.
Bewertung
Fälschung. Mehrere Details zeigen, dass die gezeigten Briefwahlunterlagen nicht echt sind und es sich um ein inszeniertes Video handelt.
Fakten
Auf dem Video öffnet eine Person, die nicht erkennbar ist, mehrere Briefwahlumschläge und entnimmt Stimmzettel und Wahlscheine. Zwei Zettel mit Stimmen für die AfD werden mit einem Filzstift durchgestrichen und zur Seite gelegt. Ein Stimmzettel mit Stimmen für die CDU wird nicht durchgestrichen und wandert auf einen anderen Stapel. "Na, die sind okay", sagt eine Stimme dazu. Es entsteht der Eindruck, dass jemand in die Briefwahl eingreift und AfD-Stimmen aussortiert.
Doch das Video enthält mehrere Details, die es als Fälschung entlarven:
Es sind drei Wahlscheine zu erkennen, die bei der Briefwahl mit abgeschickt werden müssen. Allerdings sind alle drei auf denselben Namen ausgestellt und tragen dieselbe Wahlscheinnummer. Offenbar handelt es sich bei den Blättern um Kopien voneinander.
In der rechten oberen Ecke der Stimmzettel fehlt die übliche Lochung. Mit dieser können Stimmzettel an Schablonen für Blinde und Sehbehinderte angelegt werden. Bei den für die Fälschung verwendeten Stimmzetteln handelt es sich um solche aus dem Wahlkreis 9 (Oschersleben-Wanzleben), wie ein Vergleich mit dem Musterstimmzettel von dort zeigt. Das Muster hat oben rechts eine Markierung für die Lochung. Die Zettel im Video wurden an der Stelle aber nicht gelocht. Das kann man erkennen, als einer der Zettel auf einem roten Umschlag abgelegt wird.
Zudem sind die Briefumschläge falsch verwendet worden - die Stimmen wären damit alle ungültig. In dem Video werden Wahlschein und Stimmzettel in allen drei Fällen zusammen aus dem weißlichen Stimmzettelumschlag genommen. In diesen darf bei der Briefwahl aber nur der Stimmzettel gesteckt werden. Der Stimmzettelumschlag muss dann zusammen mit dem Wahlschein in den roten Briefwahlumschlag gesteckt werden. Es ist auch zu erkennen, dass die Umschläge nicht richtig verschlossen wurden und sich leicht öffnen lassen.
Das Video verbreitete sich am Freitag zuerst auf englischsprachigen Accounts auf der Plattform X, die ansonsten keinen erkennbaren Bezug zu Sachsen-Anhalt haben. Das Rechercheprojekt Gnida, das russische Desinformationskampagnen im Netz beobachtet, ordnet es der Gruppe Storm-1516 zu.
Diese hatte nach Angaben der deutschen Sicherheitsbehörden vor der Bundestagswahl 2025 ähnliche Fälschungen erstellt und verbreitet. Auf Videos waren vermeintlich fehlerhafte Briefwahlunterlagen und die Vernichtung von AfD-Stimmen zu sehen. Die Machart des neuen Videos zu Sachsen-Anhalt weist viele Gemeinsamkeiten mit den damaligen Fälschungen mit Bezug zu Leipzig und Hamburg auf.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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