Drama um Ostsee-Wal Timmy: Medienrummel eskaliert - damit muss nun Schluss sein

Seit mittlerweile vier Wochen liegt Buckelwal Timmy in der Bucht von Poel und kann sich offenbar aus eigener Kraft nicht mehr befreien. So traurig die Geschichte auch ist: Verschiedene Medien widmen dem Thema viel zu große Aufmerksamkeit. Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Die Berichterstattung zu den Rettungsversuchen für den gestrandeten Buckelwal Timmy geht zu weit. (Foto) Suche
Die Berichterstattung zu den Rettungsversuchen für den gestrandeten Buckelwal Timmy geht zu weit. Bild: picture alliance/dpa | Marcus Golejewski
  • Zu gefährlich: Rettungsversuche für den in der Bucht von Poel gestrandeten Buckelwal Timmy sollten eher unterlassen werden
  • Dem Thema wird von verschiedenen Medien zu viel Aufmerksamkeit geschenkt
  • Durch die Berichterstattung mischen sich immer mehr Menschen ohne Expertise ein: Das macht es für das Tier nur schlimmer

Internationale Krisen wie der Ukraine-Krieg oder der Nahost-Konflikt, zu hohe Lebenshaltungskosten, Armut, wachsende Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz: Es gibt aktuell sehr viele Themen, die die Menschen in Deutschland beschäftigen sollten. Doch für einige scheint momentan das Schicksal des in der Bucht von Poel gestrandeten Buckelwals Timmy am wichtigsten zu sein. Die Medien tragen ihren Teil mit völlig überflüssiger Berichterstattung dazu bei.

Drama um Ostsee-Wal Timmy: Rettung wohl zu gefährlich

Grundsätzlich ist es lobenswert, wenn Menschen das Tierwohl am Herzen liegt. Doch selbst viele Experten warnen mittlerweile davor, dass Rettungsversuche für den Wal gefährlich sein könnten. So hält es zum Beispiel der Meeresbiologe Fabian Ritter für möglich, dass Timmy in Panik gerät, wenn er wie geplant mit einem Lastkahn zurück in den Atlantik transportiert wird. Dadurch könnte er auch die Helfer in Gefahr bringen, erklärte der Experte am Montag gegenüber der "Bild". Auch wenn es das Todesurteil für Timmy bedeuten könnte: Es wäre wahrscheinlich sinnvoller, ihn in der Bucht liegen zu lassen und das ohnehin schon entkräftete Tier nicht weiter zu quälen.

Berichterstattung aus der Bucht von Poel ist völlig überzogen

Die große mediale Aufmerksamkeit für die Rettungsversuche ist sowieso nicht nachvollziehbar. Man kann über die traurige Geschichte natürlich in begrenztem Maße berichten. Aber muss man den Wal, der sich anscheinend nicht mehr von alleine fortbewegen will, rund um die Uhr mit Tickern und Livestreams begleiten und Reporterinnen und Reporter über mehrere Tage in die Bucht von Poel schicken, damit sie bei Live-Schalten mehr oder weniger sagen, dass es nichts Neues zu berichten gibt? Hier werden in manchen Medienhäusern journalistische Kapazitäten verschwendet, die an anderer Stelle deutlich dringender gebraucht würden.

Zweifel an der Expertise der Helfer für Wal Timmy

Letztlich tut man auch dem Wal mit der Berichterstattung keinen Gefallen, da sich anscheinend immer mehr Leute einmischen, die überhaupt nicht die nötige Expertise für die Rettung mitbringen. Das führte auch schon zu Streit innerhalb der privaten Initiative führte, wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde.

Auch diese News könnten Sie interessieren:

/bua/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.