07.06.2020, 14.01 Uhr

Kindesmissbrauch in Münster: Mutter des Kinderschänders arbeitet bis zur Festnahme als Erzieherin

Der Kindesmissbrauch von Münster schlägt bundesweit hohe Wellen. Stündlich kommen neue Details zu den grauenhaften Kindesvergewaltigungen ans Licht. Alles zu den Ermittlungen erfahren Sie hier in unserem Ticker.

Ermittlungen zu Kindesmissbrauchsfällen in Nordrhein-Westfalen trugen Grauenhaftes zutage. Bild: AdobeStock / PUNTOSTUDIOFOTO Lda (Symbolbild)

Der Missbrauchsfall in Münster sorgt bundesweit für Aufsehen. Im Zuge der Ermittlungen kommen immer neue Details der grauenhaften Vergewaltigungstaten an Kindern ans Licht. Alles zu den Opfer, Tätern und dem Stand der Ermittlungen erfahren Sie hier in unserem Ticker.

+++ 07.06.2020:Missbrauchsfall Münster: Tatverdächtige ist Erzieherin +++

Eine im Missbrauchsfall Münster als Tatverdächtige inhaftierte Frau hat bis zu ihrer Festnahme als Erzieherin in einem Kindergarten gearbeitet. "Die Leitung der Kita wurde von uns informiert", sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf Taten der 45-Jährigen im Kindergarten. Ermittelt werde nur im familiären Umfeld der Frau. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte zuvor über den Arbeitsplatz der Frau berichtet. Ihre Gartenlaube in Münster gilt derzeit als Haupttatort.

Die Polizei hat drei Kinder als Opfer identifiziert. Sie sind fünf, zehn und zwölf Jahre alt. Elf Tatverdächtige wurden festgenommen, sieben Beschuldigte, darunter die 45-jährige Mutter, befinden sich in Untersuchungshaft. Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-jähriger IT-Experte aus Münster.

+++ 07.06.2020: Jugendamt hatte früher Kontakt zu Familie von Missbrauch-Opfer +++

Das Jugendamt der Stadt Münster hatte Kontakt zu der Familie von einem der Opfer des Missbrauchsfalls in Nordrhein-Westfalen. Die Familie sei den Behörden aus den Jahren 2015 bis 2016 bekannt, "weil der soziale Kindsvater wegen des Besitzes und des Vertriebs pornografischer Daten aufgefallen war", teilte die Stadt am Samstag mit. In dieser Zeit habe das Jugendamt Kontakt zu der Familie gehabt. 2015 habe das Familiengericht keinen Anlass gesehen, das Kind aus der elterlichen Verantwortung zu nehmen. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) sagte dazu: "Eine Bewertung können wir erst vornehmen, wenn die Faktenlage dafür ausreichend geklärt ist."

Lewe reagierte bestürzt auf den Missbrauchsfall. "Ich bin erschrocken, dass unsere Stadt offenbar Schauplatz solch schrecklicher Taten war", teilte er mit.

+++ 06.06.2020: "Erschütternd professionell" - Haupttäter stellte Kinder zum Missbrauch zur Verfügung +++

In der Laube mit ihrem sorgsam gejäteten Vorgarten soll der hauptverdächtige IT-Techniker den 10-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin den anderen Männern für die Gewalttaten zur Verfügung gestellt haben. "Er ist verkauft worden von demjenigen, der ihn eigentlich behüten sollte", sagt der Ermittler Poll. Das zweite Opfer ist der fünfjährige Sohn eines weiteren mutmaßlichen Peinigers aus Staufenberg bei Gießen. Das berichten Florentine Dame und Carsten Linnhoff von der dpa.

Erschüttert zeigt sich Poll auch über das planvolle, konspirative und versierte Vorgehen, was die Verschlüsselung, die Speicherung und die Verbreitung der Missbrauchsbilder auf Plattformen im Darknet betrifft. Einen Kellerraum in Münster hatte der 27-Jährige zu einem hochprofessionellen Serverraum umgebaut. "Vollgestopft" mit IT- und Speichertechnik, klimatisiert zudem, "weil sonst einfach die Rechner zu heiß laufen würden", wie Poll schildert.

Als den Ermittlern beim Sichten der Videos klar wurde, dass er nicht bloß Filme von sexueller Gewalt an Kindern verbreitet, sondern auch selbst Missbrauch begangen und anderen ermöglicht haben soll, kam er am 14. Mai in Haft. Die immensen Datenfunde bei Durchsuchungen, die Befragungen und weiteren Ermittlungen ließen dann bald erkennen, das es hier nicht um einen Einzeltäter geht, sondern ein ganzes Netz der sexuellen Gewalt gegen Kinder - mit mehr Tätern, mehr Tatorten, mehr Querverbindungen und schlimmstenfalls auch mehr jungen Opfern.

+++06.06.2020: Selbst erfahrene Kriminalbeamte können Bilder kaum ertragen +++

"Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus", sagt Rainer Furth, Polizeipräsident von Münster. Nun wird es ihre belastende Aufgabe sein, Datei um Datei "von diesem abscheulichen Dreck", wie Furth es ausdrückt, zu entschlüsseln, zu sichten, um den Fall Schicht um Schicht aufzuklären.

Welche Kreise solche Ermittlungen ziehen können, zeigt der nicht minder erschütternde bundesweite Missbrauchskomplex, der im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm. Dort hatten Ermittler im vergangenen Oktober die Wohnung eines 42-Jährigen durchsucht und dabei riesige Mengen kinderpornografischen Materials gefunden.

+++ 06.06.2020: Hauptverdächtiger wegen Kinderpornografie vorbestraft +++

Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige in dem großen Missbrauchsfall von Münster war wegen Kinderpornografie vorbestraft. Das Jugendschöffengericht in Münster habe ihn am 13. Januar 2016 zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Samstag. Gegenstand seien Taten von September 2010 bis September 2013 wegen Zugänglichmachens kinderpornografischer Schriften im Internet und Besitzes solcher Schriften gewesen.

Dem Mann habe die Auflage bekommen, «eine Therapie für die von ihm so weit wir wissen auch immer offen bekundeten pädophilen Neigungen fortzusetzen». Dieser Auflage sei er nach bisherigen Erkenntnissen auch nachgekommen. Eine weitere Verurteilung folgte laut Botzenhardt am 8. Juni 2017 durch das Schöffengericht Münster, bei der er eine zweijährige Gesamtfreiheitsstrafe auf Bewährung bei nahezu identischem Tatvorwurf bekommen habe. Die entsprechenden Taten hätten sich von September 2014 bis Dezember 2014 ereignet - also vor der Verurteilung vor dem Jugendschöffengericht und somit nicht während der laufenden Bewährung, betonte Botzenhardt.

+++ 06.06.2020: Neue Details zu den Opfern im Missbrauchsfall von Münster +++

Bei den beiden Opfern handelt es sich laut den Ermittlern um den 10-jährigen Sohn der Lebensgefährtin des Münsteraners und um den 5-jährigen Sohn des Beschuldigten aus Staufenberg. Das habe die Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte ergeben, die die Ermittler versteckt in einer Zwischendecke gefunden hätten, sagte Poll.

Bei dem dritten Opfer handelt es sich den Ermittlern zufolge um den 12-jährigen Neffen des Beschuldigten aus Kassel. Dieser soll den Jungen missbraucht haben, wie aus sichergestellten Daten des 27-jährigen Münsteraners hervorgehe. Alle Opfer, die aus Münster, sowie Staufenberg und Kassel in Hessen kommen, werden derzeit von den zuständigen Jugendämtern betreut. Die Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein. Körperliche Verletzungen haben sie nicht davon getragen, sagte Poll, in Münster. Die Kinder seien von Rechtsmedizinern untersucht worden.

In einem Keller in Münster habe man einen komplett eingerichteten, klimatisierten Serverraum gefunden. Er sei dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuzurechnen, einem IT-Techniker, sagte Poll. Das Speichervolumen der sichergestellten Daten liege nach ersten Erkenntnissen bei über 500 Terrabyte. Poll sprach von mehreren Hundert Asservaten an gefundener IT-Technik. Die Datenträger seien hochprofessionell verschlüsselt worden.

Das bisherige Ermittlungsergebnis nach rund dreieinhalb Wochen sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagten übereinstimmend Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt und der Leiter der Ermittlungen Poll. Münsters Polizeipräsident Rainer Furth sagte: "Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus."

+++ 06.06.2020: Kinder werden jetzt von Jugendamt betreut +++

Im Missbrauchsfall Münster werden die Opfer von den zuständigen Jugendämtern betreut. Die Kinder kommen aus Münster sowie Staufenberg und Kassel in Hessen wie der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll, in Münster mitteilte.

+++ 06.06.2020: Ermittler von Taten schockiert:"unfassbare Bilder" +++

In dem Fall des neuen schweren Kindesmissbrauchs in Münster haben die Ermittler "unfassbare" Bilder sehen müssen. Mit den Worten "nun beginnt das Schockierende" begann der Leiter der Ermittlungen Joachim Poll am Samstag seine Schilderung des Missbrauchs zweier zehn und fünf Jahre alten Jungen. Es gehe um sexuelle Handlungen schwerster Art, die von vier erwachsenen Männern begangen worden seien. "Sie können es sich nicht vorstellen", sagte er.

+++ 06.06.2020: Hauptverdächtiger ist 27-jähriger IT-Techniker +++

Der Hauptverdächtige in dem neuen schweren Kindesmissbrauchsfall in Münster handelt es sich um einen 27 Jahre alten IT-Techniker. Die Ermittler hätten große Mengen an Datenträgern gefunden, die hochprofessionell verschlüsselt worden seien, sagte Kriminalhauptkommissar Joachim Poll am Samstag in Münster. Den Ermittlern sei es bis heute nicht gelungen, alle Daten zu entschlüsseln. Poll sprach von aufwendigen, kniffligen und mit viel Technik verbundenen Ermittlungen. Der 27-Jährige aus Münster sei in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Coesfeld für die IT-Technik tätig gewesen.

+++ 06.06.2020: Opfer identifiziert: drei Kinder im Alter von 5, 10 und 12 Jahren +++

Bei Ermittlungen in einem neuen bundesweiten Missbrauchsfall hat die Polizei Münster drei Kinder als Opfer identifiziert. Sie seien 5, 10 und 12 Jahre alt, teilten die Ermittler am Samstag in Münster mit.

+++ 06.06.2020: Kinder sollen betäubt worden sein +++

Im Missbrauchsfall Münster sollen die sexuell schwer missbrauchten Kinder vor den Taten betäubt worden sein. Körperliche Verletzungen haben die Kinder nicht davon getragen, sagte der Leiter

+++ 06.06.2020: Kinder stundenlang in Gartenlaube vergewaltigt +++

Im Missbrauchsfall Münster haben vier Männer wechselweise einen 5- und 10-Jährigen Jungen in einer Gartenlaube über Stunden schwer sexuell missbraucht. Das habe die Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte ergeben, die die Ermittler versteckt in einer Zwischendecke gefunden hatten. Das teilte der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll, in Münster mit

+++ 06.06.2020: Elf Tatverdächtige wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern festgenommen +++

Nach Ermittlungen der Polizei Münster wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sind elf Tatverdächtige festgenommen worden. Es seien mehrere Haftbefehle erlassen worden. Der Fall hat große Dimensionen

Es handele sich um sechs Männer und eine Frau. Der Hauptbeschuldigte sei ein 27-Jähriger aus Münster. Außerdem handele es sich um dessen Mutter aus Münster sowie um Männer aus Staufenberg, Hannover, Schorfheide, Kassel und Köln.

+++ 05.06.2020: Durchsuchungen wegen schweren Kindesmissbrauchs-Fällen +++

Nordrhein-Westfalen war seit Anfang 2019 wegen mehrerer Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern in die Schlagzeilen geraten. Auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe hatten mehrere Männer Kinder hundertfach über Jahre schwer sexuell missbraucht. Ermittlungen zu einem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring hatten im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen und erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte nach dem Fall Lügde das Thema Kindesmissbrauch zur Chefsache erklärt und die Arbeit der Ermittlungsbehörden in diesem Bereich verstärkt.

Die Polizei in Frankfurt (Oder) hatte am Freitagmorgen Durchsuchungen im brandenburgischen Finowfurt in einem Wohnhaus und einem Kleingarten bestätigt. Dabei sei es um Kinderpornografie gegangen. Ein Mann wurde nach Angaben der Polizei festgenommen. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wollte eine Sprecherin der Polizei in Münster keine weiteren Details oder Verbindungen nach NRW nennen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

sig/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser