Friedrich Merz: Kanzler leidet an Hybris - Rhetorik-Experte zieht knallhartes Fazit
Bundeskanzler Friedrich Merz steht nicht zuletzt wegen seiner Wortwahl stark in der Kritik. Rhetorik-Experte und Autor Michael Ehlers weiß - der Kanzler trägt eine gewaltige Mitschuld. Und es wäre Zeit, ihn zu stoppen.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Friedrich Merz seit Wochen in der Kritik
- Bundeskanzler zu detailverliebt?
- Darum kommen seine Botschaften bei der Bevölkerung nicht an
- Rhetorik-Experte zieht bitteres Fazit - und nimmt seine Partei in die Pflicht
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich mit der einen oder anderen Aussage in den vergangenen Wochen stark in die Nesseln gesetzt. Man erinnere sich an seine Stadtbild-Formulierung, die wochenlang für Diskussionen sorgte. Rhetorik-Experte Michael Ehlers hat die Kommunikation des Bundeskanzlers einmal genauer unter die Lupe genommen. Gegenüber dem "Focus"wird der Experte mehr als deutlich.
So jemand ist selten ein guter Bundeskanzler
Zwar halte er Friedrich Merz für einen brillanten Kopf, der gebildet, strategisch wach und analytisch scharf im Denken sei, jedoch in der Kommunikation entscheidende Fehler mache. Laut dem Experten zähle Merz zu den sogenannten "Mismatchern" - jemand, der Probleme zerdenkt, bevor er entscheidet. So jemand sei jedoch selten ein guter Bundeskanzler, so Ehlers. Mismatcher seien zu "detailverliebt", zu präzise und zu "langweilig", so das knallharte Fazit.
Friedrich Merz will sich nicht verbiegen
Genau dies beobachte man auch bei Bundeskanzler Friedrich Merz. Im "Spiegel"-Interview erklärte Friedrich Merz vor wenigen Tagen: "Ich bin von meinem Naturell sehr offen. Ich spreche aus, was ich für richtig halte. Trotzdem will ich mich nicht verbiegen."
Von "Offenheit" kann hier laut Ehlers jedoch keine Rede sein. Merz sei "beratungsresistent". Einer, der sich mit solchen Aussagen geschickt aus der Verantwortung zieht. Was genau dieser Satz bedeutet: "Mein Naturell ist nicht verhandelbar", übersetzt es der Rhetorik-Experte.
Darum kommen die Botschaften von Friedrich Merz nicht an
Merz erreiche so die Bevölkerung nicht. Es fehle ihm die Vereinfachung von komplexen Sachverhalten, so dass sie jeder versteht. Ein Beispiel macht dies deutlich. Friedrich Merz fragt: "Sind wir wirklich ein so krankes Volk?" - gemeint ist die volkswirtschaftliche Frage zum Krankenstand. Gehört werde aber etwas anderes. "Identität. Arbeitsmoral. Verdacht. Schwäche."
Fehlkommunikation des Bundeskanzlers: Partei schaut weiterhin einfach nur zu
Besonders interessant: Laut dem Experten wisse Friedrich Merz um genau diese Defizite. Um seine Wortwahl, die eben nicht den Nerv des Volkes treffe. Aber er ignoriere es. "Das ist keine intellektuelle Schwäche. Das ist eine mentale Haltung. Genauer: Hybris", so das knallharte Fazit Ehlers, der zudem seine Partei in die Pflicht nimmt. Jedes CDU- und CSU-Mitglied, das schweigt, wenn der Bundeskanzler sich einen weiteren Fehltritt leistet, trägt Mitverantwortung. "Wer einen Kanzler stellt, hat die Pflicht, ihm klar zu sagen, wenn sein Kommunikationsstil dem Amt schadet."
Die Zeiten haben sich geändert. Gedruckte Interviews und Auftritte werden heute in kurzen Netz-Sequenzen wiedergegeben, aus dem Kontext gerissen und millionenfach geteilt. Wer sich hier in der Wortwahl verrennt, kann gehörigen Schaden anrichten, ist sich der Experte sicher. Friedrich Merz fehle es an Wirkung. Er sei zu unbeweglich. Laut Ehlers werde sich dies ohne Druck von außen auch nicht ändern.
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