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Nach barbarischer Enthauptung: Rache, Befehl oder Machtdemonstration? Historiker erklärt Verrohung der Russen-Soldaten

Die Enthauptung eines ukrainischen Kriegsgefangenen von russischen Soldaten löste weltweites Entsetzen aus. Ein Militärhistoriker erklärt das barbarische Verhalten.

Im Krieg ist Gewalt an der Tagesordnung. (Foto) Suche
Im Krieg ist Gewalt an der Tagesordnung. Bild: picture alliance/dpa/AP | LIBKOS

Ein brutales Video sorgt für internationales Entsetzen. Die Aufnahmen sollen einen Russen-Soldaten zeigen, wie er einen ukrainischen Kriegsgefangenen enthauptet. Der Ukrainer fleht um sein Leben. Doch die Kameraden des Mörders feuern die grausame Bluttat an. Warum werden ganz normale Männern zu brutalen Mördern? Warum morden die russischen Soldaten wie Barbaren? Militärhistoriker Sönke Neitzel versucht sich an einer Erklärung.

Nach brutaler Enthauptung von Kriegsgefangenen! Militärhistoriker erklärt Verrohung im Ukraine-Krieg

"Als Militärhistoriker, der sich seit so vielen Jahren mit der Kulturgeschichte der Gewalt befasst, können mich diese Aufnahmen leider nicht verwundern. Im Krieg tun Menschen Dinge, die im Frieden unvorstellbar scheinen", sagt Neitzel gegenüber der "Bild". Für derartige Taten gebe es viele Erklärungen. Es könne die "spontane Rache für einen getöteten Kameraden" sein. Der Historiker erklärt, dass in vergangenen Kriegen Scharfschützen nicht gefangenengenommen, sondern bestialisch getötet worden."Es kann sich aber auch um eine gezielte Tat handeln, etwa weil ein Offizier den Befehl gegeben hat, Ukrainern keinen Pardon zu gewähren und durch besonders grausame Hinrichtung die eigene Macht zu demonstrieren", sagt Neitzel im Gespräch mit dem Boulevardblatt. Auch sei eine "spezifische Gruppenkultur" innerhalb einer militärischen Einheit denkbar. Der Historiker spricht von Verrohung der Soldaten. 

"Man ist im Angesicht solcher Bilder geneigt, von einer besonderen russischen Gewaltkultur zu sprechen, einer Neigung zu solchen Taten", sagt der Experte der "Bild". Mit solchen Aussagen sollte man jedoch vorsichtig sein. Schließlich gibt es unzählige Belege und dokumentierte Fälle brutaler Gewalt von Wehrmachtssoldaten gegenüber sowjetischen Kriegsgefangenen und Zivilisten, führt der Neitzel aus. Auch über amerikanische und britische Soldaten seien derartige Fälle bekannt. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Ukrainer in diesem Krieg nicht weniger gewaltsam mit russischen Gefangenen umgehen", sagt der Historiker.

Russische Söldner auf Enthauptungsvideo identifiziert

In der Nacht zum Mittwoch war im Internet ein rund eineinhalbminütiges Video aufgetaucht. Es zeigt, wie ein uniformierter Mann von einem anderen enthauptet wird. Der Täter trägt dabei eine für russische Soldaten typische weiße Kennzeichnung an der Kleidung. Die Echtheit des Videos sowie der Zeitpunkt der Aufnahme ließen sich bislang allerdings noch nicht unabhängig überprüfen. Mittlerweile ist jedoch klar, dass das Video die Tat eines russischen Soldaten zeigt. 

Bürgerrechtlern zufolge hat ein russischer Ex-Söldner seine früheren Kameraden als Täter identifiziert. Man habe Andrej Medwedew, der vor Monaten nach Norwegen geflohen war und derzeit in Schweden inhaftiert ist, das Videomaterial zukommen lassen, sagte der Gründer der russischen Bürgerrechtsorganisation Gulagu.net, Wladimir Ossetschkin, am Mittwoch in einem Interview. "Er hat es mehrmals aufmerksam angehört und geschaut und er erkennt dort eindeutig seine früheren Kollegen, Kämpfer der Söldnertruppe Wagner", erklärte Ossetschkin in dem Beitrag, der auf dem YouTube-Kanal des im Ausland lebenden russischen Oppositionellen Michail Chodorkowski veröffentlicht wurde. Medwedew, der früher selbst für die berüchtigte russische Söldnergruppe kämpfte, habe die Männer anhand "charakteristischer Rufzeichen und ihrer Art zu sprechen" identifiziert, so der Bürgerrechtler weiter.

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/gom/news.de

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