Ravensburg: Das kann der neue Superapfel vom Bodensee

Weniger Chemie, voller Geschmack: Am Bodensee wächst ein Apfel heran, der Pilzen trotzt und trotzdem süß bleibt. Kommt jetzt die Revolution für Obstbauern?

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Knackig, süß und widerstandsfähig: Am Bodensee wird an einer neuen Generation von Äpfeln gearbeitet. Die sogenannten robusten oder resistenten Sorten sollen besser mit Trockenheit und Krankheiten zurechtkommen und deshalb deutlich weniger Pflanzenschutz brauchen als herkömmliche Apfelsorten. Zuvor hatte die "Schwäbische Zeitung" darüber berichtet.

Für Obstbauern ist das ein wichtiges Thema. Denn besonders Pilzkrankheiten wie Apfelschorf setzen den Plantagen zu. Um die Ernte zu sichern, müssen die Bäume regelmäßig behandelt werden. Neue Sorten könnten den Aufwand deutlich reduzieren und gleichzeitig Umwelt und Artenvielfalt schonen.

Getestet werden die Sorten in den Obstanbaugebieten rund um den Bodensee. Die Region zählt zu den wichtigsten Apfelanbaugebieten Deutschlands. Dort prüfen Obstbauern und Fachleute, wie gut die neuen Bäume mit dem Klima, Krankheiten und Schädlingen zurechtkommen und ob die Früchte auch bei Verbrauchern ankommen.

Obstbauern ergreifen Initiative

"Wir brauchen Sorten, die mit weniger Pflanzenschutz auskommen und trotzdem Ertrag und Qualität bringen", sagt Obstbauer Thomas Heilig. Er ist einer der Initiatoren des Projekts. Sein Ziel: ein zukunftsfähiger Obstbau am Bodensee.

Der Betrieb sei unter den aktuellen Bedingungen kaum wirtschaftlich. Sein Sohn wolle zwar übernehmen. Ob es für ihn eine Zukunft geben werde, da sei er sich nicht sicher, sagt Heilig. Deshalb hätten er und ein paar andere Obstbauern 2020 die Initiative ergriffen und sich die Wissenschaft mit an Bord geholt.

Der Superapfel verändert sich ständig

Am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) unweit von Ravensburg werden neue Züchtungen seit Jahren geprüft. Der neue Superapfel heißt Mammut. Rund 80.000 Bäume seien gepflanzt worden, sagt Heilig, der auch Birnen und Kirschen am Bodensee anbaut. Die Sorte soll unter der Dachmarke "Fairdi" vermarktet. Im Herbst soll die erste größere Ernte kommen. Auch weitere Sorten sollen getestet werden.

"Der Obstbauer der Zukunft muss auf neue Sorten setzen", sagt Fachbereichsleiter Ulrich Mayr. Lang anhaltende Trockenperioden, sintflutartige Regenfälle und Hitze würden zunehmen, der Klimawandel sei spürbar. "Das ist alles Stress für den Baum." Darauf stelle man sich im Obstbau am Bodensee ein. "Wir brauchen robuste Sorten und welche, die mit Schädlingen besser umgehen können."

Die alten Sorten seien sehr anfällig. "Deswegen müssen wir in diese Richtung gehen." Die Sorte Mammut sei schon vor zehn Jahren in die Prüfung gekommen. "Und jetzt hat sie den Sprung geschafft in die Praxis."

Auch der Superapfel kommt nicht ohne Pflanzenschutz aus

Hintergrund der neuen Züchtungen ist auch das Biodiversitätsstärkungsgesetz in Baden-Württemberg. Es sieht vor, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel bis 2030 deutlich zu verringern. Die Initiative vom Bodensee wird deshalb auch finanziell vom Land gefördert.

Auch wenn die resistenten Apfelsorten je nach Witterung und Krankheitsdruck deutlich weniger Pflanzenschutzbehandlungen als klassische Sorten brauchen - ganz ohne Pflanzenschutz kommen auch sie nicht aus, sagt Heilig.

Der Druck auf die Obstbauern sei hoch, sagt Mayr. Verbraucher erwarteten makellose Äpfel, während andere landwirtschaftliche Produkte oft weiterverarbeitet würden. Im Obstbau sei das eine besondere Herausforderung. Neue Sorten seien ein wichtiger Ansatz, um Umweltziele und wirtschaftlichen Anbau miteinander zu verbinden.

Nur wenige Sorten schaffen es in den Supermarkt

Am Bodensee werden die Sorten unter Praxisbedingungen getestet, unter anderem auch in Anlagen in Kressbronn und Frickingen. Dort wachsen derzeit rund 30 robuste Apfelsorten. Doch am Ende entscheidet nicht nur die Widerstandskraft über den Erfolg. Die Äpfel müssen den Verbrauchern auch schmecken.

Viele Kunden greifen seit Jahrzehnten zu bekannten Sorten wie Elstar, Gala oder Jonagold. Neue Züchtungen haben es deshalb oft schwer, sich im Handel durchzusetzen, wie Mayr berichtet. "Ich habe über 800 Sorten kommen und gehen sehen. Nur wenige haben es in den Lebensmitteleinzelhandel geschafft." Es koste sehr viel Geld einen Apfel im Markt zu etablieren.

Um nicht viele neue Sortennamen einführen zu müssen, habe man sich für "Fairdi" als Dachmarkennamen entschieden, ergänzt Heilig. Drei bis vier Sorten sollen darunter vereint werden. Die neuen Züchtungen seien eben nicht nur robuster als viele Klassiker, sondern überzeugten auch geschmacklich. Die Sorte Mammut schmeckt ausgewogen mit einer süßlich-säuerlichen Note.

Langfristige Forschung

Bis eine neue Sorte im Supermarkt landet, vergehen oft 20 Jahre oder mehr - von der ersten Kreuzung bis zum großflächigen Anbau. Ziel der Versuche ist es deshalb herauszufinden, welche Sorten sich langfristig im Anbau und im Handel durchsetzen können. Die Nachhaltigkeitsoffensive soll die Zukunft des Apfelanbaus am Bodensee sichern.

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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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