Saarbrücken: Wildkatze fühlt sich in Saarlands Wäldern wohl

Nur die Wenigsten haben sie in der freien Wildbahn schon gesehen. Doch sie ist da. Und im Saarland fühlt sich die Wildkatze offensichtlich zu Hause. Warum das so ist, wollen auch Fachleute erfahren.

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Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / natali_mis

Für manche ist sie lediglich die wilde Variante unserer Hauskatze. Aber für Naturschützer und Forstfachleute hat sie eine besondere Bedeutung: die Europäische Wildkatze. Denn lange Zeit war sie in vielen Regionen verschwunden. Heute ist das Saarland "Deutschlands einziges Bundesland, das flächendeckend von den Katzen besiedelt ist", heißt es in der Einladung zu einer Fachveranstaltung.

Unter dem Motto "Saarlands Wildkatzenwälder von morgen" laden der SaarForst Landesbetrieb und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 27. Juni zu einer Tagung und Exkursion nach Saarbrücken ein.

Was unterscheidet die Wildkatze von der Hauskatze?

"Die Wildkatze wirkt oft stämmiger und muskulöser als viele Hauskatzen, vor allem aber unterscheiden sie sich natürlich in ihrem Verhalten", sagt Martin Lillig, Biogeograph und Wildkatzen-Experte beim BUND Saarland. "Bei Hauskatzen gibt es ein breites Spektrum: vom Schmusekätzchen bis zum Teufel. Bei Wildkatzen gibt es immer nur Teufel." Zudem seien sie sehr scheu "und meiden den Menschen, wo immer es geht".

Wie hat sich der Bestand im Saarland entwickelt?

Lillig geht davon aus, dass die Wildkatze im Saarland nie ausgestorben war, aber in den 1980er Jahren noch "extrem selten". Anfang des 21. Jahrhunderts kannte man sie vor allem aus dem Hunsrück, dem Warndt und dem Bliesgau, heute sei sie in nahezu allen Wäldern im Saarland zu finden. "Selbst im Urwald vor den Toren der Stadt in Saarbrücken haben wir sie nachgewiesen, das heißt in einem gut besuchten Naherholungsgebiet." Der BUND schätzt, dass es mindestens 500 Exemplare gibt.

Wie kann man das Vorkommen der nachtaktiven Tiere prüfen?

"Sie sind wirklich sehr scheu - und nachts sind alle Katzen grau. Selbst auf Wildkameras kann man oft nicht erkennen, ob es sich um eine Wild- oder eine Hauskatze handelt. Deshalb verwenden wir die Lockstock-Methode, um sie genetisch bestimmen zu können", so Lillig. Dabei handelt es sich um raue Holzstöcke, die mit Baldriantinktur eingesprüht werden. "Von diesem Geruch werden sie magisch angezogen und reiben sich daran, als würden sie unter Drogen stehen." Die Haare, die sie dabei verlieren, werden zur Analyse an ein Genetik-Institut geschickt.

Gilt die Wildkatze als gefährdet?

Offiziell steht sie auf der bundesweiten Roten Liste in der Kategorie 3 ("gefährdet"). Ein Problem stellt für sie die Zerschneidung der Wälder durch Straßen und Siedlungen und der Verlust geeigneter Lebensräume dar. "Der Straßentod ist zweifellos eine der häufigsten Todesursachen", sagt Lillig. Er kritisiert, dass das Saarland das einzige Bundesland ohne eine Wildbrücke sei. Zum Schutz der Tiere würde es seiner Ansicht nach schon helfen, wenn es an einigen Stellen eine Untertunnelung gebe.

Warum ist die Wildkatze wichtig?

"Zunächst einmal: Jede Art hat von sich aus eine Existenzberechtigung. Das gilt nicht nur für die Wildkatze, sondern auch für jeden Schmetterling und jede Spinne", meint der Fachmann. Die Wildkatze sei jedoch eine "Leitart", das bedeute: Ihr Vorkommen zeige, ob ein Wald ökologisch und gut vernetzt sei. "Anders formuliert: Wo es ihr gut geht, geht es vielen anderen gut."

Laut Thomas Steinmetz, Direktor des Landesbetriebs SaarForst, ist die Wildkatze auch als Waldbewohner sehr hilfreich, weil sie den Bestand an Mäusen, die die Samen der Bäume fressen oder die jungen Pflanzen anknabbern, reduziere. "Für uns ist die Wildkatze daher ein natürlicher Verbündeter, um einen stabilen Wald großzuziehen."

Warum ist die Wildkatze im Saarland gut verbreitet?

"Für die Erhaltung und Ausbreitung der Wildkatze sind naturnahe, kahlschlagfreie Laubwälder wichtig: Das ist ihr natürliches Biotop, da fühlt sie sich wohl - und die haben wir bei uns", sagt Steinmetz. Vor allem der hohe Laubbaumanteil von 75 Prozent sorge für günstige Voraussetzungen, ebenso die Einführung der naturnahen Waldwirtschaft vor fast 40 Jahren. Hinzu komme: Seit 2014 verbietet das Saarländische Jagdgesetz, streunende Hunde und Katzen zu schießen. Steinmetz und Lillig vermuten, dass früher nicht nur Haus- sondern auch Wildkatzen erlegt wurden.

Wie unterstützt das Saarland die Wildkatzen?

Der SaarForst versucht, bestimmte Biotopstrukturen zu begünstigen. "An manchen Orten legen wir auch Kronen von mehreren Bäumen zu einem Haufen zusammen, so dass eine Art Wildkatzenburg entsteht, in der sie sich zurückziehen und auch ihre Jungen aufziehen kann und sie einen gewissen Schutz hat", sagt Steinmetz.

Zudem beteiligt sich der BUND Saar seit 2008 an der bundesweiten BUND-Aktion "Rettungsnetz Wildkatze", bei der Korridore aus Gehölzen geschaffen werden. Dadurch könnten die Populationen, die über weite Teile Deutschlands und der Nachbarländer verstreut und voneinander isoliert seien, wieder in Kontakt zueinander kommen, Inzucht könne vermieden werden.

Was ist die Intention der gemeinsamen Tagung mit bundesweiten Fachleuten?

"Der Sinn ist, darauf aufmerksam zu machen, dass eine Waldwirtschaft, die die Natur schützt, auch der Wildkatze hilft - und zugleich vielen anderen Tieren und Pflanzen ebenso", sagt Lillig. Das Saarland könne da als positives Beispiel gelten. "Wenn es um die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Wildkatze im Wald geht, haben wir durchaus etwas vorzuzeigen", meint Steinmetz. "Und vielleicht entsteht durch unsere Beispiele aus der Praxis ja auch an anderen Orten die Bereitschaft, so etwas nachzuahmen."

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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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