Richard David Precht: Alice Weidel bald Bundeskanzlerin? Philosoph trifft provokante Prognose

In einem aufsehenerregenden Interview bringt der deutsche Philosoph Richard David Precht eine mögliche Koalition von Union und AfD nach der nächsten Bundestagswahl ins Spiel. Es sei "denkbar", dass AfD-Chefin Alice Weidel in drei Jahren Bundeskanzlerin ist. So begründet er seine These.

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Laut Richard David Precht könnte AfD-Chefin Alice Weidel in drei Jahren Bundeskanzlerin sein. (Foto) Suche
Laut Richard David Precht könnte AfD-Chefin Alice Weidel in drei Jahren Bundeskanzlerin sein. Bild: picture alliance/dpa | Michael Brandt
  • Richard David Precht hält Alice Weidel als Bundeskanzlerin für "denkbar"
  • Laut dem Philosophen könnte die Union als Juniorpartner eine Koalition mit der AfD eingehen
  • Zuletzt habe sich eine Annäherung der Parteien in außenpolitischen Fragen gezeigt

Die Union schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang kategorisch aus. Doch wie lange hält die sogenannte "Brandmauer" gegen die in Teilen rechtsextreme Partei noch? Der deutsche Philosoph Richard David Precht glaubt: womöglich nicht mehr lange. Seiner Einschätzung nach könnte AfD-Chefin Alice Weidel sogar bald Bundeskanzlerin werden.

Alice Weidel als Bundeskanzlerin? Richard David Precht trifft provokante Prognose

Diese provokante Prognose traf der 61-Jährige, der gemeinsam mit ZDF-Talkshowmoderator Markus Lanz einen Podcast betreibt, in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Als Hauptursache für das Erstarken der AfD macht er den aktuellen politischen Stillstand in der Bundesrepublik aus. Deutschland sei "heute leider weitgehend reformunfähig", so die Analyse des Bestsellerautors. Mit Ausnahme der Hartz-Reformen unter Gerhard Schröder könne er sich an keine bedeutende Veränderung der vergangenen Jahrzehnte erinnern. Das Land gleiche einem "rostigen Tanker, der auf eine Sandbank gelaufen ist".Von dieser Handlungsunfähigkeit profitierten die politischen Ränder – insbesondere die Linkspartei und die AfD.

Philosoph hält Koalition von Union und AfD unter CDU-Politiker Jens Spahn für möglich

Für die Bundestagswahl 2029 entwirft Precht ein konkretes Szenario: Sollte die AfD zur stärksten Kraft aufsteigen und klassische Bündnisse rechnerisch scheitern, könnte die CDU als kleinerer Partner in eine Regierung unter Weidel eintreten. "Ich halte es für denkbar, dass Alice Weidel in drei Jahren Kanzlerin ist", sagt der Philosoph. Voraussetzung dafür sei allerdings ein Führungswechsel bei der Union. Unter dem amtierenden Kanzler Friedrich Merz hält Precht eine solche Konstellation offenbar für unwahrscheinlich. Anders sähe es bei einem Nachfolger wie dem Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn aus. Die AfD sei schließlich keine verbotene Partei und werde dies voraussichtlich auch 2029 nicht sein. Um den Nazi-Vorwurf etwas verblassen zu lassen, werde die AfD laut Precht "in den nächsten drei Jahren sehr viel Kreide fressen".

Würde Alice Weidel zusammen mit der Union regieren? (Foto) Suche
Würde Alice Weidel zusammen mit der Union regieren? Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Gibt die AfD ihre Russlandfreundlichkeit auf, um zu regieren?

Precht verweist gegenüber der NZZ zudem auf eine Annäherung in außenpolitischen Fragen. Weidel habe zuletzt eine Russland-Reise ihrer Parteikollegen verhindert. Da sich die AfD "ein Stück weit" von ihrer Russlandfreundlichkeit abwende, werde die CDU sich "im Gegenzug nicht mehr so vehement gegen Gespräche mit Moskau wehren". Eine Koalition mit der Linkspartei wäre für die CDU hingegen mit einem hohen Preis verbunden. "Dann kann sich die Partei erschießen, dann verliert sie alle ihre Wähler", so Prechts Einschätzung.

Auch in den sozialen Medien sorgen Richard David Prechts Äußerungen für Wirbel. Auf X (vormals Twitter) zweifeln einige Nutzer seine AfD-Thesen an. Kommentare lauten etwa:

  • "Wenn Richard David Precht öffentlich erklärt, es sei 'denkbar', dass Alice Weidel in drei Jahren Kanzlerin wird, ist das kein Beitrag zur politischen Aufklärung, sondern ein verantwortungsloser Akt öffentlicher Meinungsproduktion", so eine Meinung.
  • "Zum Glück haben sich die Voraussagen, die der 'Philosoph' jeweils in Talkshows absondert, durchs Band als falsch erwiesen", heißt es außerdem.
  • "Ich halte es für denkbar, dass Richard David Precht in drei Jahren im #Dschungelcamp ist", spottet ein anderer Nutzer.

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