25.04.2020, 11.16 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Sarkasmus? Trump rudert nach Desinfektionsmittel-These gegen Covid-19 zurück

Weltweit arbeiten Forscher an Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffen gegen das Coronavirus. US-Präsident Donald Trump meldet sich mit seinen eigenen - teils ziemlich fragwürdigen - Ideen zu Wort.

Donald Trump erntet für seine irren Coronavirus-Therapieansätze reichlich Spott. Bild: dpa

Donald Trumps Kampf gegen das neuartige Coronavirus nimmt immer absurdere Züge an. So hat der US-Präsident jetzt sogar Forscher ermuntert, im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu prüfen, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen. Eine solche Prozedur wäre aber höchstwahrscheinlich lebensgefährlich.

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Im Kampf gegen das Coronavirus: Trump will Menschen Desinfektionsmittel spritzen

Trump sagte am Donnerstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus vor Journalisten, es wäre "interessant", das zu prüfen. Unmittelbar vorher hatte bei der Pressekonferenz ein Regierungsexperte erklärt, dass Bleich- und Desinfektionsmittel den Erreger Sars-CoV-2 zum Beispiel auf trockenen metallischen Flächen wie einer Türklinke rasch abtöteten.

"Gibt es einen Weg, wie wir so etwas machen könnten - durch Spritzen oder fast Säubern ... wäre interessant, das zu prüfen", sagte Trump. Das müsste man natürlich den Ärzten überlassen, fügte er hinzu. "Aber es klingt für mich interessant", sagte der Präsident weiter. Experten zufolge können Seife, Desinfektions- und Bleichmittel das Virus bei äußerer Anwendung - also beim Händewaschen oder Putzen - zuverlässig abtöten. Es gibt jedoch bislang keine nachweislich wirksamen Medikamente oder Techniken, die den Erreger in infizierten Patienten abtöten können.

Donald Trumps irre Coronavirus-Therapieansätze

Der Experte der Regierung hatte auch geschildert, dass sich die Lebensdauer des Erregers bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürzt. Auch das nutzte Trump, um über mögliche Coronavirus-Therapieansätze zu spekulieren. "Nehmen wir mal an, wir behandeln den Körper mit einer enormen Menge, entweder ultraviolettes oder einfach starkes Licht", sagte Trump. Dann spekulierte er weiter: "Mal angenommen, man könnte das Licht in den Körper bringen, was man durch die Haut oder auf andere Weise tun kann", sagte er weiter und fügte hinzu, die Forscher wollten wohl auch diese Möglichkeit prüfen. "Das ist ziemlich gewaltig", sagte Trump weiter. Er riet Menschen dazu, die Sonne zu genießen. "Und wenn das eine Wirkung hat, ist das toll."

Mit seinen Vorschlägen handelte sich Trump Spott ein. Sein voraussichtlicher Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im November, der Demokrat Joe Biden, etwa schrieb auf Twitter: "UV-Licht? Desinfektionsmittel injizieren?" Trump solle sich lieber um mehr Corona-Tests und Schutzausrüstung für tatsächliche Mitarbeiter aus dem Gesundheitssystem kümmern.

Auch öffentliche Warnungen wurden nach Trumps Aussage herausgegeben. Die Katastrophenschutzbehörden der US-Bundesstaaten Washington und Maryland warnten Bürger im Anschluss vor der Einnahme von Desinfektionsmitteln. Auch der britische Konsumgüterkonzern Reckit Benckiser, zu dessen Marken Sagrotan gehört, erklärte am Freitag, dass Desinfektionsmittel "unter keinen Umständen" verabreicht werden sollten.

Trump: Äußerung zu Injektion von Desinfektionsmitteln war Sarkasmus

US-Präsident Donald Trump will seine umstrittenen Äußerungen zu möglichen Therapieansätzen gegen das Coronavirus nach viel öffentlicher Kritik als Sarkasmus verstanden wissen. "Ich habe Reportern (...) sarkastisch eine Frage gestellt, nur um zu sehen, was passieren würde", sagte Trump am Freitag im Weißen Haus in Washington. "Ich dachte, das wäre klar."

Trump gab an, er habe keineswegs Amerikaner dazu aufrufen wollen, Desinfektionsmittel zu sich zu nehmen. Er habe lediglich eine "sehr sarkastische" Frage an eine "feindliche Gruppe" von Reportern gestellt.

Trump hatte am Donnerstagabend zudem über Optionen sinniert, starkes Licht "in den Körper" zu bringen, um Corona-Infektionen zu behandeln. Bryan hatte zuvor geschildert, dass sich die Lebensdauer des Virus bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürze.

Hier blieb Trump am Freitag bei seiner Position. Vielleicht gebe es etwas mit Blick auf Licht und den menschlichen Körper, das helfe, sagte er. Dies müsse man sich anschauen. Das sei jedoch Sache von Ärzten. "Ich bin kein Arzt."

Covid-19-Infizierter verstirbt an von Trump empfohlenem Medikament

Es ist nicht das erste Mal, dass Donald Trump mit irren Vorschlägen im Kampf gegen das Coronavirus vor die Presse tritt. Erst vor wenigen Wochen hatte Trump das Malaria-Mittel Chloroquin öffentlich als Heilmittel gegen Covid-19 angepriesen. Ein Mann, der sich Trumps Ratschlag offenbar zu Herzen nahm, verstarb wenig später nach der Einnahme des Medikaments. Bleibt nur zu hoffen, dass Trumps aktuell vorgeschlagener Corona-Therapieansatz nicht noch weitere Leben kosten wird.

USA am schwersten von der Corona-Pandemie betroffen

Gemessen an absoluten Zahlen sind die Vereinigten Staaten international am schwersten von der Corona-Pandemie getroffen: Bis Donnerstagabend (Ortszeit) gab es in den USA nach Angaben von Forschern der Universität Johns Hopkins mehr als 860.000 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Rund 50.000 Menschen kamen bislang in den USA infolge der Epidemie ums Leben. Die US-Regierung sieht inzwischen jedoch Fortschritte bei der Eindämmung der Epidemie in den Vereinigten Staaten.

Es gebe vielversprechende Zeichen des Fortschrittes, sagte US-Vizepräsident Mike Pence bei der Pressekonferenz im Weißen Haus. "Wir glauben, dass wir bis zum Frühsommer als Nation deutlich besser dastehen könnten - mit einem Großteil dieser Coronavirus-Epidemie hinter uns." An vielen Orten im Land gingen die Infektionszahlen zurück, ebenso die Zahl der Menschen, die wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie müssten zunächst jedoch fortgesetzt werden. Trump sprach ebenfalls von großen Fortschritten. Auch er mahnte jedoch, alle Bürger müssten wachsam bleiben und weiter soziale Distanz wahren.

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sba/news.de/dpa

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