Frankfurt/Main: Prozess um Tod bei E-Scooter-Unfall - Frage nach Sicherheit
Immer wieder kommt es mit E-Scootern zu schweren Unfällen mit Verletzten und Toten. In Frankfurt beginnt nun der Prozess um einen besonders folgenschweren Fall. Was wird für mehr Sicherheit getan?
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Der Fall, der ab Montag vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt wird, hat bundesweite Anteilnahme ausgelöst. Bei einem E-Scooter-Unfall in Frankfurt kamen vor einem knappen Jahr Zwillingsbrüder ums Leben. Angeklagt ist ein 24 Jahre alter Autofahrer. Er soll Lachgas konsumiert haben, zu schnell durch die Frankfurter Innenstadt gefahren sein, den Roller der 23-jährigen Zwillinge gerammt und die Brüder überfahren haben.
Die beiden Unfallopfer fuhren zu zweit darauf und waren auf dem Fahrradstreifen unterwegs. Einer der Brüder starb noch am Unfallort, der andere in der Nacht im Krankenhaus.
Der Autofahrer war den Ermittlungen zufolge kurz nach diesem Unfall gegen einen weiteren E-Scooter gefahren, dessen 27-jähriger Fahrer wurde schwer verletzt. Unter anderem musste ihm der Unterschenkel amputiert werden. Der Autofahrer gab erneut Gas und floh.
Mehrere Verletzte in nur einer Woche
Der schwere Unfall steht als Beispiel für zahlreiche weitere mit den batteriegetriebenen Rollern. Vergangene Woche kollidierten zwei 15 und 16 Jahre alte Mädchen in Fuldatal (Kreis Kassel) mit einem Auto und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Verletzt wurden bei einem weiteren Unfall ein 22-Jähriger und eine 30-Jährige, die in Bickenbach E-Scooter fuhren - in beiden Fällen fuhren die Verletzten laut Polizei vorschriftswidrig zu zweit auf einem der Fahrzeuge.
Ebenfalls untersagt ist es, dass Jungen und Mädchen unter 14 Jahren darauf fahren, Regeln gelten zudem für Alkohol- und Drogeneinfluss. Dennoch sieht man nicht nur im Straßenbild, dass diese Vorschriften häufig nicht eingehalten werden, es wird auch in Unfallmeldungen der Polizei sichtbar.
Getöteter 13-Jähriger, schwer verletzter Zwölfjähriger
Mitte Juni starb ein 13-jähriger E-Scooter-Fahrer nach einem Unfall mit einem Auto in Wiesbaden-Nordenstadt. Er erlag seinen schweren Verletzungen trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen noch an der Unfallstelle.
Erst wenige Wochen zuvor war ein zwölfjähriger Junge bei einem Unfall mit einem E-Scooter im Main-Kinzig-Kreis so schwer verletzt worden, dass er mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden musste. Er war nach Polizeiangaben zusammen mit einem 14-Jährigen auf dem Fahrzeug unterwegs.
E-Scooter kann man kaufen und zulassen, man kann sie in den Städten zudem ausleihen. In Frankfurt sind mehrere Anbieter aktiv und die Stadt verlangt von ihnen auch Maßnahmen, um die Sicherheit zu erhöhen - sowohl beim Bereitstellen und Abstellen der Fahrzeuge als auch während der Fahrt, wie eine Sprecherin des Mobilitätsdezernats mitteilt.
Verleiher müssen Alkoholfahrten verhindern
So müssen Donnerstag bis Sonntag zwischen 18 Uhr und 6 Uhr "technische oder softwareseitige Maßnahmen zum Vorbeugen vor Fahrten unter Alkohol- und Drogeneinfluss" ergriffen werden.
Die Verkehrspolizei kontrolliere E-Scooter-Fahrende während der normalen Streife und bei Schwerpunktkontrollen. Zuletzt seien dabei 23 Verstöße entdeckt worden.
Geschaut wurde neben Handynutzung unter anderem nach sogenannten Tandemfahrten zu zweit. Diese zählen zu den Hauptunfallursachen. Ab Juli will die Stadt Frankfurt die Zahl der ausleihbaren E-Scooter von 12.000 auf 10.500 reduzieren, die Zahl der Anbieter von sechs auf drei.
Technische Mittel der Verleiher
Der Anbieter Voi teilte auf Anfrage mit, dass Leihfahrzeuge nur von Erwachsenen genutzt werden dürften. Zudem gebe es einen Anfängermodus mit reduzierter Geschwindigkeit sowie eine kostenlose digitale Verkehrsschule.
Ein digitaler Reaktionstest soll zeigen, dass die Nutzenden nüchtern sind. "Allein im Mai 2026 wurde der Test in Frankfurt rund 22.600 Mal durchlaufen", teilt das Unternehmen mit. "Wer den Test nicht besteht, wird auf sichere Alternativen wie Taxi oder ÖPNV verwiesen."
Sensoren könnten zudem Tandemfahrten erkennen. Dann gehe man "aktiv auf die Nutzer und Nutzerinnen zu" und erinnere an die Regeln. Verantwortungsvolle Nutzende erhielten dagegen Vorteile und Rabatte.
Voi fügt hinzu, dass es neben den Leihrollern weit mehr als eine Millionen in privater Hand gebe. "Viele davon werden kaum gewartet und teils unzulässig frisiert, bis hin zu deutlich überhöhten Geschwindigkeiten." Weitere Unternehmen antworteten nicht auf Anfragen.
So sieht die Unfallbilanz aus
Mitte Mai hatte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) von einem "besorgniserregenden Anstieg" bei der Zahl der Unfälle mit E-Scootern berichtet. Die hessische Polizei zählte demnach im vergangenen Jahr 1.505 Unfälle mit diesen Fahrzeugen - fast 40 Prozent mehr als 2024. Fünf Menschen starben bei Scooter-Unfällen, vier von ihnen waren jünger als 25 Jahre.
Beim E-Scooter-Fahren liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 20 Kilometern pro Stunde. "Für alle unter 21 Jahren oder Fahranfänger gilt die Null-Promille-Grenze - auch bei der E-Scooter-Fahrt", betont zudem die hessische Polizei.
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