Russlands Wirtschaft vor dem Zusammenbruch?: Klartext im Kreml - Putin gibt Absturz zu

Es sind ungewöhnlich offene Worte von Wladimir Putin: Vor Verbündeten gestand der Kremlchef, dass es der russischen Wirtschaft zunehmend schlechter geht. Im Netz wird bereits über einen Kontrollverlust diskutiert.

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Bei einer Sitzung zu wirtschaftlichen Fragen im Kreml sprach Wladimir Putin ungewohnt offen Probleme an. (Foto) Suche
Bei einer Sitzung zu wirtschaftlichen Fragen im Kreml sprach Wladimir Putin ungewohnt offen Probleme an. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Alexander Kazakov
  • Wladimir Putin spricht offen über Probleme in der russischen Wirtschaft
  • Bruttoinlandsprodukt sank laut Kremlchef im Januar und Februar um 1,8 Prozent
  • Spöttische Reaktionen auf Putins Eingeständnis in den sozialen Medien

Mehr als vier Jahre nach Beginn der Invasion hat Wladimir Putin seine Kriegsziele in der Ukraine weiterhin nicht erreicht. Stattdessen sind für den Kremlchef zuletzt auch die Probleme im eigenen Land immer größer geworden. Er kämpft mit sinkenden Beliebtheitswerten und die russische Wirtschaft gerät zunehmend unter Druck. Jetzt sprach Putin erstmals offen darüber, wie dramatisch die Lage tatsächlich ist.

Wladimir Putin berichtet über Schwierigkeiten der russischen Wirtschaft

Bei einem Treffen im Kreml zu wirtschaftlichen Fragen räumte Präsident Wladimir Putin am Mittwoch ein, dass die makroökonomischen Kennzahlen des Landes deutlich hinter den Prognosen zurückbleiben."Nicht nur hinter den Erwartungen von Experten und Analysten, sondern auch hinter den Vorhersagen der Regierung und der russischen Zentralbank", sagte der Präsident laut der staatlichen Nachrichtenagentur "Tass". Er präsentierte alarmierende Zahlen: In den Monaten Januar und Februar schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 1,8 Prozent. Putin bedauerte, dass die wirtschaftliche Dynamik bereits zwei Monate in Folge rückläufig sei. Trotz der wirtschaftlichen Talfahrt gibt es laut Putin auch einen Lichtblick: Die Arbeitslosenquote verharrt bei historisch niedrigen 2,1 Prozent.

Kremlchef fordert Maßnahmen gegen weiteren Absturz

Der Kremlchef forderte das Finanzressort auf, konkrete Maßnahmen zur Ankurbelung des Wachstums vorzubereiten. Dabei sollen Vorschläge erarbeitet werden, die Unternehmensinitiativen stärken und die Beschäftigungsstruktur zugunsten von Branchen mit höherer Wertschöpfung verbessern. Gleichzeitig mahnte Putin, trotz der Turbulenzen an den internationalen Märkten an der Haushaltsstabilität festzuhalten.

Spott für Putin im Netz wegen Zusammenbruch

Putins Eingeständnis zur schwächelnden russischen Wirtschaft sorgte in den sozialen Medien für Spott. So schrieb beispielsweise das kremlkritische Medienprojekt Nexta auf X (vormals Twitter):

  • "Vier Jahre nach Beginn seines 'Dreitägigen Krieges' merkt Putin endlich, dass sein genialer Plan den Bach runtergegangen ist. Die russische Wirtschaft ist gerade gegen die Wand gekracht, auf die sie schon immer zugerast ist. Von der Invasion ist natürlich keine Rede. Die Schuld liegt bei allen anderen. Die Clownwelt dreht sich weiter."

Auch Anton Geraschtschenko, ehemaliger Berater des ukrainischen Innenministers, teilte Putins Eingeständnis auf X. Unter seinem Post finden sich Kommentare wie:

  • "Dass dies die russische Propagandamaschinerie umgangen hat und auf Putins Schreibtisch gelandet ist, bedeutet, dass Putin die Kontrolle verliert."
  • "Wenn sogar Putin das zugibt, dann steht es viel schlechter, als wir wissen."
  • "Die Ukraine muss weiterhin darauf hinwirken, dass die russische Wirtschaft so stark zusammenbricht, dass Putin in die Enge getrieben wird und keine andere Wahl hat, als sich zurückzuziehen – andernfalls wird die russische Wirtschaft ebenso zusammenbrechen wie die der Sowjetunion."

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