Michael Maurer: Fall nimmt spektakuläre Wende – hat der AfD-Politiker den linken Angriff erfunden?

Monatelang galt Michael Maurer als Opfer eines mutmaßlich politisch motivierten Angriffs. Jetzt steht der AfD-Bürgermeisterkandidat selbst im Fokus der Ermittler. Videoaufnahmen sollen seine Schilderung des Vorfalls deutlich widerlegen.

Erstellt von - Uhr

Die Polizei ermittelt gegen einen AfD-Mann wegen erfundenem Angriff. (Foto) Suche
Die Polizei ermittelt gegen einen AfD-Mann wegen erfundenem Angriff. Bild: picture alliance/dpa | Georg Wendt
  • Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt gegen AfD-Bürgermeisterkandidat Michael Maurer wegen des Verdachts einer falschen Angriffsdarstellung
  • Die Verfahren gegen drei zunächst beschuldigte Gegendemonstranten wurden eingestellt
  • Videoaufnahmen widersprechen nach Angaben der Ermittler der ursprünglichen Schilderung des Vorfalls

Fünf Monate nach einem angeblichen Angriff auf einen AfD-Politiker im bayerischen Kommunalwahlkampf hat sich der Fall komplett gedreht. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt nun gegen den AfD-Bürgermeisterkandidaten Michael Maurer aus Rott am Inn selbst. Der 70-Jährige soll einen Angriff durch Personen aus dem linken Spektrum frei erfunden haben.

Weitere aktuelle Meldungen finden Sie am Ende dieses Artikels.

Angebliche Tritte und ein Sturz auf Kopfsteinpflaster– Polizei ermittelt gegen AfD-Mann wegen offenbar erfundenem Angriff

Wie "t-online.de" berichtet, stellten die Ermittler die Verfahren gegen drei ursprünglich Beschuldigte aus der linken Szene ein. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft trifft die Betroffenen keine Schuld. Damit wandelt sich das vermeintliche Opfer zum Beschuldigten – eine bemerkenswerte Kehrtwende in einem Fall, den prominente AfD-Vertreter zuvor lautstark für ihre politische Agenda genutzt hatten.

Der Vorfall ereignete sich am 1. März an einem Wahlkampfstand der AfD in Rosenheim. Maurer schilderte den Hergang zunächst so: Er sei von Tritten zwischen die Beine zu Fall gebracht worden. Anschließend hätten eine junge Frau und ein junger Mann auf ihn eingetreten, als er bereits auf dem Kopfsteinpflaster lag – gegen Beine und Brust. Gegenüber der Presse gab der 70-Jährige zudem an, sich bewusst von der Situation entfernt zu haben, dann aber umzingelt worden zu sein. Auf Grundlage dieser Aussagen leiteten die Behörden ein Strafverfahren wegen Körperverletzung gegen mehrere junge Demonstranten ein. Als Täter benannte die AfD "ortsbekannte Linksextremisten".

Videoaufnahmen entlarven die Darstellung als falsch

Allerdings tauchten rasch Videoaufnahmen auf, die ein völlig anderes Bild zeichneten. Darauf ist zu erkennen, wie Mitglieder des "Offenen Antifaschistischen Plenums Rosenheim" mit einem zusammengefalteten Stoffbanner dicht am AfD-Stand vorbeigingen. Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart trat daraufhin vom Stand vor und griff nach dem Transparent, dessen Ende über den Boden schleifte.

Was folgte, war ein minutenlanges Tauziehen um den Stoff. Maurer mischte sich ein, zerrte ebenfalls am Banner – und kam dabei ohne jegliche Fremdeinwirkung zu Fall. Von Tritten oder einer Umzingelung war auf den Aufnahmen nichts zu sehen. Obwohl der 70-Jährige nach Veröffentlichung des Videos zunächst ankündigte, seinen Strafantrag zurückzuziehen, entschied er sich letztlich dagegen und hielt daran fest.

AfD-Größen nutzten den angeblichen Angriff politisch aus

Noch bevor die Videoaufnahmen die Schilderung widerlegten, hatten hochrangige AfD-Politiker den vermeintlichen Vorfall bereits öffentlichkeitswirksam verbreitet. Landtagsabgeordneter Winhart fotografierte den am Boden liegenden Maurer und sprach von einem Übergriff durch "ortsbekannte Linksextremisten". Der Bundestagsabgeordnete Götz Frömming teilte einen ersten Medienbericht und kommentierte in Großbuchstaben: "WO BLEIBT DER AUFSCHREI?"

Die AfD-Europaabgeordnete Mary Khan griff den Fall ebenfalls auf und kritisierte: "Die Tagesschau schweigt." Gewalt von links gegen die AfD werde systematisch heruntergespielt, während die Berichterstattung über rechte Gefahren in Endlosschleife laufe, so ihr Vorwurf. Die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Traunstein stellen diese öffentlichen Stellungnahmen nun in ein gänzlich anderes Licht.

Weitere Meldungen passend zum Thema finden Sie hier:

/gom/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.