Vor dem Todestag: Gänswein zu Papst Franziskus: "Manche Aussagen überraschten"

Der Schwarzwälder Geistliche war enger Vertrauter von Benedikt XVI., doch zu Papst Franziskus hatte er ein schwieriges Verhältnis.

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Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, winkt nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. (Foto) Suche
Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, winkt nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. Bild: picture alliance/dpa/AP | Alessandra Tarantino

Erzbischof Georg Gänswein hat Papst Franziskus vor dessen erstem Todestag auch kritisch beurteilt. Manche Aussagen seien "aus dem Munde eines Papstes zumindest überraschend", sagte er der italienischen Zeitung "La Repubblica". Dabei bezog er sich insbesondere auf eine viel beachtete Äußerung von Franziskus aus dem Jahr 2013 zu homosexuellen Gläubigen: "Wer bin ich, dass ich urteile?"

Das Verhältnis zwischen Franziskus und Gänswein galt über Jahre hinweg als belastet. Der aus dem Schwarzwald stammende Geistliche war langjähriger Privatsekretär von Benedikt XVI. und betreute den emeritierten Papst nach dessen Rücktritt 2013 fast zehn Jahre lang. Nach dessen Tod veröffentlichte Gänswein 2022 das Buch "Nichts als die Wahrheit". Darin äußerte er Enttäuschung über Franziskus und machte teils private Briefe öffentlich. In der Folge wurde er zunächst in seine Heimat versetzt und später als Vatikan-Botschafter ins Baltikum entsandt.

Zwei Päpste im Vatikan, aber kein Machtkampf

Gänswein schilderte die außergewöhnliche Phase nach dem Rücktritt des Deutschen, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, in der zeitweise zwei Päpste im Vatikan lebten. Dies sei jedoch häufig missverstanden worden: "Es gab nur einen Papst", sagte er. Die oft beschriebene Doppelspitze sei zwar "beispiellos", die Männer hätten aber keine gleichberechtigte Autorität gehabt. Benedikt sei tatsächlich "Papst Emeritus" gewesen.

Die gleichzeitige Präsenz zweier weiß gekleideter Männer habe zwar für Verwirrung gesorgt, aber Ratzinger habe bewusst Unterschiede betont – etwa durch veränderte Kleidung und ein zurückhaltenderes Auftreten. Franziskus habe seinen Vorgänger "sehr brüderlich" behandelt. Berichte über größere geistliche Konflikte seien "stark übertrieben", so Gänswein.

Auch die Darstellung, Benedikt sei eine Art Anlaufstelle für konservative Kritiker geworden, treffe so nicht zu, betonte der Geistliche. Vielmehr sei im Laufe der Zeit eine gewisse Vertrautheit gewachsen, die sich auch in kleinen Gesten zeigte – etwa bei gegenseitigen Geschenken, zitierte ihn "La Repubblica".

Papst Franziskus starb am Ostermontag des vergangenen Jahres im Alter von 88 Jahren. Gänswein erlebte 2013 seine Wahl zum Oberhaupt von rund 1,4 Milliarden Katholiken aus nächster Nähe.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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