Wladimir Putin: Eindringliche Warnung vor ausgreifendem Kreml-Konflikt

Erst empfing er Selenskyj in Belgrad, dann sprach er aus, was viele in Europa fürchten: Serbiens Präsident Vučić sieht den Kontinent am Rande eines weit größeren Krieges. Moskau wirft ihm Verrat vor - die Kontakte zu Putin liegen auf Eis.

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Wladimir Putin führt seit Februar 2022 Krieg gegen die Ukraine. (Foto) Suche
Wladimir Putin führt seit Februar 2022 Krieg gegen die Ukraine. Bild: picture alliance/dpa/Kremlin Pool Planet Pix via ZUMA Press Wire | Mikhail Metzel
  • Warnung vor Putin-Krieg in Europa
  • Serbien-Präsident warnt vor Sieg über Wladimir Putin
  • Wladimir Putin greift verstärkt zivile Ziele an
  • Keine gemeinsame Drohnenproduktion gegen Putin

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat nach seinem Treffen mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj eine alarmierende Warnung ausgesprochen. Europa befinde sich seiner Einschätzung nach am Beginn eines weit größeren bewaffneten Konflikts. Die Warnung zielt eindeutig in Richtung des Kremls mit seinem Chef Wladimir Putin.

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Warnung vor Putin-Krieg in Europa: "Am Rande eines viel, viel größeren Krieges"

Selenskyj war erstmals in die serbische Hauptstadt gereist – ein historischer Besuch, der angesichts der traditionell engen Verbindungen Belgrads zu Moskau weltweit für Aufsehen sorgte. Das Treffen markiert eine bemerkenswerte diplomatische Annäherung zwischen beiden Ländern inmitten des seit über vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

"Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen", erklärte Vučić im Podcast "MD MEETS" von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. Niemand habe bislang etwas unternommen, um den Frieden voranzubringen - und daran werde sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Deshalb stehe man "am Rande eines viel, viel größeren Krieges", so der serbische Staatschef.

Präsident warnt vor Sieg über Wladimir Putin

Vučić zeichnete im Podcast ein düsteres Bild der weiteren Entwicklung. Ein Ende der Kampfhandlungen noch in diesem Jahr hält er für ausgeschlossen - auch im kommenden Frühjahr rechne er nicht damit. Der Grund: Eine der beiden Seiten müsse zunächst die Oberhand gewinnen, damit der Konflikt beendet werden könne. Bei der gegenwärtigen Pattsituation sehe er keinen Raum für einen Kompromiss.

  • "Wenn Sie die heutige Situation analysieren, glaube ich, dass niemand Frieden sehen will. Jeder will die Niederlage der anderen Seite sehen", so der serbische Präsident.
  • Zugleich warnte er eindringlich davor, auf einen Sieg über Moskau zu setzen. Russland sei eine Atommacht und könne nicht ohne Weiteres besiegt werden. Statt auf die Niederlage einer Partei hinzuarbeiten, brauche es eine Kompromisslösung.

Wladimir Putin greift verstärkt zivile Ziele an

Auf dem Schlachtfeld hat sich die Lage zuletzt weiter verschärft. Die russischen Streitkräfte intensivieren ihre Angriffe auf zivile Einrichtungen in der Ukraine. Kiew reagiert seinerseits mit Langstrecken-Drohnen, die gezielt gegen Russlands Erdölindustrie, Rüstungsbetriebe und weitere strategisch wichtige Infrastruktur eingesetzt werden, um Moskaus Kriegsmaschinerie zu schwächen.

Sämtliche Waffenstillstandsvorschläge der Ukraine und ihrer Verbündeten hat der Kreml bislang zurückgewiesen. Moskau knüpft ein Kriegsende an Bedingungen, die faktisch einer ukrainischen Kapitulation gleichkämen. Der Angriffskrieg dauert mittlerweile fast viereinhalb Jahre an.

Ukraine-Krieg aktuell: Keine gemeinsame Drohnenproduktion gegen Putin

Noch Mitte Juli hatte Vučić beim Ukraine-Südosteuropa-Gipfel in Kiew als einziger Teilnehmer die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung verweigert, die weitere Unterstützung für die Ukraine und stärkeren Druck auf Russland vorsah. Sein Besuchsempfang für Selenskyj nur drei Wochen später markiert daher einen bemerkenswerten Kurswechsel.

Trotz der politischen Brisanz des Treffens stand nicht die Verteidigungspolitik im Mittelpunkt.

  • Vučić stellte auf der gemeinsamen Pressekonferenz klar, dass eine militärische Zusammenarbeit mit Kiew nicht zur Debatte stand.
  • Gerüchte über eine gemeinsame Drohnenproduktion mit der Ukraine wies er zurück - ein solches Projekt sei jedoch mit Großbritannien geplant.

Stattdessen setzten beide Seiten auf wirtschaftliche Kooperation.

  • Vertreter beider Staaten unterzeichneten eine Absichtserklärung über Zusammenarbeit in den Bereichen Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit.
  • Bis Jahresende soll zudem ein Freihandelsabkommen ausgearbeitet werden, wie Selenskyj ankündigte.
  • Der ukrainische Präsident bedankte sich außerdem für humanitäre Unterstützung Serbiens im Medizin- und Energiesektor.

Moskau-Blogger werfen Vučić Verrat vor

Die Einladung Selenskyjs nach Belgrad stieß in Russland auf heftige Ablehnung. Kremlnahe Propagandisten beschuldigten den serbischen Präsidenten, die Partnerschaft mit Moskau zu hintergehen und die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland zu unterstützen. Serbien gehört zu den wenigen europäischen Staaten, die sich den EU-Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen haben.Den Kreml habe er vor Selenskyjs Besuch nicht in Kenntnis gesetzt, erklärte Vučić. Das Verhältnis zu Putin hatte sich zuletzt merklich abgekühlt - die Kontakte seien deutlich seltener geworden als in früheren Jahren.

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