"Deutschlandkorb": Endlich wieder günstige Preise? Wieso der SPD-Vorschlag nicht ausreicht
Die SPD will Einkaufen für viele Verbraucher wieder erschwinglich machen. Sie haben den "Deutschlandkorb" vorgeschlagen. Damit sollen Märkte günstige Lebensmittel anbieten können. Doch diese Idee wird die Preise nicht senken. Ein Kommentar.
Von news.de Redakteurin Sabrina Böhme - Uhr
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- SPD spricht sich für einen "Deutschlandkorb" aus. Ein Kommentar.
- Sozialdemokraten wollen Menschen günstige Lebensmittel ermöglichen.
- Wieso der Vorschlag das Problem der hohen Lebensmittelpreise nicht löst.
Lebensmittel sind für viele Menschen zum Luxus geworden. Die Lebensmittelpreise bleiben oben. Das wirkt sich bei vielen Verbrauchern im Geldbeutel aus. Dagegen will die SPD etwas unternehmen. Wie bereits zuvor die Grünen, haben die Sozialdemokraten einen "Deutschlandkorb" mit bezahlbaren Lebensmitteln erwogen. Handelsketten könnten auf freiwilliger Basis einen solchen Korb mit günstigen, preisstabilen, in Deutschland produzierten Grundnahrungsmitteln aus allen wichtigen Warengruppen anbieten. Ein guter Schritt? Eher ein nicht durchdachter Versuch, das Problem anzugehen.
Teuer-Gefühl im Supermarkt: "Deutschlandkorb" wegen hoher Lebensmittelpreise
Obwohl die Inflationsrate im Dezember 2025 nur noch bei 1,8 Prozent lag (Stand: 13. Januar 2026), scheint die Entwicklung sich nicht auf die Preise im Supermarkt und Discounter auszuwirken. Lebensmittelpreise haben sich seit 2020 immer weiter nach oben entwickelt. Sie sind um etwa ein Drittel gestiegen. Ein Blick auf die Statistik:
- Im Durchschnitt aller Haushalte wurden 2023 demnach etwa 14,4 Prozent der Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches aufgewendet, 1998 waren es 14 Prozent. Die Daten basieren auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und werden nur alle fünf Jahre erhoben, zuletzt 2023. Nach dem starken Inflationsanstieg 2022 und 2023 hat sich der Preisdruck inzwischen deutlich abgeschwächt.
Obwohl viele Märkte wie Lidl oder Norma immer wieder die Preise nach unten senkten, bleibt ein Gefühl bestehen: Lebensmittel bleiben teuer. Es ist nicht nur ein Gefühl. In den letzten Monaten hat der Handel kaum dagegengesteuert, was vieleMenschen mit wenig Geld im Portemonnaie frustrierte.
SPD-Vorschlag greift zu kurz: Korb behebt nicht das Preisproblem
Der Vorschlag der SPD, einen Lebensmittelkorb in die Läden zu bringen, kann die Lage nicht einfach verbessern. Es klingt wie eine Symptombehandlung. Wer nicht die Ursache bei der sprichwörtlichen Wurzel packt, wird noch lange die Folgen spüren. Vergünstigte Lebensmittel sollten keine Aktionsware sein, die in einem Korb kommt. Viele Menschen leben schon nach Angeboten, nutzen Rettertüten oder greifen zu Lebensmitteln, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft. Wer spart nicht gerne oder verbraucht vermeintlich nicht mehr so frische Waren? Wohl viele Menschen. Jedes Mal zu hoffen, die Vergünstigungen bekommen zu können, sollte nicht das neue Normal werden. Das gilt auch für den von der SPD vorgeschlagenen Korb.
Gegen Mogelpackungen und hohe Preise: Politik muss handeln
Einige Supermärkte und Discounter haben sich in diesem Zusammenhang schon geäußert und auf ihre Maßnahmen verwiesen, die eine Grundversorgung sichern sollen. Discounter Lidl will Kunden entlasten und zum Beispiel sinkende Rohstoffpreise weitergeben. Genau hier muss die Politik eingreifen. Sie hat die Mittel, um Preise nach unten zu bringen. Natürlich herrschen Handelsinteressen bei Herstellern. Versteckte Preiserhöhungen und Packungen, die plötzlich kleiner werden, für den gleichen Preis weniger Inhalt enthalten, aber genauso viel kosten, wie zuvor. Es sind weitere Missstände, die mitgedacht werden müssen. Das darf sich nicht auf Verbraucher auswirken. Deshalb halte ich den Vorschlag der Linken und CSU für gut, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel fallen zu lassen. Natürlich macht sich das in den Berechnungen schlecht, würde eine Abschaffung Milliardeneinbußen bedeuten, wie das Finanzministerium im letzten Jahr erklärte. Wie so oft ist es eine Geldfrage, die aber die Realität ausbremst.
Essen zu dürfen, sollte keine Frage des Geldes sein. Es ist ein Grundbedürfnis. Steuersenkungen und Regelungen gegen versteckte Preiserhöhungen wären der Anfang. Der "Deutschlandkorb" darf aber nicht zum Paradebeispiel dafür werden, dass sich die Bundesregierung denkt, sie hätte das Problem beseitigt. Es braucht mehr Schritte.
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bos/news.de/dpa
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