El Niño vor historischem Rekord?: Meteorologen warnen vor Wetter-Extremen

Im Pazifik braut sich ein gewaltiges Wetterphänomen zusammen – mit möglichen Folgen für das Klima rund um den Globus. Ein extrem starker El Niño könnte in den kommenden Monaten Dürren, Fluten und Hitzewellen verschärfen. Was das für Deutschland bedeutet, ist dagegen noch völlig offen.

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Ein starker El Niño könnte Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen begünstigen. (Foto) Suche
Ein starker El Niño könnte Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen begünstigen. Bild: AdobeStock / GOLVR
  • El Niño könnte außergewöhnlich stark werden und historische Ausmaße erreichen
  • Modelle prognostizieren extreme Temperaturabweichungen im Pazifik
  • Experten warnen vor Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen weltweit

Im Pazifik braut sich ein Wetterphänomen zusammen, das Meteorologen weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Die Wassertemperaturen in der für El Niño entscheidenden Niño-3.4-Region liegen derzeit deutlich über dem langjährigen Mittel und mehrere Vorhersagemodelle stellen sogar ein Ereignis in Aussicht, das zu den stärksten seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen gehören könnte. Die US-Wetterbehörde NOAA hat bereits eine offizielle El-Niño-Warnung herausgegeben. Auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) sieht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich das Phänomen weiter verstärkt. Die möglichen Folgen reichen weit über den Pazifik hinaus: Je nach Stärke könnten Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen und Ernteausfälle in zahlreichen Regionen der Welt zunehmen. Noch ist allerdings nicht sicher, ob die extremsten Prognosen tatsächlich eintreffen.

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El Niño 2026/2027: Modelle zeigen extreme Werte

Nach aktuellen NOAA-Prognosen besteht eine Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent, dass El Niño bis zum Frühjahr 2027 anhält. Für den Zeitraum von Oktober bis Dezember sieht die Behörde eine Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent für ein sehr starkes Ereignis. Bereits im Juli lag die wöchentliche Temperaturabweichung in der Niño-3.4-Region bei rund 1,2 Grad über dem langjährigen Mittel. Besonders weit gehen die Berechnungen des europäischen Wettermodells ECMWF. Meteorologe Ben Noll verwies auf Prognosen, nach denen die Temperaturabweichung im Dezember einen Spitzenwert von etwa 4,0 Grad Celsius erreichen könnte.

Zum Vergleich: Bei den bislang stärksten El-Niño-Ereignissen 1997/98 und 2015/16 wurden maximale Abweichungen von rund 2,6 Grad registriert. Sollte die aktuelle Prognose tatsächlich eintreffen, wäre das ein außergewöhnlicher Wert. Meteorologe Jeff Berardelli ordnete die Entwicklung entsprechend ein: "Hätte man uns vor einem Jahr gefragt, ob so etwas möglich wäre, hätten wir wohl klar mit Nein geantwortet."

Warum Experten mit dem Begriff "Super-El-Niño" vorsichtig sind

In sozialen Netzwerken und einigen Schlagzeilen ist bereits von einem "Super-El-Niño" die Rede. Meteorologisch handelt es sich dabei allerdings nicht um eine offizielle Kategorie. Die Weltorganisation für Meteorologie unterscheidet zwischen schwachen, moderaten, starken und sehr starken El-Niño-Ereignissen. Eine zusätzliche Kategorie namens "Super-El-Niño" gibt es nicht. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Weltmeere sind heute insgesamt deutlich wärmer als früher. Dadurch lassen sich absolute Temperaturabweichungen vergangener El-Niño-Ereignisse nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Das ECMWF führte deshalb im Juni 2026 ergänzende relative Niño-Indizes ein. Dabei wird die Erwärmung des Pazifiks mit der Temperaturentwicklung anderer tropischer Meeresregionen verglichen. Auch nach dieser angepassten Betrachtung deutet sich jedoch ein ungewöhnlich starkes Ereignis an. Klimaforscher Mojib Latif sagte gegenüber "Focus Online": "Es sieht derzeit nach einem starken bis sehr starken El Niño aus."

Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle drohen

Je stärker El Niño ausfällt, desto größer können die Auswirkungen auf das globale Wettergeschehen werden. Aktuelle Modelle zeigen ein erhöhtes Dürrerisiko unter anderem für Teile Australiens, Indiens, Mittelamerikas und der Karibik. Andere Regionen könnten dagegen deutlich mehr Niederschlag abbekommen. Dazu zählen unter anderem Ostafrika, Zentralasien, der Westen Nordamerikas und Teile Südamerikas. Damit steigen gleichzeitig die Risiken für Überschwemmungen, Wasserknappheit, Missernten und Waldbrände. Meteorologe Ryan Maue sprach von einem Ereignis, das "womöglich das extremste globale Wetter- oder Klimaereignis seit der Erfindung des Buchdrucks" darstellen könnte. Auch die tropischen Wirbelstürme könnten beeinflusst werden. El Niño kann die Hurrikanaktivität im Atlantik bremsen, während sich die Bedingungen für Taifune im Pazifik verändern können. Gleichzeitig können Hitzewellen in bestimmten Regionen häufiger oder intensiver auftreten. Das Weltwirtschaftsforum warnte bereits vor möglichen Belastungen für die weltweite Lebensmittel- und Energieversorgung.

Was bedeutet der starke El Niño für Deutschland?

Für Deutschland ist die Lage deutlich komplizierter. Anders als in einigen tropischen Regionen lässt sich der direkte Einfluss von El Niño auf das Wetter in Mitteleuropa nur schwer vorhersagen. Andere Faktoren können das El-Niño-Signal überlagern – darunter die Lage des Jetstreams, die Entwicklung des Polarwirbels, die Bedingungen im Atlantik und regionale Luftdruckmuster. Die Saisonmodelle der Weltorganisation für Meteorologie zeigen für August bis Oktober zwar überdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen Europas. Südeuropa könnte zugleich feuchter, Nordeuropa trockener ausfallen. Deutschland liegt allerdings genau zwischen diesen Bereichen. Eine eindeutige Prognose für die Bundesrepublik lässt sich daraus deshalb nicht ableiten. Auch aus vergangenen El-Niño-Ereignissen ergibt sich kein zuverlässiges Muster für Deutschland. Ein El-Niño-Winter kann mild und nass ausfallen, aber regional auch andere Wetterentwicklungen bringen. Konkrete Aussagen über Schnee, Stürme oder Temperaturen Monate im Voraus wären daher unseriös.

El Niño trifft auf ein bereits aufgeheiztes Klima

Besonders brisant ist die Entwicklung vor dem Hintergrund des Klimawandels. Mehr als 90 Prozent der durch den menschengemachten Treibhauseffekt zusätzlich entstehenden Wärme werden von den Weltmeeren aufgenommen. Natürliche Klimaschwankungen wie El Niño treffen damit auf ein bereits deutlich erwärmtes Klimasystem. Das kann die Ausgangslage für neue Wetter- und Temperaturrekorde verschärfen. Klimaforscher Mojib Latif geht davon aus, dass die globale Durchschnittstemperatur noch in diesem oder spätestens im kommenden Jahr vorübergehend die Schwelle von 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau erreichen könnte. Gleichzeitig betonte er, dass die verschiedenen Vorhersagemodelle noch deutlich voneinander abweichen.

El-Niño-Höhepunkt im November erwartet

Die entscheidende Phase steht nun bevor. Die Weltorganisation für Meteorologie erwartet den Höhepunkt des Ereignisses im November. Ob sich die extremsten Modellprognosen tatsächlich bewahrheiten und der Pazifik einen neuen El-Niño-Rekord erlebt, lässt sich erst mit weiteren Messungen beantworten. Fest steht jedoch schon jetzt: Die kommenden Monate werden für Meteorologen und Klimaforscher besonders spannend – und könnten für viele Regionen der Welt erhebliche Wetterextreme bringen.

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