Rentenreform: Kommt die Rente mit 70? Regierung sollte nicht nur auf Wissenschaftler hören

Einem aktuellen Bericht zufolge soll eine Expertengruppe, die hauptsächlich aus Wissenschaftlern besteht, Vorschläge für die geplante Rentenreform erarbeiten. Die Regierung sollte jedoch weitere Stimmen zum Thema berücksichtigen. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Zum Thema Rente soll eine Expertengruppe Reformvorschläge erarbeiten. (Symbolfoto) (Foto) Suche
Zum Thema Rente soll eine Expertengruppe Reformvorschläge erarbeiten. (Symbolfoto) Bild: Adobe Stock/bilderstoeckchen
  • Expertenkommission soll laut Bericht Vorschläge für Rentenreform erarbeiten
  • Hauptsächlich diskutieren Wissenschaftler
  • Bundesregierung sollte aber auch die Wünsche von Arbeitnehmern berücksichtigen

Kommt die Rente mit 70? Laut aktuellen Informationen der "Bild" soll nun eine 13-köpfige Expertengruppe unter anderem über diesen Reformvorschlag diskutieren. Bis zum 30. Juni wollen sie demnach über Vorschläge für die Bundesregierung zur Überarbeitung des angeschlagenen Rentensystems beraten. Die Wünsche eines Großteils der Bevölkerung werden dabei aber wohl missachtet.

Rente mit 70? Expertenkommission soll über Reformen diskutieren

Denn schaut man sich an, wer zu dieser Expertengruppe gehört, findet man neben drei Bundestagsabgeordneten von Union und SPD acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Namensliste der Rentenkommission. Die Leitung übernehmen laut "Bild" Constanze Janda, Rektorin der Uni Speyer und Expertin für Sozialrecht, sowie Frank-Jürgen Weise, früherer Chef der Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitnehmer brauchen eine Stimme beim Thema Rente, sonst verliert die Bundesregierung weiter an Vertrauen

Die Qualifikation für das Thema ist all diesen Personen mit Sicherheit nicht abzusprechen. Es ist auch richtig und wichtig, dass Wissenschaftler die Vor- und Nachteile eines neuen Rentensystems diskutieren. Doch es gibt ein entscheidendes Problem: Arbeitnehmervertreter mit direktem Einblick in die Jobwelt scheinen zunächst überhaupt kein Mitspracherecht zu haben. Dabei lehnen insbesondere Gewerkschaften wie Verdidie Rente mit 70 klar ab. Der DGB setzt mittlerweile eine eigene Rentenkommission ein, an deren Zusammensetzung es jedoch ebenfalls Kritik gibt, wie "Focus online" berichtete. Ein Dialog der beiden Gruppen wäre begrüßenswert.

Denn egal, welche Empfehlungen die neue Expertenkommission der Regierung am Ende trifft: Es könnte bei den deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schnell der Eindruck entstehen, dass eine Elitegruppe über ihre Köpfe hinweg entscheidet, ohne sich wirklich mit ihren alltäglichen Problemen zu beschäftigen. Der "Bild" zufolge soll die Kommission zwar "sachlich und ideologiefrei" arbeiten. Doch die Bundesregierung sollte sich letztendlich keinesfalls nur an ihren Vorschlägen orientieren. Dies könnte zu einem weiteren Vertrauensverlust führen, von dem schließlich nur radikale Parteien wie die AfD profitieren.

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