Höhere Renten für Handwerker?: Dieser CDU-Vorschlag ist zu wenig

Der CDU-Politiker Andreas Mattfeldt will mehr junge Menschen durch höhere Renten in Handwerksberufe locken. Der Ansatz greift jedoch viel zu kurz. Denn es gibt weitere Probleme, die nicht ignoriert werden dürfen. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Würden mehr junge Menschen tatsächlich eher einen Handwerksberuf ergreifen, wenn ihnen höhere Renten versprochen werden? (Foto) Suche
Würden mehr junge Menschen tatsächlich eher einen Handwerksberuf ergreifen, wenn ihnen höhere Renten versprochen werden? Bild: Adobe Stock/Stasique
  • Vorschlag von CDU-Politiker Andreas Mattfeldt zu höheren Renten für Handwerker in der Kritik
  • Idee greift zu kurz - junge Menschen interessieren sich eher für aktuelle Arbeitsbedingungen und ihr Gehalt
  • Mattfeldts weitere Forderung, in "weniger wichtigen Fächern" Studiengebühren zu zahlen, ist ebenfalls problematisch

Maurer, Bäcker oder Elektroniker werden - solche Zukunftswünsche hört man heutzutage von jungen Menschen nur noch selten. Dabei fehlt es in Deutschland aktuell an Fachkräften in diesen Handwerksberufen. Es gibt laut "Bild" 250.000 offene Stellen in einer Million Betrieben, aber nur wenig Nachwuchs. Ein CDU-Politiker fordert deshalb nun höhere Renten für Handwerker. Doch der Vorschlag greift zu kurz.

CDU-Politiker fordert höhere Rente für Handwerker

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt stellte seine Idee, wie man mehr junge Menschen ins Handwerk locken könnte, gegenüber der "Bild"vor. Der 56-Jährige kritisiert eine falsche Ausbildung in Deutschland über Jahrzehnte. Es gebe "zu wenig Lehrlinge, viel zu viele Studenten". Deshalb sollten seiner Meinung nach Handwerker "mehr Rentenpunkte und damit am Ende eine höhere Rente" erhalten. Studierende "inweniger wichtigen Fächern" müssten hingegen künftig Studiengebühren zahlen.

Vorschlag zu wenig - Ausbildungsberufe müssten häufiger besser bezahlt werden

Ob allein die Aussicht auf eine höhere Rente tatsächlich mehr junge Leute in Handwerksberufe lockt, ist stark zu bezweifeln. Denn viele denken zu Beginn ihres Arbeitslebens noch kaum daran, was im Alter finanziell für sie herausspringt. Wichtiger wäre es, bei der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen anzusetzen. Geringe Azubi-Gehälter sowie eine hauptsächlich in kleineren Betrieben verbreitete Bezahlung lediglich auf Mindestlohnniveau schrecken viele junge Menschen ab.Angesichts der Aussicht auf ein teilweise deutlich höheres Einkommen in akademischen Berufen werden insbesondere Abiturienten zweimal überlegen. Zudem bringt die Aussicht auf eine höhere Rente im Handwerk wenig, wenn man durch körperlich anspruchsvolle Arbeit über Jahrzehnte im Alter womöglich stark gesundheitlich eingeschränkt ist – selbst dann, wenn man früher in den Ruhestand gehen könnte als in anderen Berufen.

Studiengebühren für "weniger wichtige Fächer"? Diese Idee ist absurd

Fragwürdig ist auch Mattfeldts Vorschlag, "weniger wichtige Fächer" mit Studiengebühren zu belegen. Laut ihm zählen dazu unter anderem Soziologie und Politikwissenschaften. Doch wer definiert eigentlich, was wichtige und was weniger wichtige Studienfächer sind? Eine solche Einteilung wäre hochgradig subjektiv. Für bestimmte Berufe sind Geisteswissenschaften die richtige Wahl. Gut ausgebildete Journalisten, die über das aktuelle Geschehen im Bundestag oder über internationale Konflikte berichten und etwa Politik oder Geschichte studiert haben, sind ebenso gesellschaftlich relevant wie Handwerker. Ein Studium ist für viele Menschen ohnehin schon sehr teuer – etwa durch steigende Mietpreise in beliebten Universitätsstädten. In Deutschland sollte man jungen Frauen und Männern keine zusätzlichen Steine in den Weg legen – egal, welchen Berufswunsch sie haben.

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