Gerichtsverhandlung: "Reichsbürger"-Prozess: Reuß bestreitet Rädelsführerschaft
Im Gerichtssaal spricht der Hauptangeklagte über seine Rolle in der mutmaßlichen "Reichsbürger"-Terrorgruppe. Er sieht sich von Mitangeklagten getäuscht.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Der Hauptangeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß hat im Frankfurter Prozess um die mutmaßliche "Reichsbürger"-Gruppe seine angebliche Rolle als Rädelsführer bestritten. Auch seien die Zusammenkünfte in seinem Jagdschloss in Thüringen für ihn keine "Ratstreffen" gewesen, sondern Tischrunden, sagte der 74-Jährige vor dem Frankfurter Oberlandesgericht.
Es sei "aus heutiger Sicht unverzeihlich", solche Treffen in seinem Hause zugelassen zu haben. Auch habe er sich nicht als Rädelsführer gesehen. "Ich sah mich als Gastgeber und Moderator der Treffen." Gegenstand der Runden seien etwa Diskussionen gewesen und nicht die Bildung eines Rats. Zudem betonte er in seiner rund einstündigen Erklärung: "Eine "Gruppe Reuß" gab es nur in der Presse."
Vorwurf der Umsturzpläne
Die Bundesanwaltschaft wirft den neun in Frankfurt Angeklagten vor, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein beziehungsweise diese unterstützt zu haben. Ziel sei gewesen, die bestehende Staatsordnung gewaltsam zu beseitigen und durch eine eigene, bereits in Grundzügen ausgearbeitete Staatsform zu ersetzen.
Als zentrales Gremium fungierte laut Anklage der "Rat", der sich – ähnlich wie ein Regierungskabinett – aus Ressorts, wie etwa "Militär", "Inneres" oder "Justiz" zusammensetzte. Der "Rat" sollte nach dem Umsturz als Übergangsregierung fungieren. Die Ratsmitglieder hätten sich regelmäßig getroffen, um das weitere Vorgehen zu planen, so die Bundesanwaltschaft.
Reuß sieht sich von anderen Angeklagten getäuscht
In seiner Aussage beschuldigte Reuß andere Angeklagte, sie hätten ihn glauben lassen, es gäbe eine sogenannte Erdallianz. Die Bundesanwaltschaft beschreibt diese als "[...] ein tatsächlich nicht existierender – technisch überlegener Geheimbund von Regierungen, Nachrichtendiensten und Militärs verschiedener Staaten einschließlich der Russischen Föderation sowie der Vereinigten Staaten von Amerika."
Heute sei ihm klar, dass die Erdallianz nicht existent sei, sagte Reuß. Damals habe er geglaubt, eine solche Allianz würde angeblich entführte Kinder befreien. Das habe er unterstützen wollen. Zudem habe er einen sechsstelligen Geldbetrag gespendet. Aber das Ziel eines gewaltsamen Umsturzes, wie es ihm Bundesanwaltschaft zur Last legt, bestreitet er.
Angeklagte auch an anderen Gerichten
Gegen die "Reichsbürger"-Gruppe Reuß laufen derzeit drei Terrorprozesse. Die Gruppe war nach einer Razzia Ende 2022 bekanntgeworden. Sie soll einen gewaltsamen Umsturz geplant und dabei bewusst Tote in Kauf genommen haben. Als Oberhaupt einer neuen Staatsform hätte danach Reuß fungieren sollen.
Mit zwei parallel laufenden Verfahren in München und Stuttgart müssen sich insgesamt 26 mutmaßliche Verschwörer in dem Komplex verantworten. Bis zum Urteil gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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