Missbrauchsvorwürfe: Forscher: Vorwürfe gegen Kardinal Hengsbach "gut belegt"
Eine Studie stuft die Missbrauchsvorwürfe gegen den Essener Kardinal Hengsbach als "plausibel" ein. Was die Forscher zu den Fällen sagen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Die 2023 bekanntgewordenen Missbrauchsvorwürfe gegen den Essener Kardinal Franz Hengsbach (1910-1991) sind nach ersten Ergebnissen einer umfassenden Studie "gut belegt und als plausibel einzustufen". Das sagten Vertreter der drei mit der Studie beauftragten Institute bei der Vorstellung eines Zwischenberichts in München.
Der viele Jahre hoch angesehene Ruhrbischof soll demnach in drei Fällen in den 1950er bis 1980er Jahren sexualisierte Gewalt gegen junge Mädchen ausgeübt haben, ein möglicher Übergriff gegen einen Jungen gilt als "in der Schilderung konsistent", sagten die Forscher. Hengsbach soll unter anderem Mädchen an die Brust gefasst und eine 16-Jährige zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.
"Sexualstraftäter ohne Wenn und Aber"
"Hengsbach war ein Sexualstraftäter - ohne Wenn und Aber", sagte der Sprecher der Betroffenen, Johannes Norpoth. Die Kirche müsse Konsequenzen ziehen und Macht in ihren Strukturen begrenzen. "In mindestens drei Fällen sexualisierter Gewalt gegen junge Frauen ist davon auszugehen, dass sie so stattgefunden haben, wie Betroffene sie schildern", räumte der amtierende Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ein. Betroffenen sei über viele Jahrzehnte nicht geglaubt worden, sagte er.
Auch Overbeck räumt Fehler ein
Overbeck räumte auch selbst Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Fall ein: Er habe Informationen aus Paderborn über einen Missbrauch durch Hengsbach, die ihm bereits 2011 vorlagen, jahrelang nicht weitergegeben. Er habe den Vorgang unterschätzt, weil er sich nicht habe vorstellen können, dass ein Bischof "zu solchen furchtbaren Taten fähig ist", sagte er. Dies sei eine Fehleinschätzung gewesen.
"Destruktiver Machtmissbrauch"
Die Forscher sprechen außerdem von "destruktivem Machmissbrauch des Bischofs gegenüber unterstellten Klerikern". Hengsbach habe laut Zeugenaussagen mehrfach von sexualisierter Gewalt erfahren, aber abwehrend reagiert und keine Konsequenzen für die Beschuldigten gezogen. Eine mögliche Mitwisserschaft und täterschützendes Verhalten würden bei der Fortsetzung der Studie bis zum Herbst 2027 untersucht.
Der 1988 zum Kardinal berufene Hengsbach galt lange als einer der einflussreichsten katholischen Kleriker der Nachkriegszeit. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe 2023 hatte sich die katholische Kirche aber von ihm distanziert. Ein Hengsbach-Denkmal vor dem Essener Dom wurde abgebaut, in der Nähe soll nun ein Gedenkort für Missbrauchsopfer entstehen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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