Donald Trump News: Was der Tomahawk-Deal mit Trump bedeutet

Die vor zwei Jahren versprochenen US-Marschflugkörper Tomahawk werden nun doch geliefert - aber unter den neuen Bedingungen Trumps: Deutschland muss zahlen und selbst fürs Personal sorgen.

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Donald Trump bei einer Rede. (Foto) Suche
Donald Trump bei einer Rede. Bild: picture alliance/dpa/AP | Matt Rourke

Beim Nato-Gipfel haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und sein Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) noch eisern über den wichtigen Deal mit US-Präsident Donald Trump geschwiegen. Aber gleich nach der Rückkehr aus Ankara machte Merz ihn heute Morgen bekannt. Der Kauf von US-Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk in den USA war die große Neuigkeit seiner Regierungserklärung im Bundestag. Damit soll eine bessere Abschreckung Russlands ermöglicht werden.

Was sind Tomahawk-Marschflugkörper?

Der Typ Tomahawk ist der bekannteste Marschflugkörper der USA. Die Waffe des US-Herstellers Raytheon gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten bis zu 2500 Kilometern. Die herkömmliche Version erreicht eine Geschwindigkeit von rund 900 Kilometern pro Stunde. Tomahawks sind allwettertaugliche Marschflugkörper für extrem niedrige Angriffe, die von Schiffen oder U-Booten, aber auch von Land abgefeuert werden können. Die für Deutschland bestimmte Version soll an Land stationiert werden. Daher werden Abschussrampen vom Typ Typhon mitgeliefert.

Was unterscheidet sie von ballistischen Raketen?

Marschflugkörper verfügen anders als ballistische Raketen über einen permanenten eigenen Antrieb. Nach dem Start werden Tomahawks von einem Treibstoff angetrieben, später übernimmt ein kleines Triebwerk den Flug. Sie werden auf vorher definierte Ziele gelenkt und tragen häufig Tragflächen zur Stabilisierung der Flugbahn.

Die unbemannten Flugkörper mit einem Sprengkopf können nach dem Abfeuern ein programmiertes Ziel automatisch treffen. Bei einer Flughöhe von weniger als 200 Metern sind die rund sechs Meter langen und bis zu 1,5 Tonnen schweren Flugkörper von gegnerischem Radar nur schwer zu orten. Die Stückkosten können je nach Version bis zu 2 Millionen US-Dollar betragen.

Warum sind die Mittelstreckenwaffen wichtig für Deutschland?

Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen, Russland aber schon. Iskander-Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können sind, in der Exklave Kaliningrad stationiert und könnten von dort auch Ziele in Deutschland erreichen. Moskau verlegte ab 2022 auch russische Kampfjets mit Luft-Boden-Hyperschall-Raketen vom Typ Kinschal dorthin.

Russland hat außerdem ein Waffensystem mit dem Namen SSC-8 (Russisch: 9M729) entwickelt. Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können. Die USA kündigten wegen dieses Systems mit Rückendeckung der Partner vor einigen Jahren den INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte ballistische Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5.500 Kilometern.

Warum sind die Tomahawks nur eine Übergangslösung?

Mittelfristig wollen mehrere Nato-Verbündete ein eigenes Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe ("deep precision strike") auf sogenannte Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Dazu wurde 2024 auf dem Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa ("European Long-Range Strike Approach") angestoßen. Mehrere europäische Nato-Verbündete wollen unter diesem gemeinsamen Dach einen eigenen Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern entwickeln.

Wie kam der Deal mit Trump zustande?

Beim Nato-Gipfel 2024 hatten die USA unter Präsident Joe Biden für das Jahr 2026 in Aussicht gestellt, Tomahawks sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland zu stationieren - kostenlos und inklusive Personal zur Bedienung der Waffen. Kanzler Merz ging lange Zeit davon aus, dass sich auch Bidens Nachfolger Trump daran hält. "Ich habe im Augenblick keine Veranlassung, an den Verabredungen zu zweifeln, die wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Nato-Bündnis getroffen haben", sagte er noch im vergangenen Dezember.

Nach der deutschen Kritik am Iran-Krieg kündigte Trump aber dann nicht nur an, 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Kurze Zeit später wurde auch bekannt, dass die Verlegung eines sogenannten "Long Range Fires Battalion" zur Bedienung der Mittelstreckenwaffen gestoppt wurde.

Was passierte nach dem Stopp des Projekts?

Deutschland trat in Verhandlungen mit den USA ein, um die Marschflugkörper zu kaufen. Auf dem Nato-Gipfel wurde bereits am Dienstag von den Verteidigungsministern eine Absichtserklärung unterzeichnet, die zuvor auf Spitzenebene zwischen Merz und Trump vereinbart worden ist. Darin sagen die USA zu, im August die offizielle Genehmigung für den Verkauf der Marschflugkörper und die Abschussrampen Typhon zu erteilen. Die Zahl wird geheim gehalten, der Preis auch. Die Entsendung von US-Personal zur Bedienung ist nicht geplant. "Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung", sagte Merz in seiner Regierungserklärung.

Was bedeutet der Deal politisch?

Er passt ins neue Konzept der Nato, nach dem die Europäer mehr Eigenverantwortung für ihre Sicherheit übernehmen und sich nicht mehr auf die Truppen und kostenlosen Waffen der Amerikaner verlassen. Mit der Vereinbarung ist auch ein Reizthema in den deutsch-amerikanischen Beziehungen aus dem Weg geräumt.

Birgt der Kauf der US-Marschflugkörper auch Risiken?

Das ist schwer zu sagen. Befürworter argumentieren, dass das Kriegsrisiko sinkt, weil die Tomahawks die Abschreckung erhöhen und die Schwelle zum Einsatz der Waffen anheben. Kritiker entgegnen, dass moderne Mittelstreckenraketen zur Eskalation beitragen können, weil schon ihre Stationierung die Gegenseite provozieren kann. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits 2024 angekündigt, auf eine Stationierung der Tomahawks "spiegelgerecht" reagieren zu wollen.

Die Waffen gelten als besonders effektiv, weil sie von mobilen Abschussrampen abgefeuert werden, die sich hervorragend tarnen lassen. Zudem sind sie als Lenkflugkörper konzipiert und damit äußerst schnell und treffsicher. All das führt dazu, dass die Gegenseite im Fall eines vermuteten Angriffs innerhalb von Minuten reagieren müsste. Die kleinste Fehleinschätzung könnte verheerende Konsequenzen haben.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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