Von news.de-Redakteurin - 11.11.2020, 06.00 Uhr

Friedrich Merz: Fünf Gründe, warum der Anti-Merkel-Held als Kanzler ungeeignet wäre

Der CDU-Politiker Friedrich Merz möchte Kanzler werden. Warum wir den Lobbyisten und ehemaligen "Blackrock"-Aufsichtsratsvorsitzenden für das Amt des Bundeskanzlers völlig ungeeignet halten, verraten wir Ihnen hier.

Friedrich Merz wird heute 65. Aus diesen fünf Gründen sollte der CDU-Politiker kein Kanzler werden. Bild: picture alliance/Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Friedrich Merz feiert heute seinen 65. Geburtstag. Wir haben seinen Ehrentag zum Anlass genommen, um mal zu schauen, warum genau wir "Fotzen-Fritz", wie er seit einem satirischen Artikel des Magazins "Titanic" aus dem Jahr 2000 liebevoll genannt wird, auf keinen Fall als Kanzler haben möchten.

1. Merz ist Lobbyist

Wussten Sie, dass Friedrich Merz nicht nur Politiker, sondern auch Lobbyist und Wirtschaftsjurist ist?Von 2016 bis 2020 war Merz beispielsweise als Aufsichtsratsvorsitzender und Lobbyist für das US-amerikanische Unternehmen "Blackrock" in Deutschland tätig, der größte Vermögensverwalter der Welt. Als er 2018 (erfolglos) für den Vorsitz der CDU kandidierte, sah man darin einen Interessenskonflikt. Doch es dauerte noch bis Februar 2020, bis Merz sich dazu entschloss, sein Aufsichtsratsmandat bei "Blackrock" aufzugeben. Merz, der zwei Flugzeuge besitzt, bezeichnet sich übrigens als Angehöriger der "gehobenen Mittelschicht".

2. Merz denkt, Homosexuelle seien pädophil

In Zeiten, in denen sogar der Papst gesteht, dass Homosexuelle ein Recht darauf haben, in Liebe zusammen zu leben, wirkt ein Kanzler-Bewerber, der Homosexualität in einem Atemzug mit Pädophilie nennt, schon etwas absonderlich. So geschehen im September 2020 im Polit-Talk "Die richtigen Fragen" von "Bild", als Merz gefragt wurde, ob er etwas gegen einen schwulen Bundeskanzler hätte. "Nein", antwortete Merz zunächst. Auf weitere Nachfrage fügte er dann an: „Über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft - an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht - ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion."

Schon 2001 äußerte Merz sich in einem Interview mit "Bunte" ähnlich, als er auf den damaligen Bürgermeister Klaus Wowereit ("Ich bin schwul und das ist gut so") angesprochen wurde und gebeten wurde, zu sagen, was er von seinem Outing halte. Merz antwortete: „Solange er sich mir nicht nähert, ist mir das egal." 

3. Merz will eine Art Anti-Merkel-Kandidat sein

Dass Friedrich Merz nicht der größte Fan von Kanzlerin Angela Merkel ist, ist kein Geheimnis. Und so rüstet er sich damit, eine Art Anti-Merkel zu sein. Was er dabei zu übersehen scheint: Merkel ist Deutschlands beliebteste Politikerin. Beim letzten Politbarometer aus Oktober 2020 ergatterte die Kanzlerin einen Durchschnittswert von 2,6 auf einer Skala von -5 bis +5 - und lag damit deutlich auf Platz eins. Es folgten Markus Söder mit 1,6, Jens Spahn mit 1,5 und Olaf Scholz mit 1,3. Raten Sie mal, an welcher Stelle Friedrich Merz war? Er befand sich mit minus - 0,1 abgeschlagen auf dem allerletzten Platz, sogar noch hinter Innenminister Horst Seehofer (plus 0,3). Auf die Karte des Anti-Merkel-Helden sollte Merz vielleicht lieber nicht zu viel Hoffnung setzen.

4. Merz denkt, Klimaschutz sei verhandelbar

Bereits in der Vergangenheit hat sich Friedrich Merz bei jüngeren Wählern und Wählerinnen mit seiner Haltung gegen den Klimaschutz unbeliebt gemacht. Gelernt scheint der Lobbyist daraus nichts zu haben. Denn in seinem neuen Buch "Neue Zeit. Neue Verantwortung" wirft er Klimaaktivisten wie Greta Thunberg mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Auf Twitter erntete der Politiker dafür einen Shitstorm, der sich vor allem darum drehte, dass es schwer sei, mit schmelzenden Polkappen und schwindenem Permafrost zu verhandeln. Wissenschaft basiert auf Fakten - Kompromisse seien da nur schwer möglich. So sah das auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Merz u. a. vorwarf, nicht zu verstehen, dass Klimaschützer keine Lobbyisten seien. 

5. Friedrich Merz als deutscher Trump gegen Frauen, die Presse und das Establishment

Den fünften Punkt müssen sich mehrere Argumente teilen. Angefangen dabei, dass Merz einst gegen den Straftatbestand der Vergewaltigung in der Ehe stimmte, geht es weiter damit, dass er sich GEGEN einen Gesetz für den Kündigungsschutz einsetzte.

Und auch seine Parallelen zu Donald Trump lassen aufhorchen. Seien es die herkömmlichen Medien, die es seiner Meinung nach nicht mehr brauche (Merz: „Wir brauchen die nicht mehr"), da man sich als Politiker wunderbar über Social-Media-Portale wie Twitter präsentieren könne.

Oder sei es der Vorwurf, "das Establishment" der CDU hätte sich gegen ihn als CDU-Vorsitz verschworen, nachdem der CDU-Parteitag aufgrund der exorbitant steigenden Corona-Zahlen erneut verschoben werden musste.

Alles in allem stellt Friedrich Merz so in etwa das Gegenteil von dem dar, was ich mir in einem Kanzler wünschen würde.

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sig/news.de

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