Kriminalität: Strom, Bahn, Flughafen: Sabotage in neuer Dimension
Anschläge und Anschlagsversuche auf Stromnetze, Bahnstrecken und Flughäfen sind in Deutschland keine Thriller-Fantasien mehr. Auch Unternehmen kann es treffen. Wichtige Fälle seit 2022 im Überblick.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Spionage, Sabotage und Anschlagsversuche nehmen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden in Deutschland zu. Betroffen sind kritische Infrastruktur, aber auch Unternehmen. Als Täter geraten Linksextremisten und staatliche Akteure - insbesondere Russland - ins Visier. Eine Auswahl größerer Vorfälle seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022:
September 2022: Nach Explosionen nahe der Ostsee-Insel Bornholm werden vier Lecks an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 entdeckt. Russland liefert zu diesem Zeitpunkt bereits kein Gas mehr nach Deutschland. Hauptanteilseigner der Pipelines ist der russische Staatskonzern Gazprom, Anteile halten aber auch europäische Energiekonzerne, darunter drei deutsche. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts verfassungsfeindlicher Sabotage. Im Juli 2026 wird Anklage gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher, einen Ukrainer, erhoben, im August ein zweiter Verdächtiger in Kroatien festgenommen. Der Prozess steht noch aus.
Oktober 2022: Zwei Glasfaserkabel der Deutschen Bahn werden in Berlin und in Herne (NRW) vorsätzlich durchtrennt. Der Bahnverkehr in Norddeutschland steht über Stunden still. Bundesverkehrsminister Wissing (damals FDP) spricht von Sabotage. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen, sieht später aber keinen hinreichenden Anfangsverdacht für ein politisches Motiv.
Juli 2024: Im DHL-Frachtzentrum am Flughafen Leipzig/Halle enthält ein Luftfrachtpaket aus Litauen einen Brandsatz. Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang erklärt, Deutschland sei nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen. Am 18. August 2026 wird ein Ukrainer zu einem Jahr und drei Monaten Haft wegen Spionage zu Sabotagezwecken verurteilt. Alle Verdächtigen werden auch als "Wegwerf-Agenten" bezeichnet, die für Russland tätig waren.
August 2024: Über dem ChemCoast Park in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) werden wiederholt mutmaßliche Spionagedrohnen gesichtet. Sie überfliegen unter anderem Anlagen der Chemie- und Mineralölindustrie sowie das LNG-Terminal. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt wegen des Verdachts der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken.
Juli 2025: Eine wichtige Nord-Süd-Achse der Deutschen Bahn wird auf der Strecke Duisburg-Düsseldorf durch mutmaßlich vorsätzlich verursachte Kabelbrände lahmgelegt und bleibt knapp zwei Tage lang gesperrt. Die Polizei geht von Sabotage aus. Ein Bekennerschreiben aus dem linksradikalen Spektrum wird als wahrscheinlich echt eingestuft.
und 5. Oktober 2025: Am zweitgrößten deutschen Flughafen München sichten Behörden Drohnen unbekannter Herkunft. Der Flugbetrieb wird jeweils vorübergehend eingestellt. Wer die Drohnen steuerte, bleibt ungeklärt. Auch am Berliner Hauptstadtflughafen BER wird Ende Oktober eine Drohne gesichtet. Täter und Hintergrund bleiben ungeklärt.
Im Oktober 2025 entdecken deutsche Sicherheitsbehörden ein Versteck mit zwei Pistolen und Munition in einem Waldstück nahe Berlin. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts geheimdienstlicher Agententätigkeit und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.
Januar 2026: Mutmaßlich linksextreme Täter kappen Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins. Rund 45.000 Haushalte, 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime sind tagelang ohne Strom. Die "Vulkangruppen" bekennen sich zu dem Anschlag. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen. Bereits im März 2024 hatte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag auf einen Hochspannungsmast bekannt, der auch die Tesla-Fabrik in Brandenburg versorgt.
August 2026: Auf einer Piste des Flughafens Leipzig/Halle entdeckt ein Mitarbeiter eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne. Ein mutmaßlich zweites Flugobjekt kollidiert mit einem Frachtflugzeug, das daraufhin mit leichten Beschädigungen in Hannover landet. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Die Bundesregierung macht inzwischen Russland für den Angriff verantwortlich. Sachsens Innenminister Schuster bezeichnete den Vorfall als "Staatsterrorismus".
September 2026: An einem Umspannwerk unweit des Kraftwerks Jänschwalde in Brandenburg werden Sprengvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Brandenburgs Innenminister schließt nicht aus, dass "fremde Mächte" dahinterstecken. Parallel wird auch bei Köln ermittelt: An einem Umspannwerk in Bergheim werden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Die Ermittler gehen von verfassungsfeindlicher Sabotage aus.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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