Donald Trump: Der "Anti-Trump": Leo XIV. gewinnt an Kontur
Ein Jahr ist es her, dass der Papst aus Argentinien starb. Sein Nachfolger macht auf der ersten "eigenen" Reise deutlich, dass er sich keinesfalls einschüchtern lassen will. Aber das reicht ihm nicht.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Das ist eine Reise, wie sie wahrscheinlich auch Donald Trump sehr genießen würde. Anderthalb Wochen durch die verschiedensten Länder Afrikas. Tag für Tag Menschen in Ekstase, die einen hymnisch bejubeln. Zehntausende entlang der abgesperrten Straßen und regelmäßig mehr als 100.000 bei den Kundgebungen unter freiem Himmel. Und manchmal, wie in Kameruns Hauptstadt Jaunde, ein Präsidentenpalast so protzig in Gold, dass selbst Trump neidisch werden könnte.
Allein dass der Jubel nicht dem US-Präsidenten gilt, sondern einem anderen Amerikaner: Leo XIV., dem ersten Papst aus den Vereinigten Staaten. Oder, wie er seit Beginn der Reise vor einer Woche genannt wird: dem "Anti-Trump". An diesem Dienstag jährt sich der Todestag seines Vorgängers Franziskus zum ersten Mal. Als Papst Nr. 267 trat er in den ersten Monaten nicht groß in Erscheinung. Umso mehr hat er nun in der Auseinandersetzung mit US-Präsident Nr. 45 und 47 an Kontur gewonnen.
Die ersten Monate sehr vorsichtig
Als der Argentinier Franziskus am Ostermontag 2025 mit 88 Jahren starb, war Robert Francis Prevost - so Leos Geburtsname - noch einer unter vielen. Um genau zu sein: einer von 252. So viele Kardinäle gab es damals. Im Vatikan kümmerte sich der Augustinermönch, der aus seiner Zeit als Missionar auch die Staatsbürgerschaft Perus hat, um die Bischöfe weltweit. Vor dem Konklave galt er durchaus als "papabile". Favorit war er nicht.
Seine ersten Worte nach der Wahl waren: "Friede sei mit Euch allen." Aber im ersten Dreivierteljahr machte Leo vor allem durch Äußerlichkeiten auf sich aufmerksam: insgesamt wieder traditioneller, päpstlicher. Ansonsten agierte er sehr vorsichtig. In seinen Predigten nahm er immer wieder auf den Vorgänger Bezug. Sogar der erste Auslandsbesuch - vergangenes Jahr in die Türkei und den Libanon - war noch wie von Franziskus geplant.
Auf den Spuren des Heiligen Augustinus
Das ist nun anders. Die erste "eigene" Reise führte Leo zunächst nach Algerien, was für einen Augustiner von besonderer Bedeutung ist. Dort am Mittelmeer war im vierten und fünften Jahrhundert die Wirkungsstätte des Heiligen Augustinus von Hippo, dem Namensgeber des Augustinerordens. Inmitten der antiken Ruinen war Leo anzusehen, dass ihn das bewegte.
Vor allem aber macht das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken jetzt deutlich, dass sein "Friede sei mit Euch allen" keineswegs nur als der übliche Friedensappell verstanden werden soll, wie man ihn von Päpsten kennt. Angesichts der Weltlage unterfüttert Leo seine Worte mit sehr deutlicher Kritik an politischen Entscheidungsträgern - anfangs ohne Namen zu nennen, dann aber doch. Trumps Drohungen gegen den Iran nannte er "wirklich inakzeptabel".
Von wegen Afrika – Streit mit Trump macht weltweit Schlagzeilen
Allen war auch klar, wen er in einem Friedensgebet nach Ostern im Blick hatte: "Schluss mit der Selbstvergötterung und der Vergötterung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!" Darauf reagierte Trump unmittelbar vor Leos Abreise nach Afrika mit einer historisch einmaligen Schimpftirade. Dazu stellte er ein KI-generiertes Kitschgemälde von sich als Heiland ins Internet.
Leo machte sofort deutlich, dass er sich nicht einschüchtern lassen will. Bei einem Rundgang durch sein Flugzeug stellte er im Gespräch mit mitreisenden Reportern klar: "Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung." Als er dann in Kamerun in einer Rede erklärte, dass die Welt unter einer "Handvoll Tyrannen" leide, verstanden das viele als neuen Hieb gegen Trump. Plötzlich galt Leo als der Mann, der dem US-Präsidenten auf internationaler Bühne am entschiedensten Kontra gibt.
Der Papst ließ das auch zwei Tage lang zu - bis er sich in einem neuen bemerkenswerten Auftritt in 10.000 Metern Höhe um Entspannung bemühte. Auf dem Weiterflug nach Angola erklärte er, manche seiner Äußerungen würden falsch interpretiert, auch das Wort von der "Handvoll Tyrannen". "Das wurde so aufgefasst, als wolle ich dem Präsidenten widersprechen. Das liegt überhaupt nicht in meiner Absicht." Manche werten dies als eine Art Friedensangebot - ohne dass Trump zunächst darauf einging.
Leo will mehr sein als "Anti-Trump"
Im Vatikan sind sie auf unterschiedliche Reaktionen vorbereitet. Die Hoffnung, dass sich das Verhältnis zwischen US-Papst und -Präsident halbwegs normalisieren könnte, hat kaum jemand. Bei Leos Beschwichtigungsversuch spielt noch etwas anderes mit: Der Pontifex hat an einer Rolle als "Anti-Trump" keinerlei Interesse. Als "Stellvertreter Christi auf Erden" sieht er sein Wirken in größeren Zusammenhängen.
Die Kirchenoberen ärgert zudem, dass der Ärger mit Trump den eigentlichen Sinn und Zweck von Leos Reise in den Hintergrund drängt: Im Unterschied zu Europa ist Afrika für die katholische Kirche ein Kontinent der Zukunft. Heute schon bekennen sich dort etwa 290 Millionen zum katholischen Glauben, mehr als in Europa. Zum Ende des Jahrhunderts könnten es nach Prognosen mehr als 700 Millionen sein.
Auch andere Staatschefs kriegen Kritik ab
Kaum registriert wurde, dass Leo auf seiner Reise auch anderen Staatschefs die Leviten las. Kameruns Machthaber Paul Biya, der schon seit 1982 Präsident ist, bekam in seinem Palast zu hören: "Frieden liegt in der Verantwortung aller, angefangen bei den staatlichen Behörden." Auf einer Messe vor mehr als 100.000 Menschen wurde der Papst noch deutlicher. Dort proklamierte er, es sei an der Zeit für einen Wandel.
In Angola ging Leo mit ausländischen Mächten und internationalen Konzernen ins Gericht, die immer noch vor allem an der Ausbeutung von Afrikas Rohstoffen interessiert seien. Auch das wurde angesichts der Schlagzeilen um den Streit mit Trump meist nur am Rande registriert. Zumindest auf der letzten Reisestation Äquatorialguinea dürfte es am Dienstag um anderes gehen: den ersten Todestag von Franziskus.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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