Tötungsdelikt in Castrop-Rauxel: Mordverdacht statt Notwehr - Tatverdächtige (17) auf der Flucht

Ein 17 Jahre alter Jugendlicher ist in Castrop-Rauxel infolge einer Stichverletzung am Hals gestorben. Eine 17-Jährige beteuerte, aus Notwehr zugestochen zu haben - nun steht die Jugendliche unter Mordverdacht und ist auf der Flucht.

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Ein 17 Jahre alter Jugendlicher ist in Castrop-Rauxel infolge einer Stichverletzung gegen den Hals gestorben - eine Gleichaltrige, die sich auf Notwehr berief, steht nun unter Mordverdacht. (Foto) Suche
Ein 17 Jahre alter Jugendlicher ist in Castrop-Rauxel infolge einer Stichverletzung gegen den Hals gestorben - eine Gleichaltrige, die sich auf Notwehr berief, steht nun unter Mordverdacht. Bild: picture alliance/dpa/Justin Brosch | Justin Brosch
  • 17-Jähriger in Castrop-Rauxel nach Stichverletzung gestorben
  • Mädchen (17) beruft sich auf Notwehr wegen versuchter Vergewaltigung
  • 17-Jährige plötzlich unter Mordverdacht - Haftbefehl gegen flüchtige Schülerin

Im Fall eines tödlich verletzten 17-Jährigen aus Castrop-Rauxel haben die Ermittlungen eine überraschende Wendung genommen. Die 17 Jahre alte Tatverdächtige, die nach ihrer Festnahme zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, wird nun mit Haftbefehl wegen Mordverdachts gesucht.

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Der Jugendliche war am 14. Januar an der Wartburgstraße durch eine Stichverletzung am Hals ums Leben gekommen. Die Beschuldigte hatte angegeben, sich gegen einen sexuellen Übergriff verteidigt zu haben. Weil ihre Schilderung mit den Spuren am Tatort übereinstimmte, ließen die Behörden sie gehen. Die anschließende Auswertung ihres Mobiltelefons ergab jedoch Hinweise darauf, dass die Tat geplant und heimtückisch begangen worden sein dürfte. Das Amtsgericht Dortmund erließ daraufhin am 23. Januar einen Haftbefehl, die 17-Jährige steht unter Mordverdacht.

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Die Beschuldigte hatte den Ermittlern zunächst eine andere Geschichte erzählt. Demnach sei sie auf dem Weg zur Fahrschule von hinten überfallen worden. Diese Version korrigierte sie später. In ihrer zweiten Aussage gab die Schülerin zu, den zu Tode gekommenen 17-Jährigen bereits gekannt zu haben. Sie habe sich mit ihm auf der Terrasse eines unbewohnten Gebäudes verabredet – ein Umstand, den sie aus Furcht vor ihren Eltern anfangs verschwiegen habe. Bei diesem Treffen sei der junge Mann der Aussage des Mädchens zufolge übergriffig geworden und habe versucht, sie sexuell zu nötigen. Daraufhin habe sie einen spitzen Gegenstand ergriffen und ohne Tötungsabsicht zugestochen. Anschließend sei sie nach Hause gegangen. Ein Autofahrer hatte den stark blutenden Jugendlichen unweit des leerstehenden Hauses entdeckt. Der 17-Jährige war dann bewusstlos geworden und trotz Rettungsmaßnahmen gestorben.

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Die umfassende Analyse des Smartphones der Beschuldigten brachte die entscheidende Wende. Die digitalen Spuren deuten einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund und der Polizei Recklinghausen darauf hin, dass die Jugendliche den tödlichen Angriff vorbereitet hatte und nicht spontan in einer Notsituation handelte. Die Ermittler gehen nun von einer heimtückischen Tat aus und ermitteln wegen Mordverdachts. Inzwischen wurde auch eine mögliche Tatwaffe sichergestellt. Wie Staatsanwalt Henner Kruse mitteilte, entdeckten die Beamten ein Messer auf einem Spielplatz unweit des Tatortes. Die forensische Untersuchung auf Spuren dauert noch an. Diese neuen Erkenntnisse führten dazu, dass die Staatsanwaltschaft Dortmund beim Amtsgericht einen Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts beantragte.

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Als Beamte der Mordkommission neun Tage nach dem tödlichen Vorfall mit dem Haftbefehl an der Wohnadresse der Jugendlichen eintrafen, war diese bereits nicht mehr aufzufinden. Seitdem fahnden die Behörden öffentlich nach der Beschuldigten namens Angela R., die als 1,59 Meter groß und von schlanker Statur beschrieben wird. Die Gesuchte spreche russisch, habe braune Haare und braune Augen. Die Polizei Recklinghausen hat ein Foto der Gesuchten im Fahndungsportal NRW veröffentlicht. Wer Hinweise zum aktuellen Aufenthaltsort der 17-Jährigen geben kann, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 0800 2361550 zu melden.

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/news.de/dpa/stg

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