Berlin News: Hitzeschlacht im Techno-Takt: Parade gegen Terrorangst

Vor drei Wochen setzte ein Terroranschlag dem CSD in Berlin ein jähes Ende. Nun feierten Zehntausende nahe dem Tatort unter massivem Polizeischutz die nächste Mega-Party. So lief "Rave The Planet".

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Aktuelle News aus und über Berlin hier auf news.de. Bild: Adobe Stock / Xavier Allard

Drei Wochen nach dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) sind Leichtigkeit und Party-Stimmung zurück in Berlin: Bei der Techno-Parade "Rave The Planet" feierten Zehntausende am Samstag trotz Hitze friedlich und ausgelassen bis in die Nacht hinein. Sie sendeten damit in unmittelbarer Nähe zum Tatort ein Signal gegen Angst und Terror und trotzten obendrein starker Hitze. Die Veranstalter sprachen von mehreren Hunderttausend Teilnehmern, die Polizei von Zehntausenden.

"Wir sind sehr glücklich", sagte Ellen Dosch-Roeingh von der gemeinnützigen Organisation "Rave The Planet". "Wir haben ein Zeichen gesetzt, dass die Liebe das letzte Wort haben muss." Ziel der Initiative und aller Mitstreiter sei eine liebevolle, vielschichtige Gesellschaft, in der alle ihren Platz finden können.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Für das als Demonstration angemeldete Spektakel unter dem Motto "Imagine Love" auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei war mit rund 1.500 Beamten im Einsatz. Sie sperrte umliegende Straßen und Wege teils mit Pollern ab, ließ Hubschrauber und Drohnen aufsteigen. S- und U-Bahnhöfe in der Umgebung blieben zeitweise geschlossen. Außerdem waren Hunderte Rettungskräfte vor Ort, es gab mehrere Unfallhilfestellen.

Positive Bilanz

Am Ende fiel die Bilanz der Sicherheitskräfte und Helfer positiv aus. Die Polizei berichtete von vereinzelten Straftaten und nahm nach Angaben eines Sprechers 61 Menschen vorläufig in Gewahrsam, überwiegend Männer. Sie leitete 49 Ermittlungsverfahren ein, etwa wegen Drogendelikten, Diebstahls, Raub, Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Sexualstraftaten. Im Verhältnis zur Teilnehmerzahl sei dieser Anteil vergleichsweise gering, hieß es.

Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr brachten 50 Raver in Krankenhäuser. Die Personen hätten Verletzungen oder gesundheitliche Probleme wegen Drogen- und Alkoholkonsums oder wegen der Hitze gehabt, so ein Feuerwehrsprecher . Der Sanitätsdienst des Veranstalters leistete in 651 Fällen Hilfe.

Schweigeminute zum Auftakt

Insgesamt hatten die Veranstalter bis zu 300.000 Techno-Fans erwartet, gezählt hat sie am Ende niemand. Von den Techno-Trucks, die auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule hin und her fuhren, wummerten die Beats weithin hörbar. Doch zu Beginn der Parade war es erst mal ganz still. Mit einer Schweigeminute hielten die Menschen kurz inne, um an die Opfer des Terroranschlags zu erinnern.

"Rave The Planet"-Mitbegründer Dr. Motte, bürgerlich Matthias Roeingh, rief die Teilnehmer bei der Auftaktkundgebung auf, an Liebe zu denken - für sich selbst, für die anderen. "Dann könnte daraus vielleicht Weltfrieden entstehen. Lasst uns doch diese Vision Wirklichkeit werden", so Dr. Motte.

Julia Miosga vom Berliner CSD-Verein sagte: "Lasst uns mutig sein. Lasst uns Haltung zeigen. Jetzt erst recht." Anna-Maria Seifert vom Karneval der Kulturen sagt: "Unsere Stadt Berlin ist stark, wenn die Menschen zusammenkommen. Wir sind viele, wir sind vielseitig und darin liegt unsere Stärke."

Anschlag mit Auto und Machete

Auch am 25. Juli beim CSD feierten Hunderttausende am Brandenburger Tor in Berlins Mitte, ehe der Horror am Abend seinen Lauf nahm. Ein islamistischer Attentäter fuhr in einem Wäldchen im Tiergarten mit einem Van in eine Menschengruppe und attackierte anschließend vermutlich mit einer Machete Anwesende. Eine Frau starb, und mindestens 31 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Einen Tag danach erschoss die Polizei den Terroristen.

Viele der Teilnehmer bei "Rave The Planet" hatten die Bilder von der Tat im Kopf. Doch sie wollten positiv denken, Haltung zeigen, feiern, Glück in der Gemeinschaft finden. Es war eine Hitzeschlacht gegen die Terrorangst, die so manchen der zumeist jungen Raver auch körperlich einiges abverlangte. Rund 35 Grad im Schatten zeigten die Thermometer an, in der prallen Sonne auf der Straße des 17. Juni und am Großen Stern.

Wasserwerfer zur Abkühlung

Die Polizei baute nahe der Siegessäule einen Wasserwerfer auf: Er stieß das kühle Nass in regelmäßigen Abständen zu Erbauung der Raver aus. Einige Musik-Trucks versprühten kühlenden Wassernebel. Wasserschläuche mit kleinen Öffnungen verschafften den Menschen ebenfalls Abkühlung.

An einer parallel laufenden "Fuckparade", die sich "gegen Kommerzialisierung und Verdrängung von Subkulturen" richtete, beteiligten sich nach Polizeiangaben in der Spitze etwa 3.000 Menschen. Größere Störungen wurden nicht bekannt.

Aufräumen am Tag danach

Einen Tag nach "Rave The Planet" wurde im Berliner Tiergarten aufgeräumt. Zahlreiche Freiwillige kamen entlang der Partymeile zusammen, um Müll einzusammeln, den die Raver dort hinterließen. Zu dem "Cleanup Day" hatten die Veranstalter aufgerufen. Beschäftigte der Berliner Stadtreinigung (BSR) waren beim Aufräumen von Berufs wegen dabei.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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