Kiel: Verwaltungen im Norden suchen Ingenieure und IT-Experten
Kommunen in Schleswig-Holstein suchen Fachkräfte. Wenn Verwaltungen zu wenig Personal haben, merken Bürgerinnen und Bürger das sofort. In bestimmten Fachbereichen macht sich das besonders bemerkbar.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Öffentliche Verwaltungen in Schleswig-Holstein kämpfen gegen Personalmangel in verschiedenen Bereichen. Besonders ausgeprägt ist der Mangel in technischen Berufen und im Sozialbereich. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Kommunen und Verbänden im nördlichsten Bundesland.
"Die Lage ist sehr heterogen, aber die Kommunen haben zunehmend echte Probleme, frei werdende Stellen gut zu besetzen", sagt Thorsten Karstens, stellvertretender Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages (SHGT). Das gelte sowohl für die Anforderungen einer Stelle als auch bei der Frage, wie schnell eine Stelle wiederbesetzt werden kann.
"Der demographische Wandel schlägt voll durch"
"Besonders stark merken wir das bei Bautechnikern und -ingenieuren, am stärksten im Tiefbau, außerdem bei IT-Fachkräften und im erzieherischen Bereich", sagt Karstens. Aber auch im Bereich der klassischen Verwaltungsmitarbeiter werde es zunehmend schwieriger, Stellen zu besetzen. "Der demographische Wandel schlägt zunehmend durch." Kommunen würden deshalb auch immer mehr auf Quereinsteiger zurückgreifen.
Auch die Kreise spüren einen Fachkräftemangel, sagt Daniel Berneith, der stellvertretende Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages. Das liege daran, dass einer wachsenden Zahl von Ruheständlern zu wenige Nachwuchskräfte gegenüberstehen, aber auch daran, dass Kreise und Kommunen "in den letzten Jahren einen erheblichen Zuwachs an neuen Aufgaben hatten oder bestehende Aufgaben erweitert wurden", was zu einer Mehrbelastung führe.
Personalvakanzen führten im Verhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern naturgemäß zu längeren Warte- und Bearbeitungszeiten und auch zu eingeschränkten Erreichbarkeiten, erklärt Berneith. Das gelte auch für die Kolleginnen und Kollegen, die die Fälle der vakanten Stelle mitbearbeiten und daher weniger Zeit für die eigenen Fälle hätten.
Probleme bei Personalgewinnung im Sozialbereich
"Das Problem betrifft dabei im Grunde alle Bereiche. Einige Professionen wie Ingenieure oder Informationstechniker werden aber vielfach besonders gesucht, auch weil hier die Konkurrenz zur freien Wirtschaft groß ist", sagt Berneith. Immer wieder zeigten sich auch Probleme bei der Personalgewinnung im Sozialbereich. Zahlen für Schleswig-Holstein habe er nicht. Prognosen gingen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 bundesweit etwa 731.000 Beschäftigte in der Verwaltung fehlen werden.
Es gebe allerdings auch Bereiche, in denen etwas Besserung eingetreten sei. So hätten die Landkreise in Schleswig-Holstein in den Ausländerbehörden zuletzt durchaus freie Stellen besetzen und insofern auch die gestiegene Zahl von Einbürgerungsanträgen bearbeiten können, sagt Berneith.
Die Großstädte im Norden berichten ebenfalls von einigen Engpässen bei technischen und sozialen Berufen. In der Hansestadt Lübeck arbeiten 4.560 Personen in der Kernverwaltung, derzeit sind nach Angaben von Sprecherin Nicole Dorel etwa 40 Stellen in der Ausschreibung.
Starke Konkurrenz durch die Privatwirtschaft
In manchen Berufsgruppen spüre der öffentliche Dienst die Konkurrenz zur Privatwirtschaft sehr stark, was eine Stellenbesetzung deutlich erschwere, zum Beispiel in bautechnischen Bereichen bei Ingenieursberufen, berichtet Dorel. "Pauschal von einem Personalmangel zu sprechen, wäre aber nicht zutreffend", sagt sie.
Von einem pauschalen Personalmangel könne man nicht sprechen, sagt auch die Sprecherin der Stadt Kiel, Kerstin Graupner. "Bei knapp über 5.000 Stellen haben wir eine Stellenbesetzungsquote von 95 Prozent." Weil viele Menschen in Teilzeit arbeiten, seien deutlich mehr Menschen beschäftigt, etwa 6.500 Menschen.
Gesucht würden auch in Kiel vor allem Fachkräfte im IT-Bereich und in Ingenieursberufen. Grundsätzlich sei die Stadtverwaltung aber gut aufgestellt, so Graupner. Aktuell habe die Stadt Kiel 30 Stellenangebote veröffentlicht. Über ein ganzes Jahr betrachtet müssten 500 Stellen besetzt werden.
Die Stadt Flensburg beschäftigt etwa 1.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aktuell seien 17 Stellen ausgeschrieben, sagt Sprecher Clemens Teschendorf. In einigen Bereichen gebe es grundsätzlich erhöhte Herausforderungen, Stellen nachzubesetzen. Das sei in Einzelfällen im Bereich Soziales und Erziehung und in den technischen Bereichen bei Ingenieuren und Architekten gegeben. Die Stellen könnten allerdings immer noch besetzt werden.
Flensburg sucht dringend Personal im ärztlichen Bereich
"Erhebliche Schwierigkeiten bestehen im ärztlichen Bereich und bei besonderen Spezialaufgaben im planerischen Bereich, zum Beispiel in der Verkehrsplanung", sagt Teschendorf. Dort gebe es längere Vakanzen. Im Bereich der Allgemeinen Verwaltung gelinge die personelle Akquise aktuell zufriedenstellend.
Die Stadt Neumünster beschäftigte Ende vergangenen Jahres 1.985 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung. Die Besetzungsquote liege bei 97,5 Prozent auf. Aktuell seien 15 Stellenausschreibungen sowie drei Ausschreibungen für Nachwuchskräfte veröffentlicht, sagt Sprecher Stephan Beitz. 18 weitere Besetzungsverfahren liefen gerade.
"Besonders herausfordernd" sei die Personalgewinnung derzeit insbesondere in Bereichen mit stark nachgefragten Fachqualifikationen. Dazu zählen vor allem die Feuerwehr, der Bereich Bauingenieurwesen und Stadtplanung sowie sozialpädagogische und sozialarbeiterische Berufe, erklärt Beitz.
Um neue Kräfte für ihre Verwaltungen zu gewinnen, setzen alle größeren Städte in Schleswig-Holstein auf gezielte Werbung, Social Media spielt dabei eine große Rolle. Geworben wird unter anderem mit flexiblen Arbeitszeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Fitnessangeboten, Jobrädern oder auch Jobtickets. "Die Kommunen versuchen, sich den Bewerbern attraktiver darzustellen", sagt Thorsten Karstens vom SHGT. Auch die persönliche Ansprache im privaten Umfeld nehme wieder zu.
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