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Silvester-Unfälle: Böller tötet 18-Jährigen, Rakete sprengt Hand weg

In der Silvesternacht 2023/24 waren Deutschlands Rettungskräfte im Dauereinsatz. Trotz aller Warnungen kam es auch wieder zu schweren Unfällen mit Feuerwerk. Alle Silvester-News aus ganz Deutschland auf einen Blick.

Alljährlich halten vermehrte Feuerwerksunfälle die Rettungskräfte zu Silvester in Atem. (Foto) Suche
Alljährlich halten vermehrte Feuerwerksunfälle die Rettungskräfte zu Silvester in Atem. Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Das ausklingende Jahr 2023 und der Beginn von 2024 sorgte in Deutschland nicht für ungeteilte Freude: Schon vor dem eigentlichen Jahreswechsel waren Deutschlands Rettungskräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Die ersten Einsätze gab's bereits Tage vor Silvester, in der Neujahrsnacht kamen weitere tragische Ereignisse dazu - alle Meldungen zu Zwischenfällen, Krawallen und Unfällen gibt's hier im News-Ticker-Überblick.

Silvester-Unfälle wegen Feuerwerk und Böllern: Erste Rettungseinsätze schon Stunden vor Neujahr

+++ Ermittlungen: Jugendliche verlieren durch Böller Hand und zwei Finger +++

Beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern haben sich in Nordkirchen im Münsterland zwei Jugendliche schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei von Dienstag (02.01.2024) hat ein 14-Jähriger an Neujahr zwei Finger verloren, ein 13-Jähriger die rechte Hand. Wie die Jugendlichen an die Böller gekommen sind, ist Teil der noch laufenden Ermittlungen. Diese Art der Feuerwerkskörper darf laut Mitteilung nur von besonders qualifiziertem Personal abgebrannt werden.

+++ Feuerschale im Wohnzimmer - sieben Verletzte bei Silvesterfeier +++

Sieben Menschen haben im Landkreis Starnberg in Bayern bei einer Silvester-Familienfeier eine Rauchvergiftung erlitten. Wie die Polizei mitteilte, beschloss die Familie in Galching am frühen Montagmorgen, eine brennende Feuerschale in ihr Wohnzimmer zu verlegen, um dort weiter ins neue Jahr zu feiern. Kurz darauf stellten sieben Familienmitglieder Vergiftungserscheinungen fest und mussten sich übergeben, woraufhin sie den Notruf wählten. Die Verletzten wurden per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

+++ Böller explodiert in Rohr - 18-Jähriger stirbt in der Oberpfalz +++

Ein 18-Jähriger ist in der Silvesternacht in der Oberpfalz in Bayern an Verletzungen aufgrund eines Böllers gestorben. Der junge Mann warf nach bisherigen Informationen der Polizei in Eschlkam im Landkreis Cham einen Böller in ein Kunststoffrohr, um ihn darin explodieren zu lassen, wie ein Sprecher am Neujahrstag mitteilte.

Als der junge Mann mit dem Kopf über dem Rohr gewesen sei, sei der Böller explodiert und habe den Mann im Kopfbereich verletzt. Eine weitere Person sei bei dem Vorfall leicht verletzt worden. Die Kriminalpolizei ermittelt zu den Hintergründen des Vorfalls.

+++ Heftige Amputationsverletzungen - 27 Patienten im Unfallkrankenhaus +++

Wegen schlimmer Verletzungen durch Silvesterfeuerwerk sind inzwischen 28 Menschen im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) behandelt worden. Am frühen Neujahrsmittag sei noch ein 15-jähriger Junge versorgt worden, teilte eine Klinik-Sprecherin mit. Das UKB sprach von zum Teil "dramatischen Amputationsverletzungen". Zwei Männer hätten eine Hand verloren, berichtete die Sprecherin.

Festgestellt würden Sprengverletzungen an den Händen und im Gesicht, schwere Augenverletzungen und Brandwunden, teilte die Klinik auf der Onlineplattform X (vormals Twitter) mit. An den Augen seien häufig Menschen verletzt worden, die beim Zünden von Feuerwerk zugeschaut hätten, ergänzte die UKB-Sprecherin. Mit einer Ausnahme seien alle Patienten männlich.

Das Krankenhaus hatte in der Silvesternacht seine OP-Kapazitäten deutlich verstärkt. "Unser Team der Handchirurgen macht sich schon warm für den OP-Marathon in dieser Nacht in mehreren OP-Sälen", teilte die Klinik am Sonntag mit.

Vor Silvester hatte das Krankenhaus geschrieben, die Handchirurgen hätten schwere Feuerwerksverletzungen ausgewertet: 97 Prozent der Bölleropfer seien Männer, viele Verletzungen seien dauerhaft. Der Tipp laute: "Finger weg von illegalen Böllern, sonst Finger weg."

+++ Böller explodiert - 18-Jähriger stirbt in Koblenz +++

Ein 18-Jähriger ist in Koblenz bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers ums Leben gekommen. Der Unfall am Silvesterabend sei beim Zünden des Böllers passiert, teilte die Polizei am Sonntagabend mit. Der junge Mann sei trotz Reanimation an den Folgen der Explosion gestorben. Die Ermittlungen zu den Umständen dauerten an. Die Polizei wollte zunächst keine weiteren Angaben zu dem Vorfall im Stadtteil Rübenach machen. Die Polizei rief abermals zum vorsichtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern auf.

+++ Kinder bei Unfall mit Feuerwerk verletzt - Dachboden brennt +++

Beim Hantieren mit Feuerwerk sind zwei Kinder im Kreis Schleswig-Flensburg verletzt und ein Haus schwer beschädigt worden. Ein 15-Jähriger erlitt bei dem Unglück am Abend des 30. Dezember 2023 in Havetoft schwere Brandverletzungen, wie eine Polizeisprecherin am Sonntag sagte. Ein zehn Jahre altes Mädchen wurde leicht verletzt. Bei dem Unglück auf dem Dachboden des Hauses brach Feuer aus. Das Gebäude ist vorläufig nicht mehr bewohnbar.

+++ Mann in Berlin verliert Hand wegen Feuerwerksrakete +++

Kurz vor Silvester hat einMann beim Zünden einer Feuerwerksrakete in Berlineine Hand verloren. Der 40-Jährige habe die Signalrakete auf der Terrasse eines Bungalows gezündet, teilte die Berliner Polizei am 31. Dezember mit. Unmittelbar nach der Zündung am Vorabend gegen 20.40 Uhr sei die Rakete in seiner Hand explodiert. Erkam in ein Krankenhaus. Esseiweitere Pyrotechnik bei ihm gefunden und beschlagnahmt worden.

Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich bei dem Feuerwerkskörper um eine Signalraketeder Kategorie F4. Solche Großfeuerwerke dürfen nur ausgebildete Pyrotechniker verwenden. Ob der 40-Jährige über eine solche Erlaubnisverfüge, werde nun geprüft, hieß es. Das LKA ermittelt. Feuerwerkskörper werden in vier Kategorien aufgeteilt. Zur Kategorie F1 zählen Kleinstfeuerwerke wie Wunderkerzen, Tischfeuerwerke und Scherzartikel.

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+++ Franzosen decken sich in Deutschland mit Böllern ein +++

Wegen eines weitreichenden Böllerverbots im Elsass decken sich viele Franzosen aus der grenznahen Region in Deutschland mit Feuerwerk, Krachern und Raketen ein. Seit dem Inkrafttreten eines Verkaufsverbots für Feuerwerk am 4. Dezember wurden alleine im Departement Haut-Rhin 850 Kilo verbotenes Feuerwerk von Polizei und Zoll entdeckt, teilte Präfekt Thierry Queffélec in Mulhouse mit, wie der Sender BFMTV am 30.12.2023 berichtete.

Alleine am Freitag beschlagnahmten Fahnder in der Stadt 18.500 Feuerwerkskörper im Gewicht von rund 500 Kilo, die möglicherweise aus Deutschland stammen. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin sprach von einer Rekordmenge. Der Tatverdächtige, der sich nach einem Bericht der Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" zum Zeitpunkt der Durchsuchung eines Anbaus in Deutschland aufhielt, soll die im Elsass verbotenen Böller über soziale Netzwerke verkauft haben. Der Wert des Feuerwerks wurde auf rund 200 000 Euro geschätzt.

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Der kleine Grenzverkehr in Sachen Böllern funktioniert aber auch in die andere Richtung, wie die Zeitung "Le Républicain Lorrain" berichtete. In Lothringen, wo die Regeln für Feuerwerk weniger streng sind als im Elsass und es entsprechend auch einen Verkauf gibt, mischten sich etliche Saarländer unter die Kundschaft. Wie ein Feuerwerkshändler in Stiring-Wendel unmittelbar an der Grenze bei Saarbrücken der Zeitung sagte, seien die Böller in Deutschland zwar oft preiswerter, Feuerwerksbatterien enthielten in Frankreich aber mehr Pulver als in Deutschland, was Kundschaft über die Grenze locke.

In Frankreich haben viele Kommunen die Knallerei aus Brandschutzgründen oder aus Sorge vor Ausschreitungen verboten, so etwa Paris und Straßburg. Bestimmte Feuerwerkskategorien sind ohnehin Profis vorbehalten. Viele Städte haben stattdessen organisierte Feuerwerkshows. Die bekannteste ist sicher die auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées, wo im vergangenen Jahr eine Million Menschen das neue Jahr begrüßten.

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/news.de/dpa

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