Berlin: Wie drei Berliner den Pop veränderten
Hinter vielen Erfolgen im Deutschrap steckt KitschKrieg. Mit einem neuen Album meldet sich das Berliner Produzententrio zurück. Warum die Musiker den deutschen Sound so stark prägen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Wer an die großen Produzenten des Hip-Hop denkt, dem kommen namhafte Studios in Los Angeles in den Sinn oder glänzende Label-Wolkenkratzer in New York. Da denkt man an Grammys, an Billboard-Cover und die leuchtenden Reklametafeln des Times Square. Dabei müssen Liebhaber der Hip-Hop-Kultur hierzulande nicht weit über den Tellerrand schauen.
KitschKrieg sind eine Größe für alle, die sich für Deutschrap und deutschen Pop interessieren - und inzwischen auch international als Produzenten gefragt. Ihr Markenzeichen: ein minimalistischer, elektronisch geprägter Sound mit dunkler Klangästhetik, der in den vergangenen Jahren den Klang hierzulande mitgeformt hat. Wer einen klar wiedererkennbaren Hit-Sound sucht, landet oft bei dem Berliner Produzententrio. Jetzt veröffentlichen sie ein neues Album.
Der Durchbruch gelang mit Trettmann
Zu KitschKrieg gehören Christoph Erkes (Fizzle), Christian Meyerholz (Fiji Kris) und Nicole Schettler (awhodat), die für die visuelle Ästhetik verantwortlich ist. Ihre Geburtsstunde liegt über ein Jahrzehnt zurück: 2015 fing alles im Herzen der Hauptstadt an. Der Durchbruch gelang mit dem Song "Knöcheltief" der Deutschrapper Trettmann und Gzuz, der später auch auf dem von KitschKrieg produzierten Album "#DIY" zu finden war.
Schon früh zeigte sich, wie anschlussfähig ihr Sound ist: Mit der zweiten Single "Standard" erreichten sie die Spitzenposition der deutschen Charts und erhielten in Deutschland eine Platin-Schallplatte. Zwischen puristischen Bässen schimmern Einflüsse aus Dancehall, UK-Grime und elektronischer Musik durch.
Peter Fox, Nena und Marteria auf dem Debütalbum
"Uns erkennt man am Funken Melancholie, gradlinigen Texten und der schwarz-weißen Bildsprache, die uns metaphorisch zusammenhält", sagt Meyerholz im Interview der dpa. "Auf unseren Alben bauen wir unsere eigene Welt, wie sie uns gefällt, und dann laden wir Künstler ein, sie mit uns zu bevölkern", ergänzt Erkes.
Zu Beginn bestachen die drei vor allem mit einer rauen Authentizität, die aus einer Kreuzberger WG heraus entstand. "Hip Hop lebt von dieser DIY-Kultur - dass Menschen sich ihre Möglichkeiten selbst erkämpfen", so Erkes. Auf dem Debütalbum "KitschKrieg" versammelten die Berliner 2020 eine Reihe prominenter deutscher Musiker - darunter Cro, Marteria, Peter Fox und Nena.
Diesmal Arbeit mit Nachwuchskünstlern
Nun, sechs Jahre später, bringen sie "KITSCHKRIEG ZWEI" heraus. Es ist ihre erste reine Elektro-Platte, auf der sich Einflüsse von Kraftwerk bis zu Future-Retro-Breaks aus UK finden - sowie Features von jüngeren deutschen Namen wie Ennio, Milleniumkid und Domiziana.
"Für dieses Album haben wir uns entschieden, mit der neuen Generation deutscher Künstler zusammenzuarbeiten", sagt Erkes. "Und eindeutig, the kids are alright. Diese jungen Künstler stehen in einer Reihe mit Peter Fox und Trettmann, sie bauen aufeinander auf, entwickeln die deutsche Sprache weiter und setzen neue Standards", findet er. "Und sie erschaffen keine Kopien, sondern sehr gute eigene Musikentwürfe. Ihr Skillset ist größer als je zuvor."
Der Einfluss von KitschKrieg geht längst über Deutschland hinaus. Erkes und Meyerholz zog es 2023 in die USA: Zwischen Atlanta, Los Angeles und New York produzierten sie auch mit US-Künstlern, darunter Future und Mariah the Scientist. Die Zeit dort habe sie geprägt. "Es war für uns wichtig, an die Orte zu gehen, wo Hip-Hop seine Wurzeln hat, und herauszufinden, was unsere authentische Stimme in dem Ganzen ist", sagt Meyerholz.
Was die Produzenten in den USA gesucht haben
"An Orten wie Atlanta ist Hip-Hop keine Subkultur. Es ist die Kultur schlechthin. Es war für uns ein Spiegel, um zu sehen, was uns von dort unterscheidet. Wir haben schon immer diesen elektronischen Einschlag gehabt, durch unser Zuhause in Berlin. Berlin zu verlassen, hat uns geholfen, unseren Sound zu festigen."
In Deutschland sei Hip-Hop oft eine Kopie der Flows und Beats, die in Atlanta oder in London stattfänden. "Aber wir wollen Originale erschaffen", sagt Erkes.
Vor dem Hintergrund beobachten die Produzenten auch die wachsende Rolle von KI in der Musik aufmerksam. "Neue Technologien bieten Chancen, mit denen man sich auseinandersetzen sollte. Künstler haben technische Revolutionen schon immer für sich zu nutzen gewusst", findet Meyerholz.
Was KI aber für Kreative bedeutet, sieht KitschKrieg kritisch. "Dass Kunst einfach in den Häcksler der KI reingeworfen wird, ohne dass jemand gefragt oder dafür bezahlt wird - ich kriege meinen Kopf nicht darum gewickelt, wie das okay sein sollte", sagt Erkes. "Die Querverbindung zu anderen Menschen ist im nebulösen Brei der KI einfach gekappt", ergänzt Meyerholz. "Dabei geht es bei Musik doch um die Verbindung zu anderen Menschen."
Die wollen Erkes und Meyerholz nach eigenen Worten noch viele Jahre lang aufrechterhalten - und arbeiten daher schon an neuer Musik.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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