Hamburg: Nabu: Gänsegeier auch im Norden gesichtet
Ein seltener Gänsegeier hat in Niedersachsen Storchennester angegriffen und die Jungen gefressen. Kann das auch im Norden passieren? Nabu-Experten kennen Antworten.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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In Niedersachsen hat ein Gänsegeier mindestens in zwei Storchennestern die Jungen aufgefressen. Für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind solche Vorkommnisse bislang noch nicht gemeldet worden, wie Malte Siegert, Vorsitzender des Naturschutzbundes Nabu Hamburg der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die imposanten Greifvögel, die vor allem in Frankreich und Spanien beheimatet sind, wurden allerdings auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bereits beobachtet.
Gänsegeier über dem Norden gesichtet
So haben Vogelfreunde in den Nord-Bundesländern fliegende Gänsegeier gemeldet, wie die Sprecher der Nabu-Landesverbände der dpa sagten. Das imposante Tier sei am 19. Juni in der Luft über Großenrade gesehen worden, am 20. Juni über Bordesholm und am 23. Juni bei Schellhorn - also im Westen, in der Mitte und im Osten des Landes. In Mecklenburg-Vorpommern hätten Hobby-Ornithologen am 10. und am 18. Juni über Greifswald einen Gänsegeier gespottet. Vorfälle in Storchennestern wurden den Nabu-Vertretern zunächst nicht gemeldet.
Der Vorsitzende des Nabu Hamburg, Malte Siegert, geht davon aus, dass es auch künftig immer wieder Sichtungen der eigentlich in Südeuropa heimischen Tiere in Norddeutschland geben werde. "Dass der Gänsegeier irgendwann weiter in den Norden kommt, ist absehbar. Das sind schon gute Indikatoren für den sukzessiven Klimawandel."
Damit werde sicher auch die spannende Debatte "Invasive gegen heimische Arten?" wieder ein Thema werden, sagte Siegert weiter. Muss man die heimischen Tiere schützen oder müsse man anerkennen, dass es eine Veränderung der Gesamtsituation gebe? "Das sehen wir ja für ganz viele Tierarten, die im nördlichen Bereich heimisch sind und von Tieren bedroht werden, die von Süden nach Norden nachrücken."
12 bis 20 Gänsegeier in Deutschland gesichtet
Vor etwa einer Woche hatte der Nabu Deutschland gemeldet, dass bundesweit nahezu zeitgleich mehr als ein Dutzend Gänsegeier gesichtet wurden. Er geht derzeit von 12 bis 20 Gänsegeiern in Deutschland aus. "Gänsegeier sind vor allem in Frankreich und Spanien beheimatet, aber die Population wächst", sagte Nabu-Experte Martin Rümmler dazu.
Vor allem Jungtiere würden aus den Revieren vertrieben und dann auf der Suche nach Nahrung Richtung Deutschland fliegen. Sie legen am Tag 300 bis 400 Kilometer zurück. Mit bis zu 2,60 Metern Flügelspannweite sind Gänsegeier größer als Seeadler und ein seltenes, aber beliebtes Motiv für Naturfotografen. Anhand des typischen nackten Geierhalses können auch Laien die Vögel recht gut erkennen.
Die Geier kommen ohne Weiteres bis zu vier Wochen ohne Nahrung aus. Sie sind eigentlich Aasfresser und greifen nur selten lebende Tiere an. "Das ist die Ausnahme und keine Beobachtung, die man jedes Jahr macht", hatte Nabu-Experte Rümmler erklärt. Der Gänsegeier, der sein Unwesen an der Grenze der Region Hannover und dem Landkreis Hildesheim trieb, sei vermutlich von Hunger getrieben.
Experte: Tiere wohl bald wieder weg
Rümmler ging davon aus, dass die jungen Gänsegeier, die eher auf Erkundungsreise als auf Reviersuche sind, schon in wenigen Tagen weiterziehen und damit genauso schnell wieder weg sind, wie sie gekommen waren.
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kns/roj/news.de
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