"Maischberger": "Sie sind das Trojanische Pferd Putins in Deutschland" - Heil zofft sich mit Chrupalla

Hubertus Heil und Tino Chrupalla lieferten sich bei "maischberger" eine heftige Diskussion. Der AfD-Politiker wiederholte Putins-Forderungen und zeigte Sympathien für Trump. Dagegen argumentierte der SPD-Politiker entschieden.

Von news.de Redakteurin - Uhr

AfD-Chef Tino Chrupalla zofft sich bei "maischberger" mit SPD-Politiker Hubertus Heil. (Foto) Suche
AfD-Chef Tino Chrupalla zofft sich bei "maischberger" mit SPD-Politiker Hubertus Heil. Bild: picture alliance/dpa | Harald Tittel
  • Tino Chrupalla (AfD) und Hubertus Heil (SPD) zoffen sich bei "maischberger" am 21. Januar 2026.
  • Schlagabtausch über Grönland und Ukraine-Krieg: SPD-Außenpolitiker kritisiert Chrupallas Haltung scharf.
  • AfD-Chef wiederholt Putins Ukraine-Forderungen, Heil spricht von gerechtem Frieden.

Am Mittwochabend war der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Grönland-Konflikt das prominente Thema bei "maischberger". "Was macht der Grönland-Konflikt mit den transatlantischen Beziehungen", wollte die Moderatorin von ihren Gästen wissen. Gleichzeitig gab es noch weitere Fragen, die besprochen wurden. Der frühere Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und AfD-Chef Tino Chrupalla diskutierten über den in der Weltpolitik bereits laufenden Wandel. Beide spielten sich erst ruhig die sprichwörtlichen Bälle zu. Doch das Gespräch wurde schnell hitzig.

"maischberger" vom 21.01.2026: Hubertus Heil über zerrissene Freundschaft durch Donald Trump

Die bestehende Beziehung zu Donald Trump bildete den Rahmen für den Schlagabtausch. "Wir können uns auf diese Freundschaft auf Regierungsebene nicht mehr verlassen", sagte Heil und fügte hinzu: "Wir haben eine doppelte Zeitenwende, haben den russischen Angriffskrieg, der die europäische Friedensordnung angegriffen hat." Für ihn ein "Weckruf".Heil sprach sich in diesen Zeiten für ein unabhängiges Europa und neue Partner aus. Er verwies auf die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney und wie wichtig Zusammenarbeit mit Ländern wie Indien oder Brasilien sei. Sonst werde man zum Spielball von Autokraten und sei erpressbar.

Tino Chrupalla über Trump: "Da kann man ihn auch loben"

Maischberger verwies daraufhin auf Weidels alte Aussage, dass Trump ein Vorbild sei. "Ist er das noch?", fragte sie den AfD-Politiker. "Ja", sagte Chrupalla und nannte als Beispiel die für ihn "erfolgreiche Migrationspolitik in Amerika." "Da kann man ihn auch loben", so der AfD-Chef über Trump. Die Journalistin wies ihn aber auf ICE hin. "Über die Art und Weise muss man diskutieren, da gebe ich ihnen vollkommen Recht" Er würde das nicht als Vorbild sehen, gerade in Bezug auf die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf eine 37-jährige Frau in Minneapolis. "Das kann man auf diese Weise nicht unterstützen", rechtfertigte sich Chrupalla.

Heil wettert gegen Chrupalla

Das Gespräch drehte sich wieder um Grönland. Für Heil sei Trumps Aktion "Bestechung" gewesen. Er nutzte die Gelegenheit, um Chrupalla und die AfD zu kritisieren. Er verwies auf russische Interessen, die Einfluss auf Chrupallas Partei üben würden sowie chinesische Spione in den Reihen der AfD und Vertreter der MAGA-Bewegung. Der frühere Bundesminister wurde deutlich: Er fragte sich: "Wie sie sich Patriot nennen können, wenn sie nicht deutsche und europäische Interessen vertreten." Und weiter: "Im Kern ist es aggressiver Nationalismus. Es ist nicht zu begreifen, dass man die großen Fragen der Gesellschaft miteinander löst und nicht gegeneinander. Was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, das steht in Frage. Sie halten Werte im Bundestag für Romantik. Wir sind Realisten. Wir haben damit zu tun, dass diese Weltordnung ins Wanken geraten ist. [...] Wer nur noch eigene Interessen vertritt, der wird erleben, dass die Welt aggressiver und kriegerischer wird. Das müssen sie sich mit ihren Ideologen auch zurechnen lassen."

Chrupalla über fehlende Interessen im Grönland-Konflikt

Chrupalla wiegelte ab. Er hieß es gut, dass Heil von Interessen und Unabhängigkeit sprach. "Das wir das wieder in den Raum werfen. Denn für ihn existiere die regelbasierte Ordnung nicht mehr. Er sei der Meinung, diese Frage müsse neu verhandelt werden. "Wir sind in der Realität. Heil grätschte in seinen Satz hinein. Chrupalla dazu: "Lassen sie mich doch erstmal ausreden. Ich habe sie auch ausreden lassen." Der Ton wurde rauer. Chrupalla sprach davon, dass "wir in eine multipolare Welt kommen, wo Interessen von Ländern wie China, den USA, aber auch von Russland neu berücksichtigt werden müssen. Als Beispiel nannte er Grönland. "Deutschland und Europa muss seine Interessen mit in den Raum werfen. Die deutschen und europäischen Interessen sind nicht deckungsgleich mit denen der Amerikaner. Das haben wir schon immer gesagt."

Politiker-Streit bei "maischberger": Heil wirft Chrupalla Wiederholung von Kreml-Forderungen im Ukraine-Krieg

Im Raum stand auch die angesprochene Nähe der AfD zu Russland. Chrupalla machte für Heil deutlich, dass der AfD-Mann Interessen des Kremls vertritt. Heil warf ihm Täter-Opfer-Umkehr vor, nachdem Chrupalla Moskaus Forderungen wiederholte:

  • Für ihn gehe es darum, dass der Donbass an Russland gehe.
  • Er wolle auch eine Diskussion darüber, dass die Ukraine nicht in die Nato eintritt.
  • Es gehe darum, wie sich das Land zukünftig mit Blick auf Atomwaffen positioniere.

"Sie sind das Trojanische Pferd Putins in Deutschland", warf ihm Heil vor. Chrupalla nannte keine für das Land wichtige Sicherheitsgarantien und betonte, dass Putin jederzeit den Krieg beenden könnte: Durch einen Waffenstillstand oder indem er sich auf Friedensgespräche einlasse. "Aber beenden kann es auch die Ukraine mithilfe der Amerikaner", so Chrupalla. "Indem sie sich ergibt!", entgegnete Heil. "Sie wollen sich nicht festlegen", kritisierte Heil. "Es ist ein Kriegsverbrechen, warum verniedlichen Sie das?" Er verniedliche nichts, sagte Chrupalla und wiederholte, es handele sich um ein Verbrechen. "War das eine Räuberbande oder war es ein kriegerischer Akt?", wollte Heil wissen. "Werden Sie doch jetzt nicht affig", wetterte der AfD-Chef. "Sie winden sich wie ein Aal", sagte Heil dazu. Für ihn müsse es einen gerechten Frieden geben. "Das ist doch eine Metapher, dieses Wort 'gerechter Frieden'", meinte Chrupalla. Daraufhin stichelte Heil: "Sie können ja nicht mal das Wort Metapher definieren, was meinen Sie denn damit?" Für Chrupalla werde das niemals zutreffen. Dieser sei für Heil auf Nachfrage von Chrupalla ein Verhandlungsfrieden. Den gebe es für den AfD-Chef nur mit den Amerikanern. 

Heftige Zuschauer-Kritik für Chrupalla

Der Schlagabtausch sorgte auf der Plattform X für Gesprächsstoff. Zwar gab es wieder Kommentare, die mit rechten Narrativen gespickt waren und Heil diskreditieren sollten. Chrupallas Aussagen lösten aber den größten Sturm der Entrüstung aus. Eine Auswahl:

  • "@Tino_Chrupalla zeigt sich als willfähriger Mitläufer autoritärer Regime. Er darf niemals Macht haben, denn er würde sie missbrauchen. Kritik an Putin und dessen Krieg und Töten der Menschen in der Ukraine meidet er wie der Teufel das Weihwasser. Erbärmliche Feigheit", wettert ein Nutzer gegen Chrupalla.
  • "Klare Kante von @hubertus_heil gegen das widerliche russlandhörige Geschwurbel von @Tino_Chrupalla!
    So geht Position beziehen!"

Fazit: Ein zunächst ruhiges Gespräch artete in einem hitzigen Schlagabtausch aus. Hubertus Heil machte auf die Verschiebung der Weltordnung aufmerksam. Tino Chrupalla gab sich teilweise zahm, ließ aber immer wieder seine Trump-freundliche Sicht und kremlnahe Positionen durchblicken. Zwar betonte der AfD-Politiker, wie wichtig es sei über Interessen zu sprechen, aber laut Heil ging es ihm nie um die der Deutschen und Europäer.

Die aktuelle Folge von "maischberger" können Sie in voller Länge in der ARD-Mediathek als Video-on-Demand sehen.

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