WHO schlägt Alarm: Ebola-Notstand ausgerufen – kein Impfstoff gegen tödliche Virusvariante verfügbar

Das tödliche Ebola-Virus breitet sich in Afrika erneut aus und diesmal gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen die seltene Virusvariante. Die WHO schlägt Alarm und warnt vor einer weiteren Ausbreitung in gleich zehn Nachbarländer.

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In der Demokratischen Republik Kongo ist erneut das Ebola-Virus ausgebrochen. (Foto) Suche
In der Demokratischen Republik Kongo ist erneut das Ebola-Virus ausgebrochen. Bild: Jerome Delay/AP/dpa/dpa
  • WHO erklärt wegen Ebola-Ausbruch in Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand
  • Bereits rund 250 Erkrankungen und 80 Todesfälle registriert
  • Seltene Bundibugyo-Variante ohne zugelassenen Impfstoff bereitet Experten große Sorgen

Die Weltgesundheitsorganisation hat aufgrund des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Die UN-Behörde in Genf will damit die Nachbarstaaten in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen und internationale Hilfe mobilisieren.

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Derzeit sind rund 250 Erkrankungen und 80 Todesfälle dokumentiert, hauptsächlich in der nordöstlichen Provinz Ituri. Die WHO betonte jedoch ausdrücklich, dass es sich nicht um einen Pandemie-Alarm handelt. Nach Einschätzung der Gesundheitsexperten deutet die steigende Zahl an Verdachts- und Todesfällen darauf hin, "dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bislang entdeckt und berichtet". Daher bestehe ein erhebliches Risiko für eine weitere Verbreitung des Virus in der Region.

Seltene Ebola-Virusvariante ohne Impfschutz – WHO schlägt Alarm

Hinter dem aktuellen Ausbruch steckt die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus. Für diesen Stamm existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff, was die Bekämpfung erheblich erschwert. Bei früheren Epidemien handelte es sich überwiegend um den häufiger auftretenden Zaire-Ebolavirus, gegen den Vakzine verfügbar sind.

Die WHO stuft die Situation deshalb als "außergewöhnliches Ereignis" ein. Allerdings gibt es auch einen Lichtblick: Nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstituts NIH liegt die Sterblichkeitsrate bei der Bundibugyo-Variante bei etwa 37 Prozent. Der Zaire-Stamm hingegen kann eine Todesrate von bis zu 90 Prozent erreichen. Ebola zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Die Übertragung erfolgt durch direkten Körperkontakt sowie den Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen.

Krisenregion mit instabiler Sicherheitslage

Die Bekämpfung des Ausbruchs wird durch die schwierigen Verhältnisse vor Ort massiv behindert. In der am stärksten betroffenen Provinz Ituri herrscht eine fragile Sicherheitssituation, verbunden mit einer humanitären Krise und intensiven Bevölkerungsbewegungen. Die Region grenzt unmittelbar an Uganda und den Südsudan.

Das Virus hat bereits Landesgrenzen überschritten. Zwei infizierte Personen reisten aus dem Kongo nach Uganda, wobei eine von ihnen inzwischen verstorben ist. Auch in der weit entfernten Hauptstadt Kinshasa wurde mittlerweile ein Fall nachgewiesen.

In Ituri selbst wurden bislang acht bestätigte sowie 246 mutmaßliche Erkrankungen registriert. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC meldete zuletzt sogar noch höhere Zahlen mit 336 Verdachtsfällen und 88 Todesfällen für die gesamte Demokratische Republik Kongo.

Zehn Nachbarländer in höchster Alarmbereitschaft

Die WHO warnt eindringlich vor einer regionalen Ausbreitung des Virus. Sämtliche zehn Nachbarstaaten der Demokratischen Republik Kongo seien einem hohen Risiko ausgesetzt und müssten dringend Vorkehrungen treffen, um Ebola-Fälle schnell erkennen und behandeln zu können. Gleichzeitig rät die UN-Organisation von Grenzschließungen ab. Der Kongo und Uganda sollten zwar verhindern, dass Infizierte und deren Kontaktpersonen in andere Länder reisen. Andere Staaten sollten jedoch keine Reisebeschränkungen verhängen oder ihre Grenzen abriegeln. Der Grund: Bei geschlossenen Grenzen würden Menschen auf inoffizielle Übergänge ausweichen, die nicht überwacht werden. Dies würde das Verbreitungsrisiko des tödlichen Virus paradoxerweise erhöhen statt verringern.

Die Demokratische Republik Kongo kämpft seit Jahrzehnten immer wieder gegen das tödliche Virus. Seit 1976 ist dies bereits der 17. dokumentierte Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Land. Die Bundibugyo-Variante tritt dabei äußerst selten auf. Laut Africa CDC gab es zuvor nur zwei Ausbrüche dieses Stammes: 2007 forderte er in Uganda 37 Todesopfer, 2012 starben im Kongo 29 Menschen daran. Beim bislang verheerendsten Ebola-Ausbruch in den Jahren 2014 und 2015 kamen in Westafrika mehr als 11.000 Menschen ums Leben – damals handelte es sich um die Zaire-Variante. Erst zwischen September und Dezember 2025 hatte ein Ausbruch in der kongolesischen Provinz Kasaï 45 Menschenleben gefordert.

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/news.de/dpa/stg

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