Wladimir Putin: Bloßgestellt vor laufender Kamera - knallharte Abfuhr für den Kremlchef

Wladimir Putin musste sich in Moskau von Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan anhören, sein Land habe freie Wahlen, unzensiertes Internet und keine politischen Häftlinge - eine direkte Abrechnung mit dem russischen System vor laufenden Kameras.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Wladimir Putin wurde öffentlich bloßgestellt. (Foto) Suche
Wladimir Putin wurde öffentlich bloßgestellt. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Gavriil Grigorov
  • Wladimir Putin warnt Armenien vor EU-Beitritt
  • Wladimir Putin streitet über Wahlen in Armenien
  • Karabach-Debakel als Wendepunkt in den Beziehungen
  • "Wie eine nasse Nudel" - Ukrainische Kritiker verspotten Putin

Beim Treffen mit dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan in Moskau wollte Wladimir Putin seine standfeste Seite zeigen und stellte unmissverständlich klar: Armenien könne nicht gleichzeitig Mitglied der Europäischen Union und der von Russland geführten Eurasischen Wirtschaftsunion sein. Doch laut seinen Kritikern erlebte eine knallharte Überraschung.

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Wladimir Putin warnt Armenien vor EU-Beitritt

Der russische Präsident bezeichnete eine Doppelmitgliedschaft als unmöglich, da beide Blöcke unterschiedliche Handels- und Zollregime haben. Armenien befindet sich derzeit in einem Spagat zwischen Ost und West. Während das Land seit 2015 zur Eurasischen Wirtschaftsunion gehört, hat Paschinjan wiederholt seinen Willen zum EU-Beitritt bekundet. Gleichzeitig setzte seine Regierung die Teilnahme am von Moskau dominierten Sicherheitspakt CSTO aus und orientierte sich verstärkt gen Westen.

Paschinjan räumte ein, dass beide Mitgliedschaften tatsächlich unvereinbar seien. Dennoch könne Armenien vorerst die Eurasische Wirtschaftsunion mit der Entwicklung der Kooperation zur EU kombinieren, bis eine endgültige Entscheidung getroffen werden müsse. Die Beziehungen zu Russland bezeichnete er als tief und wichtig.

Wladimir Putin streitet über Wahlen in Armenien

Putin brachte beim Treffen seine Hoffnung zum Ausdruck, dass prorussische Kräfte vor der anstehenden Parlamentswahl im Juni ungehindert antreten dürfen. Der Kremlchef verwies darauf, dass mehrere ihrer Vertreter inhaftiert worden seien.

Paschinjan konterte mit Verweis auf die armenische Gesetzeslage. Diese erlaube ausschließlich Bürgern mit rein armenischen Pässen, ins Parlament gewählt zu werden oder das Amt des Premierministers zu bekleiden. Armenien sei ein demokratisches Land, in dem jeder an Wahlen teilnehmen könne, sofern er die gesetzlichen Voraussetzungen erfülle, betonte der Regierungschef.

Das Haupthindernis für eine breitere Beteiligung russischer Kreise sei eine rechtliche Vorgabe, keine willkürliche politische Blockade, argumentierte Paschinjan. Die öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung verdeutlichte die Spannungen zwischen den formal verbündeten Staaten.

Karabach-Debakel als Wendepunkt in den Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Armenien und seinem langjährigen Verbündeten Russland haben sich seit dem Karabach-Konflikt dramatisch verschlechtert. Als Aserbaidschan 2023 die Region vollständig zurückeroberte und damit die jahrzehntelange Herrschaft ethnisch-armenischer Separatisten beendete, warf Eriwan den dort stationierten russischen Friedenstruppen vor, den Angriff nicht verhindert zu haben. Moskau, mit dem Ukraine-Konflikt beschäftigt, wies die Vorwürfe zurück und verwies auf ein fehlendes Interventionsmandat.

Trotz aller Spannungen versuchte Putin, auch wirtschaftliche Anreize ins Spiel zu bringen. Er verwies darauf, dass Armenien derzeit russisches Erdgas zu erheblich günstigeren Konditionen beziehe als die in Europa üblichen Preise. Diese Bemerkung sollte offenbar verdeutlichen, welche finanziellen Vorteile das Land durch die Bindung an Moskau genießt.

Paschinjan seinerseits vermied eine offene Provokation. Er unterstrich wiederholt die anhaltende Bedeutung der russisch-armenischen Verbindungen und deren wirtschaftliche Relevanz. Zugleich pochte er darauf, dass sein Land weiterhin Spielraum für engere Beziehungen sowohl zu Europa als auch zu den USA bewahren müsse.

"Wie eine nasse Nudel" - Ukrainische Kritiker verspotten Putin

Die Auseinandersetzung zwischen Putin und Paschinjan löste bei (ukrainischen) Putin-Gegnern höhnische Reaktionen aus. In sozialen Medien verbreiteten Kritiker die Einschätzung, Paschinjan habe den russischen Präsidenten vor laufenden Kameras bloßgestellt. Der armenische Regierungschef habe betont, sein Land verfüge über demokratische Strukturen, freie Wahlen, unzensiertes Internet und keine politischen Häftlinge.

Besonders scharf fiel die Beschreibung von Putins Reaktion aus. Der Kremlchef habe schweigend dagesessen "wie eine erbärmliche nasse Nudel", hieß es in einem Kommentar beim Kurznachrichtendienst X. Diese drastische Darstellung zielt darauf ab, Wladimir Putin als machtlos und schwach zu präsentieren.

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