Agrar-Krise in Russland: Lässt Wladimir Putin seine flehenden Bauern im Stich?

Frost und Dürre haben 2025 in Russland zum schlimmsten Erntejahr seit 17 Jahren gemacht – jetzt schlägt Russlands Bauernverband Alarm und fordert drastische Maßnahmen von Wladimir Putin, der jedoch lieber eifrig Subventionen zusammenkürzt.

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Die russische Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise - Russlands Bauern flehen Wladimir Putin nun auf Knien um Hilfe an. (Foto) Suche
Die russische Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise - Russlands Bauern flehen Wladimir Putin nun auf Knien um Hilfe an. Bild: picture alliance/dpa/Planet Pix via ZUMA Press Wire | Kristina Kormilitsyna
  • Russlands Bauern flehen Wladimir Putin um Hilfe an
  • Russische Landwirtschaft in tiefer Krise - Erträge brechen ein, Kosten explodieren
  • Kreml-Chef droht Untergang der russischen Landwirtschaft

Die russische Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Der Verband der bäuerlichen Betriebe und landwirtschaftlichen Genossenschaften (AKKOR) hat sich mit einem dringenden Hilferuf an die Regierung gewandt, wie die "Moscow Times" berichtet; auch bei "Focus online" ist über das Thema zu lesen.

Wladimir Putin von russischen Bauern um Hilfe angefleht

Explodierende Betriebskosten bei gleichzeitig einbrechenden Erträgen bringen die Erzeuger an ihre Grenzen. Besonders hart trifft es kleine und mittelständische Höfe, die nach Angaben des russischen Statistikamts Rosstat rund 64 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften.

Russlands Landwirtschaft von explodierenden Kosten und mageren Erträgen gebeutelt

Der Bauernverband warnt eindringlich: Ohne zusätzliche Unterstützung vom Staat drohe die Zahl der Produzenten weiter zu sinken. Die wirtschaftliche Situation verschlechtere sich von Jahr zu Jahr. Schwere Missernten durch Frost und Dürre haben die ohnehin angespannte Lage zusätzlich verschärft.

AKKOR hat sich mit konkreten Forderungen an das Kabinett, das Landwirtschaftsministerium und das Parlament gewandt. Der Verband verlangt die Streichung der Ausfuhrabgaben auf Getreide, Gemüse und Ölsaaten. Zusätzlich sollen die Zölle auf Energie, Treibstoff und Düngemittel gesenkt werden. Regulierte Exportpreise beim Getreide und bürokratische Hindernisse belasten die Erzeuger zusätzlich. Die staatlichen Fördermaßnahmen müssten dringend ausgeweitet werden, so die Forderung des Verbands.

Lässt Wladimir Putin seine Bauern im Stich? Kreml-Chef kürzt weiter Subventionen

Doch die Aussichten auf mehr Hilfe sind düster: Moskau kürzt seit Monaten auf breiter Front die Subventionen. Grund dafür ist das massive Haushaltsdefizit, das die Regierung unter Kontrolle bringen will. Die Interessen der Landwirte und die Sparzwänge des Staates stehen damit in direktem Konflikt.

Russlands Kleinbauern sichern Großteil der Lebensmittelproduktion

Die Bedeutung der kleinen und mittelständischen Höfe für Russlands Versorgungssicherheit ist enorm. Laut Rosstat stammten 2025 rund 83 Prozent der Kartoffeln und 81 Prozent des Gemüses von diesen Betrieben. Bei Sonnenblumenkernen lag ihr Anteil bei 72 Prozent, bei Fleisch bei 70 Prozent.

Auch bei Getreide und Milch tragen die kleineren Erzeuger mit 58 beziehungsweise über 50 Prozent erheblich zur Produktion bei. Bei vielen dieser Güter ist Russland Nettoexporteur – das Land führt mehr Schweinefleisch, Rindfleisch, Gemüse und Getreide aus als es einführt. Eine Schwächung des Sektors würde daher nicht zwangsläufig zu leeren Supermarktregalen führen. Allerdings drohen bei anhaltender Krise sinkende Exporterlöse – eine wichtige Einnahmequelle für die russische Wirtschaft.

Frost und Dürre vernichten hunderttausende Hektar Agrarland in Russland

Das Jahr 2025 ging als das verheerendste Erntejahr seit 17 Jahren in die russische Agrargeschichte ein. Bereits im Frühling richteten Frosteinbrüche massive Schäden an: Mehr als 240.000 Hektar Anbaufläche wurden beschädigt, davon waren 100.000 Hektar komplett verloren. Im Sommer folgte die nächste Katastrophe. Extreme Hitzewellen und anhaltende Trockenheit zerstörten weitere 500.000 Hektar an Ernten. Die klimatischen Extremereignisse trafen die ohnehin angeschlagenen Betriebe mit voller Wucht. Der Agrarsektor zählt zu den tragenden Säulen der russischen Wirtschaft. Ein besonderer Vorteil: Der Westen hatte bewusst darauf verzichtet, diesen Bereich mit Sanktionen zu belegen, um die globale Nahrungsmittelversorgung nicht zu gefährden.

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