Arbeitsmarkt in Not: Millionen fehlen im Jobmarkt – Deutschland muss länger arbeiten

Ökonom Michael Hüther warnt: Deutschlands Erwerbsbevölkerung schrumpft, die Rentnerzahl steigt. Um die Lücke zu schließen, müsse die Bevölkerung länger arbeiten und das Renteneintrittsalter dynamisch angepasst werden.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Überalterung in Deutschland zwingt zu mehr Arbeit. (Foto) Suche
Überalterung in Deutschland zwingt zu mehr Arbeit. Bild: AdobeStock/ sittinan
  • Pillenknick der 1960er führt zu Rückgang der Geburten und Lücke von Arbeitskräften
  • Hüther fordert mehr Arbeitsvolumen und längeres Arbeiten
  • Politik setzt auf Leistungsanreize und flexible Arbeitszeiten zur Vereinbarkeit

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Die deutsche Gesellschaft steht vor einer wachsenden Herausforderung: Immer weniger junge Menschen treten in den Arbeitsmarkt ein, während die Zahl der Rentner stark ansteigt. Ökonom Prof. Dr. Michael Hüther warnte bei "Maybrit Illner" eindringlich, dass diese demografische Entwicklung in den kommenden Jahren das zentrale Problem der Arbeitswelt sein wird.

Die Sendung von Maybrit Illner finden Sie aktuell in der ZDF-Mediathek.

Der Pillenknick sorgt für Lücken im Arbeitsmarkt

Hüther verweist in seinen Antworten auch auf den sogenannten "Pillenknick": Zwischen 1965 und 1975 sank die Geburtenrate von 2,1 auf 1,5 Kinder pro Frau. Sechzig Jahre später zeigt sich das volle Ausmaß. "In dieser Legislaturperiode von 2025 bis 2029 gehen 5,1 Millionen Menschen in Rente, aber nur 2 Millionen treten in den Arbeitsmarkt ein. Das ist eine Lücke von 3,1 Millionen!", erklärte der 63-Jährige.

Zudem betonte Hüther, dass in Deutschland viele Menschen unfreiwillig in Teilzeit arbeiten und die Politik prüfen sollte, wie Hemmnisse für den Übergang in Vollzeit abgebaut werden können. Dazu gehöre, Arbeitsbedingungen insgesamt attraktiver zu gestalten, etwa durch verlässliche Kinderbetreuung, gut funktionierende Logistiksysteme und die Vereinbarkeit von Pflegeaufgaben mit beruflicher Tätigkeit. Er wies darauf hin, dass die demografische Entwicklung, insbesondere der Rückgang der Geburten zwischen 1965 und 1980, langfristige Probleme für soziale Sicherungssysteme und den Arbeitsmarkt verursacht.

Mehr und länger arbeiten als Lösung

Hüther fordert, das Arbeitsvolumen zu erhöhen und das Renteneintrittsalter dynamisch an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Zum Vergleich: In der Schweiz arbeitet ein Vollzeitbeschäftigter im Schnitt 249 Stunden mehr pro Jahr als in Deutschland. Die Lösung sei auch Fachkräfteeinwanderung sowie die bessere Einbindung der vorhandenen Bevölkerung in den Arbeitsmarkt. Ziel müsse es sein, möglichst viele Menschen zu beschäftigen und Chancen zu eröffnen. Hüther erinnerte daran, dass die zentrale Frage stets die gleiche bleibe: Wie gehen wir mit der alterungsbedingten Schrumpfung der Erwerbspersonen um? Er betonte zudem, dass technischer Fortschritt zwar Arbeit erleichtern könne, die Beteiligung der Menschen am Erwerbsleben aber unverzichtbar bleibe.

Politik setzt auf Anreize

Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) sieht den Weg eher über leistungsorientierte Anreize: "Arbeit muss sich für die Menschen lohnen. Mehr Netto und flexible Arbeitszeiten helfen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Gleichzeitig stärken wir so die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes."

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