Arbeitgeberpräsident fordert: Arbeitnehmer sollen keinen Lohn am ersten Krankheitstag erhalten
Kein Gehalt für Beschäftigte am ersten Krankheitstag - das fordert Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger angesichts hoher Krankenstände. Mit seinem Vorstoß heizt er die Debatte um den umstrittenen Karenztag wieder an.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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- Arbeitgeberpräsident fordert keine Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag
- Stattdessen schlägt Dulger einen sogenannten Karenztag vor
- Das Gehalt soll erst am zweiten Tag der Krankheit weitergezahlt werden
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Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger, fordert drastische Maßnahmen gegen die hohen Krankenstände: Arbeitnehmer sollen künftig am ersten Fehltag wegen Krankheit kein Gehalt mehr bekommen.
Kein Lohn - dafür Arbeit nachholen dürfen
Die aktuell hohen Krankenstände seien "ein echtes Problem", erklärte der Arbeitgeberpräsident gegenüber "t-online". Maßnahmen, die missbräuchliche Krankmeldungen erschwerten, seien demnach sinnvoll. Konkret schwebt Dulger so etwa die Einführung eines sogenannten Karenztages vor, bei dem die Lohnfortzahlung erst am zweiten Tag wieder beginnen würde.
Nach Dulgers Vorstellung würde der erste Fehltag zwar ohne Vergütung bleiben, könnte jedoch am Ende des Arbeitsverhältnisses nachgeholt werden. "Der so am Anfang 'verlorene' Tag könnte dann hinten drangehängt werden", so der Arbeitgeberpräsident.
Für Menschen mit längeren Erkrankungen sieht er keine Nachteile: "Diejenigen, die wirklich krank sind und die lange ausfallen, bekämen dieselben Leistungen wie jetzt." Das Modell ziele darauf ab, besonders kurze Ausfallzeiten zu verringern und den Blick verstärkt auf tatsächlich notwendige Krankheitstage zu richten.
Wie hoch ist der Krankenstand aktuell in Deutschland?
Die Forderung des Arbeitgeberpräsidenten kommt vor dem Hintergrund anhaltend hoher Fehlzeiten in deutschen Unternehmen. Laut einer Auswertung des Dachverbands der Betriebskrankenkassensank der Krankenstand im vergangenen Jahr nur minimal von 5,9 auf 5,83 Prozent. Damit liegt er weiterhin erheblich über dem Wert vor der Corona-Pandemie.
Die häufigsten Gründe für Arbeitsausfälle sind Beschwerden des Bewegungsapparats, gefolgt von Erkrankungen der Atemwege. An dritter Stelle stehen psychische Leiden, deren Anteil an den Fehlzeiten in den zurückliegenden Jahren stetig zugenommen hat.
Auffällig: Bundesländer im Osten haben der BKK-Statistik zufolge durchweg einen höheren Krankenstand als im Westen und liegen teils mehr als 15 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Den niedrigsten Krankenstand im Januar 2026 hatte Baden-Württemberg mit mehr als 15 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt zu vermelden.
Allianz-Chef: Deutschland ist "Weltmeister bei Krankmeldungen"
Mit seiner Forderung steht Dulger nicht allein. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz, für die Einführung eines Karenztages ausgesprochen. Der 59-jährige Chef des größten deutschen Versicherungskonzerns begründete seinen Vorstoß ebenfalls mit den überdurchschnittlich vielen Krankheitstagen hierzulande. "Deutschland ist mittlerweile Weltmeister bei den Krankmeldungen. Das erhöht die Kosten im System", sagte Bäte damals dem "Handelsblatt". Die Debatte um unbezahlte erste Krankheitstage gewinnt damit erneut an Fahrt.
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sfx/gom/stg/news.de
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