Wolodymyr Selenskyj: Putin-Vormarsch durchkreuzt - Ukraine-Präsident offenbart massive Rückeroberung

745 Quadratkilometer befreit und fast 10.000 russische Soldaten getötet. Selenskyj berichtet von einer erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensive, die Putins Kriegsplanung empfindlich durchkreuzt hat.

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Wolodymyr Selenskyj berichtet von einer erfolgreichen Gegenoffensive im Sektor Oleksandrivka. (Foto) Suche
Wolodymyr Selenskyj berichtet von einer erfolgreichen Gegenoffensive im Sektor Oleksandrivka. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • Rückschlag für Putin - Selenskyj berichtet über Rückeroberung von ukrainischen Gebieten
  • Ukraine-Erfolg hat Folgen für russische Truppen
  • Weniger Eroberung, Verzicht auf Operationen und rückläufige Rekrutierung

Putins Militär musste zuletzt einige Rückschläge im Ukraine-Krieg hinnehmen, darunter neue Höchstzahlen an Verlusten. Des Weiteren verliert er an der Front die Kontrolle über Gebiete. Die ukrainische Gegenoffensive im Sektor Oleksandrivka hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj seit Ende Januar 2026 erhebliche Ergebnisse erzielt.

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Selenskyj offenbart große Gebietsbefreiung im Ukraine-Krieg

Bei einem Treffen mit Oberbefehlshaber Generalmajor Mychajlo Drapatyj, dem stellvertretenden Generalstabschef Generalmajor Ihor Skybjuk und dem Kommandeur der Luftlandetruppen Generalmajor Oleh Apostol zog Selenskyj am 12. August Bilanz. "Während der Operation gelang es uns, ein Gebiet von 745 Quadratkilometern zu befreien. Sechsundzwanzig Dörfer in den Regionen Dnipro, Donezk und Saporischschja wurden unter ukrainische Kontrolle zurückgebracht", erklärte der Präsident auf Telegram.

Die russischen Verluste bezifferte Selenskyj auf mindestens 9.550 Getötete und über 6.600 Verwundete. Zudem seien eine nicht näher genannte Zahl russischer Soldaten gefangen genommen worden. Die Operation erstreckte sich vom 29. Januar bis zum 12. August und zielte darauf ab, die russische Frühjahr-Sommer-Offensive 2026 zu stören und russische Truppen aus dem Gebiet Dnipropetrowsk zurückzudrängen.

Rückschlag für Putin - 26 Ortschaften in drei Oblasten zurückerobert

Die zurückeroberten Siedlungen verteilen sich auf drei ukrainische Verwaltungsgebiete. Im Gebiet Dnipropetrowsk handelt es sich laut ukrainischem Militärkommando um zwölf Ortschaften südöstlich von Oleksandrivka, darunter Sitschneve, Malijiwka, Stepowe, Beresowe, Ternowe und Saporiske. In der Oblast Donezk wurden zehn Siedlungen östlich und nordöstlich von Oleksandrivka befreit, unter anderem Woskressenka, Oleksandrohrad und Myrne. Im Gebiet Saporischschja kamen vier weitere Orte hinzu, darunter Nowohryhoriwka und Rybne.

Bemerkenswert ist ein Detail zur operativen Sicherheit: Das Kommando der Luftlandetruppen teilte mit, dass einige Flaggenhissungen in "sicherer Entfernung" von den tatsächlichen ukrainischen Stellungen durchgeführt wurden. Das deutet laut dem "Institute for the Study of War" (ISW) darauf hin, dass die ukrainischen Kräfte über mindestens einige der genannten Ortschaften hinaus vorgerückt sein dürften.

Ukrainische Gebietsgewinne mit Abweichungen – Kartierung bleibt schwierig

Die Gebietsgewinne werden von unabhängigen Analysten weitgehend bestätigt, allerdings mit Abweichungen. Das "ISW" schätzt die befreite Fläche im Sektor Oleksandrivka und im nördlichen Abschnitt der Huljajpole-Richtung auf rund 627 Quadratkilometer. Das Institut räumt jedoch ein, dass seine konservative Kartierungsmethodik die ukrainischen Fortschritte vermutlich unterschätzt.

Noch deutlicher fällt die Abweichung bei der ukrainischen Analysegruppe Deep State Map aus. Deren großes Kartenupdate am 13. August zeigte lediglich etwa 260 befreite Quadratkilometer. Deep State hatte die Karte über Monate hinweg aus Gründen der operativen Sicherheit nicht regelmäßig aktualisiert.

Fachleute mahnen grundsätzlich zur Vorsicht bei Angaben über Gebietsgewinne. Die Dominanz von Drohnen auf dem Schlachtfeld, die damit verbundene tödliche Zone nahe der Kontaktlinie und Russlands Infiltrationstaktik mit Kleinstgruppen erschweren eine präzise Bestimmung der tatsächlichen Frontverhältnisse erheblich.

Putins Armee unter Druck an der gesamten Frontlinie

Die Gegenoffensive im Raum Oleksandrivka hat laut ISW weitreichende Folgen über den unmittelbaren Kampfabschnitt hinaus entfaltet. Moskaus Streitkräfte standen demnach vor einem Dilemma: Entweder mussten sie Truppen und Material zur Abwehr der ukrainischen Vorstöße abziehen oder auf Offensivoperationen an anderen Frontabschnitten verzichten. Verschärft wurde diese Lage durch eine rückläufige russische Rekrutierungsrate.

Die Gesamtbilanz der Gebietsveränderungen an der gesamten Front unterstreicht die Bedeutung der ukrainischen Erfolge. Zwischen dem 29. Januar und dem 12. August verloren russische Truppen nach Einschätzung des ISW netto rund 234 Quadratkilometer. Im selben Zeitraum konnten sie an anderen Stellen lediglich etwa 383 Quadratkilometer einnehmen oder infiltrieren – ein Verhältnis, das ohne die Oleksandrivka-Offensive deutlich anders ausgefallen wäre.

Fünf Faktoren hinter dem Ukraine-Erfolg

Das ISW führt die taktischen Fortschritte im Sektor Oleksandrivka auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück. An erster Stelle steht demnach eine deutlich ausgereiftere Operationsplanung des ukrainischen Kommandos. Hinzu kam eine systematische Kampagne zur Unterdrückung und Zerstörung der russischen Flugabwehr sowie verstärkte Angriffe mit Mittelstreckenwaffen auf russische Nachschubwege.

Auf taktischer Ebene verfügten die ukrainischen Streitkräfte über eine Drohnenüberlegenheit gegenüber dem Gegner. Als besonders folgenreich erwies sich zudem die überraschende Abschaltung des Starlink-Dienstes für russische Einheiten in der Ukraine am 1. Februar. Dieser Schritt entzog den russischen Truppen ein wichtiges Kommunikationsmittel.

Die Gegenoffensive im Raum Oleksandrivka war laut ISW ein von zwei sich gegenseitig verstärkenden ukrainischen Vorstößen in den Richtungen Oleksandrivka und Huljajpole, die Ende 2025 und Anfang 2026 begannen.

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