Wladimir Putin: Pure Berechnung - Experte entlarvt Kriegs-Ausrede des Kremlchefs

Kremlchef Wladimir Putin verfolgt im Ukraine-Krieg aktuell eine perfide Dreifach-Strategie aus Beruhigung der eigenen Bevölkerung, Verunsicherung des Westens und vorgefertigter Schuldzuweisung an die Nato.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Hat Wladimir Putin mit seinem Ukraine-Satz nur geblufft? (Foto) Suche
Hat Wladimir Putin mit seinem Ukraine-Satz nur geblufft? Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Alexander Kazakov
  • Wladimir Putin überrascht mit Prognose für Ende des Ukraine-Kriegs
  • "Nicht weil es passiert" - US-Experte entlarvt Putins Friedensrhetorik
  • Verunsicherung als Waffe gegen Ukraine-Unterstützer
  • Nato als Sündenbock: Putin bereitet Ausrede für Kriegsfortsetzung vor

Es war eine Aussage, die für reichlich Wirbel sorgte. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte zuletzt am Rande seiner jährlichen Parade zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg, dass sich der Krieg in der Ukraine möglicherweise dem Ende zuneige.

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Wladimir Putin überrascht mit Prognose für Ende des Ukraine-Kriegs

Wladimir Putin äußerte seine Überzeugung, der Ukraine-Krieg "nähere sich seinem Ende", wiederholte jedoch gleichzeitig seine Vorwürfe gegenüber der Nato und dem Westen, die er als Verursacher des Konflikts darstellt. Zusätzlich brachte der russische Staatschef die Idee ins Spiel, über eine künftige Sicherheitsarchitektur für Europa zu diskutieren. Als möglichen Vermittler für solche Gespräche nannte er den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Pikant für Putin: Die Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, da die militärische Belastung und der wirtschaftliche Druck die russische Führung laut Berichten vor wachsende Herausforderungen stellen.

"Nicht weil es passiert" - US-Experte entlarvt Putins Friedensrhetorik

Der amerikanische Analyst Paul Goble widerspricht der Einschätzung, dass Putin mit seinen Aussagen in erster Linie westliche Regierungen ansprechen wolle. Vielmehr richte sich die Botschaft des Kremlchefs an die eigene Bevölkerung in Russland.

  • "Putin bringt die Vorstellung ins Spiel, sein Krieg in der Ukraine könne sich seinem Ende nähern, nicht weil das tatsächlich geschieht", erklärte Goble gegenüber "Kyiv Post".
  • Stattdessen wolle er "einige Menschen in Russland bezüglich der Geschehnisse in der Ukraine beruhigen".

Der Experte bewertet diese Rhetorik als taktisches Manöver, mit dem sich der Kreml Zeit verschaffen und die öffentliche Meinung beeinflussen will. Das eigentliche Ziel sei nicht, die russische Bevölkerung auf Frieden vorzubereiten, betont Goble.

  • Vielmehr gehe es darum, den Bürgern nach Monaten der Kampfbelastung und des wirtschaftlichen Drucks das Gefühl zu vermitteln, die Lage sei unter Kontrolle.
  • Putins verkleinerte Siegesparade habe eher Schwächen als Stärke offenbart, was diese Beruhigungstaktik notwendig mache.

Verunsicherung als Waffe gegen Ukraine-Unterstützer

Putins Äußerungen haben nach Einschätzung Gobles aber noch eine weitere Dimension: Sie sollen gezielt "den Westen aus dem Gleichgewicht bringen".

  • Durch Andeutungen, der Konflikt könne vor seinem Abschluss stehen, hoffe der Kremlchef Zögern bei den Partnern der Ukraine hervorzurufen.
  • Besonders jene Staaten, die über eine Ausweitung ihrer militärischen Unterstützung für Kiew debattieren, sollen zum Innehalten bewegt werden.
  • Putin wolle die "Bereitschaft vieler Länder verringern, die Ukraine energischer zu unterstützen", so der US-Analyst.

Goble ordnet dies als bekanntes Muster aus dem Kreml-Handbuch ein: Man spreche gerade laut genug von Frieden, um andere zum Zögern zu bringen. Gleichzeitig würden aber auf dem Schlachtfeld dieselben Ziele wie zuvor weiterverfolgt.

Nato als Sündenbock: Putin bereitet Ausrede für Kriegsfortsetzung vor

Goble weist auf einen weiteren Aspekt der Putin-Strategie hin: Der russische Präsident lege bereits jetzt den Grundstein für spätere Schuldzuweisungen. Falls sich der Konflikt nicht rasch beenden lasse, werde er die Verantwortung von sich weisen.

  • Putin wolle "eine Situation schaffen, in der er anderen die Schuld geben wird, an erster Stelle der Nato", erklärte der Analyst. Der Kremlchef werde dann behaupten, "er habe den Krieg beenden wollen, aber der Westen verhindere dies".

Diese vorbereitete Rechtfertigungsstrategie ermögliche es Putin, sein Image als friedenswilliger Akteur aufrechtzuerhalten.

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