13.04.2021, 15.15 Uhr

Fukushima-Horror : Umweltschützer entsetzt! Japan will radioaktives Wasser ins Meer kippen

Das Vorhaben Japans schockiert Anwohner wie Nachbarländer. Demnach soll radioaktives Kühlwasser aus den Fukushima-Reaktoren nach einer Behandlung ins Meer fließen. Experten warnen vor einer neuen Katastrophe.

Japan plant gefiltertes radioaktives Kühlwasser aus dem den Atomreaktoren auf Fukushima ins Meer zu leiten. Bild: Adobe Stock/XtravaganT

Umweltschützer und Nachbarländer sind geschockt. Japan will trotz aller Bedenken und Proteste riesige Mengen von radioaktivem Kühlwasser, das sich seit der Atomkatastrophe in Fukushima vor gut zehn Jahren angesammelt hat, filtern und dann ins Meer leiten. Diese Entscheidung traf das Kabinett von Ministerpräsident Yoshihide Suga. Der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) will voraussichtlich in zwei Jahren damit beginnen, dass Wasser ins Meer einzuleiten.

Fukushima: Japan will radioaktives Wasser in das Meer ableiten

Als Grund für das umstrittene Vorhaben gibt der Betreiber an, dass Platz für die Behälter mit dem radioaktiven Wasser auf dem Gelände der Atomruine Fukushima Daiichi fehlt. Mit dem Wasser kühlt Tepco drei der Reaktoren, in denen es am 11. März 2011 nach einem Seebeben und einem darauf folgenden Tsunami zu einer Kernschmelze gekommen war. Fast 20.000 Menschen verloren damals ihr Leben. Mehr als 1,2 Millionen Tonnen Wasser in mehr als 1000 riesigen Tanks sind nun auf dem Gelände gelagert. Der Platz für die Tanks sei im Jahr 2022 erschöpft, so Tepco. Örtliche Beamte und einige Experten sagen jedoch das Gegenteil.

Umweltgefahr droht: Radioaktives Tritium kann nicht gefiltert werden

Experten weisen auch darauf hin, dass radioaktiv verseuchtes Wasser auf dem Gelände zwar behandelt werde, aber das Filtersystem ALPS das Isotop Tritium nicht herausfiltern kann. Isotope sind Atomarten. Die Regierung und auch der Betreiber argumentieren, Tritium sei in geringen Mengen nicht schädlich für die menschliche Gesundheit. Doch die Bürgerkommission für Nukleare Energie mit Sitz in Tokio betonte, Tritium sei "immer noch radioaktives Material" und sollte nicht in die Umwelt gebracht werden.

In der Kommission sitzen auch Experten, die der Regierung in einer Pressekonferenz einen Gegenvorschlag unterbreiteten: Statt das Wasser ins Meer zu leiten, solle es in einem mit Mörtel versiegelten System aus großen Tanks auf Land gelagert werden. Doch das zuständige Ministerium und auch die Presse hätten das Problem heruntergespielt und die Bürgerkommission ignoriert, sagen Mitglieder. Auch der Verband der japanischen Fischereikooperativen und der dortige Ableger der Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierten die Pläne scharf.

Weitere radioaktive Substanzen können Umwelt und Menschen belasten

Dabei ist Tritium anderen Experten zufolge nicht das einzige Problem. Das Tankwasser belastet nach Angaben des US-Experten Ken Buesseler noch andere radioaktive Isotope mit teils wesentlich längerer Halbwertszeit, die sich zudem deutlich stärker in Meereslebewesen und Sedimenten am Meeresgrund ansammelten. Sie bedeuten demnach weitaus länger und auf komplexeren Wegen eine potenzielle Gefahr für Mensch und Umwelt als Tritium.

Umweltschützer und Politiker warnen vor den Folgen

Anwohner, Umweltaktivisten und Fischereiverbände fürchten deshalb um die Umwelt und den für Japans Bevölkerung so wichtigen Fisch als Nahrungsmittel. Nachbarländer wie China, Taiwan und Südkorea sind empört. Auch der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages reagierte mit Entsetzen. Die Proteste von regionalen Nachbarn kamen umgehend. "Diese Entscheidung der japanischen Regierung kann nicht akzeptiert werden", sagte Südkoreas Minister für die Koordinierung der Regierungspolitik, Koo Yun Cheol, in Seoul. Koo warf Tokio vor, einseitig entschieden zu haben, ohne sich vorher ausreichend mit den Nachbarländern zu beraten. Die Freisetzung von verstrahltem Wasser bedrohe die Sicherheit dieser Länder und die Meeresumwelt.

Fukushima-Gau: China, USA und Deutschland prangern Vorgehen Japans an

Auch China kritisierte Japans Pläne scharf. Außenamtssprecher Zhao Lijian äußerte am Dienstag vor der Presse in Peking die "ernste Sorge" der chinesischen Seite. "Es ist hoch unverantwortlich und wird sich schwer auf die Gesundheit und die Interessen der Menschen in Nachbarländern auswirken." Taiwans Atomenergierat sprach von einer "bedauerlichen Entscheidung".

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, sagte, "die Pläne der japanischen Regierung sind bestürzend. Das Kühlungswasser wurde bisher nicht ohne Grund auf dem Anlagengelände gespeichert." Denn Radionuklide reicherten sich bekanntermaßen in Fischen an, die Folgen der Einleitung von Tritium und Carbon-14 in das Meer seien unbekannt. "Japan darf diese Last der Allgemeinheit nicht aufbürden", sagte sie. "Ich erwarte eine Reaktion der Bundesregierung an die japanische Regierung."

Das US-Außenministerium teilte indes mit, Japan habe die Entscheidung transparent getroffen und scheine einen Ansatz gewählt zu haben, der den weltweit anerkannten Standards für nukleare Sicherheit entspreche. Die Proteste gegen das Vorhaben sind in Japan diesmal ungewöhnlich stark. Aus Sicht von Kommentatoren ist aber schwer absehbar, ob sie das Projekt kippen können. Vor allem Chinas Reaktionen könnten großen Einfluss haben, hieß es.

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Radioaktive Katastrophe: Twitter-Nutzer sind entsetzt

Die Pläne, dass radioaktives Kühlwasser in die Gewässer fließen soll, bestürzt weltweit viele Menschen. Auf Twitter zeigen sich viele Nutzer fassungslos. "Wie kann es sein, dass Japan erlaubt wird, nukleare Abwässer in das Meer zu kippen???? buchstäblich WIE?", fragt sich ein Nutzer. "Atomabwasser-Alarm in Japan für die ganze Welt! Die beschämende japanische Regierung wird bald das Fukushima-Atomabwasser in den Pazifischen Ozean kippen. Dies wird die größte menschengemachte Umweltkatastrophe dieses Jahrhunderts sein", warnt ein Mann.

"In #Japan setzt man das Godzilla Aufzuchtprogramm nun in die Realität um. 1,2 Mrd. l Radioaktives Wasser in den Pazifik kippen, abwarten, Godzilla fotografieren", schreibt ein weiterer Nutzer mit sarkastischem Unterton. Ein weiterer rechnet bereits mit der nächsten Krise nach Corona.

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bos/news.de/dpa

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