Donald Trump: "Werdet ihn los!" Trump eröffnet die Jagd auf Parteikollegen

Donald Trump sorgt mit einem ungewöhnlich scharfen Angriff auf einen republikanischen Abgeordneten für Aufsehen: In einem Video ruft er offen dazu auf, Thomas Massie bei der Vorwahl abzuwählen. Ein Machtkampf, der die Republikaner spalten könnte.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Donald Trump wettert auf TikTok gegen den Republikaner Thomas Massie. (Foto) Suche
Donald Trump wettert auf TikTok gegen den Republikaner Thomas Massie. Bild: picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein
  • Donald Trump ruft Wähler in Kentucky offen zur Abwahl von Thomas Massie auf
  • Streit entzündet sich u. a. an Epstein-Akten und Militärhilfen für Ukraine und Israel
  • Millionen-Dollar-Vorwahl entwickelt sich zum teuersten innerparteilichen Duell

Direkt aus dem Oval Office heraus hat Donald Trump einen ungewöhnlich harten Angriff auf einen Abgeordneten seiner eigenen Partei gestartet. In einem TikTok-Video ruft der US-Präsident die Wähler in Kentucky dazu auf, Thomas Massie bei der morgigen Vorwahl abzustrafen. "Wir befinden uns in einem Kampf gegen den schlechtesten Kongressabgeordneten in der Geschichte unseres Landes", sagte Trump in der Aufnahme. "Er stimmt immer gegen Republikaner und gute Werte. Also werdet Thomas Massie los." Stattdessen unterstützt Trump Massies Herausforderer Ed Gallrein, den er als "großen Patrioten" bezeichnet.

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Konservativ, aber unbequem: Donald Trump greift eigenen Parteikollegen frontal an

Der Konflikt wirkt auf den ersten Blick überraschend, da Massie selbst als klar konservativer Abgeordneter gilt und in über 90 Prozent der Abstimmungen mit der Republikanischen Partei stimmt. Der 55-jährige MIT-Absolvent vertritt jedoch konsequent libertäre Positionen und ist damit in zentralen Punkten auf Kollisionskurs mit Teilen der Parteiführung.

Besonders angespannt ist das Verhältnis seit Massies Zusammenarbeit mit dem demokratischen Abgeordneten Ro Khanna zur Veröffentlichung der Epstein-Akten. Ein Vorhaben, das Trump zuvor blockiert hatte. Hinzu kommt Massies Ablehnung von Teilen von Trumps Gesetzesagenda sowie seine Kritik an Militärhilfen für Israel und die Ukraine. Massie argumentiert, die Mittel würden im Inland dringender benötigt.

Teurer Machtkampf in der republikanischen Vorwahl

Die Auseinandersetzung hat sich zur teuersten Vorwahl in der amerikanischen Geschichte entwickelt. Insgesamt wurden mehr als 32 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben – eine beispiellose Summe für einen parteiinternen Wettbewerb.

Massies Gegner Gallrein profitiert dabei von der Unterstützung einflussreicher Geldgeber. Miriam Adelson, Witwe des Casino-Magnaten Sheldon Adelson, sowie die Finanziers Paul Singer und John Paulson haben Millionenbeträge in seine Kampagne gesteckt. Auch die israelische Lobbyorganisation AIPAC griff tief in die Tasche – Massies ablehnende Haltung zur Israel-Hilfe macht ihn zum Feindbild der Pro-Israel-Lobby.

Die Zahlen verdeutlichen das Ungleichgewicht: 18,6 Millionen Dollar flossen in Gallreins Kampagne, während Massie auf 13,5 Millionen Dollar kam. Der entscheidende Unterschied: Massies Kriegskasse speist sich überwiegend aus Kleinspenden seiner Unterstützer.

@realdonaldtrump

GET RID OF THOMAS MASSIE.

♬ original sound - President Donald J Trump

Trump-Wähler stellen sich gegen den US-Präsidenten

Die Reaktionen in den sozialen Medien fallen für Trump verheerend aus. Unter seinem Video häufen sich kritische Kommentare – ausgerechnet von seinen eigenen Anhängern. "Wie konnte ich darauf hereinfallen? Ich habe dreimal für diesen Mann gestimmt", schreibt ein TikTok-Nutzer. Ein anderer erklärt: "Massie ist ein wirklich guter Mann. Er hat in 95 Prozent der Fälle mit Trump gestimmt – und wenn nicht, hatte er recht. Bitte hört mit diesem Hass auf!" Besonders deutlich wird ein dreifacher Trump-Wähler: "Ich würde Massie sofort wählen, um deinen Job zu übernehmen. Wenn du so weitermachst, verlierst du nicht nur die Zwischenwahlen, sondern auch für J.D. und Marco." Viele Kommentatoren bezeichnen Massie als einen der besten Republikaner im Kongress. "Thomas hat wohl die konservativste Abstimmungsbilanz im gesamten Kongress", heißt es. Ein weiterer Nutzer bringt die Verwirrung auf den Punkt: "Ich verstehe nicht, was dein Problem mit ihm ist."

Riskantes Spiel vor den Zwischenwahlen

Trumps Feldzug gegen parteiinterne Kritiker könnte sich als strategischer Fehler erweisen. Am Wochenende verlor bereits Senator Bill Cassidy aus Louisiana seine Vorwahl gegen eine von Trump unterstützte Kandidatin – Cassidy hatte sich im zweiten Amtsenthebungsverfahren für eine Verurteilung des Präsidenten ausgesprochen.Doch die Stimmung hat sich zuletzt deutlich gegen Trump gewandt.

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