Hamburg: "Panikrocker" Udo Lindenberg: In 80 Jahren um die Welt
Acht Jahrzehnte Lindenberg. Seine Musik hat Generationen begleitet und politische Wirklichkeiten gestreift. Begegnung mit einem, der immer unterwegs ist und dabei stets bei sich bleibt.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Sein Beruf: Udo Lindenberg. "Meinen Job gibt es nur einmal auf der Welt", sagt der Musiker und zieht die Sonnenbrille auf die Nasenspitze. Lässig tänzelt er durch die Lobby des Hotels "Atlantic" in Hamburg, seiner Dauerherberge. Dass der sogenannte Panikrocker am Sonntag (17. Mai) 80 Jahre alt wird? Schwer zu glauben. "Ich habe kein Problem mit dem Alter", sagt Lindenberg und tritt aus der Drehtür, "das Alter hat eher ein Problem mit mir."
Zum 80. Geburtstag gibt es eine Ausstellung in Hamburg ("Udoversum"), ein Tribute-Album ("We Love Udo") und eine NDR-Doku (18. Mai, 20.15 Uhr).
Und er wird mit großen Worten geschmückt: Legende, Idol. "Ich sehe mich nicht so", sagt Lindenberg im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin ein Rock-Chansonnier. Und ein Freund."
Was treibt einen an, der nie stillsteht?
Nach einer Knieoperation will er bald wieder in Form sein. "So schluffig ich wirke – wenn ich etwas will und weiß, wofür ich es mache, bin ich diszipliniert."
Mit federnden Schritten spaziert der Mann, der den deutschen Rock einst aus der braven Sprache der Nachkriegsjahre geholt hat, vom Hotel in die Nacht. Die Wellen der Außenalster ziehen die Lichter der Stadt auseinander wie eine verwischte Erinnerung. "Anfangs gab es schon Widerstand", erzählt der gebürtige Westfale (Gronau). "Dann hat man gemerkt, dass es heiße Ware ist, und uns ins Fernsehen eingeladen." Er selbst habe immer daran geglaubt. "Ich habe nur gehofft, dass mir keiner zuvorkommt."
"Ey, Honey": Udo und die DDR
Angefangen hat es mit dem Schlagzeug. Lindenberg trommelt unter anderem die "Tatort"-Titelmelodie. Das erste Album als Sänger, auf Englisch, ist 1971 nicht erfolgreich. Es klappt erst mit Deutsch. "Das hatte auch mit dem Schnack zu tun, den du in Hamburg auf dem Kiez hörst." Mit "Cello" schreibt er eine der zartesten Balladen des Deutschrocks und mit dem "Sonderzug nach Pankow" einen Spottgesang, der in die Büros der DDR-Führung dringt.
Längst hat er mit nuschelnder Stimme, Sonnenbrille und Hut eine ikonische Figur geschaffen. 2008 gelingt ihm mit "Stark wie Zwei" ein fulminantes Comeback. "Wenn man in der Lage ist, sich emotional zu erinnern und nicht wegflacht, schreibt man auch nach Jahrzehnten gute Songs, die Menschen etwas bedeuten", ist der Panikrocker überzeugt. Mit dem Album katapultiert er sich zum ersten Mal an die Spitze der Charts. Im Alter von 62 Jahren.
Gänsehaut und feuchte Augen können zwar nicht verordnet werden. Aber Udo-Fans beschreiben genau das: sein Gesang sei direkt und ohne alles, was zwischen Sänger und Hörer störende Umwege mache. Gleichzeitig ist seine Mutmachmusik zeitlos. Sie wirkt so kraftvoll wie vor 50 Jahren.
Ein Udo für jede Generation
Auch Udo als Mensch mit Haltung kommt seit Jahrzehnten gut an. Er begeistert Generationen. Die einen sind vor 60 Jahren mit ihm erwachsen geworden und haben mit ihm rebelliert. Deren Kinder wurden Fans, als er wenige Jahre nach seinem ersten Nummer-1-Comeback-Album mit dem Erfurter Sänger Clueso "Cello" neu auflegte. Und die Teenager von heute haben ihn entdeckt, als er mit Apache 207 den Ohrwurm "Komet" aus dem Hut zauberte - und mit 76 Jahren einen der erfolgreichsten deutschen Songs mitschrieb. 21 Wochen lang war "Komet" auf Platz 1 der offiziellen Single-Charts.
Als er 2022 Ehrenbürger von Hamburg wurde, sagte Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit: "Wir ehren nicht nur eine Ikone oder Silhouette, sondern den ganzen Menschen Udo Lindenberg - mit all seinen Häutungen, mit all seinen Erfolgen und Niederlagen und mit seiner Kraft, einmal mehr aufzustehen, als er hingefallen ist."
Doch die Musik ist nicht alles für Lindenberg. Von Anfang an ist er auch als Zeichner unterwegs. Zum Maler wird er mit farbstarken, comicartigen Bildern, mit Likör gemalt. Lebensbejahend, mit Witz und inspiriert: Die "Likörelle" passen zu ihm, er begreift sie als seriöse Kunstform.
"Die Malerei hat mich sehr in den Bann gezogen. Finde ich absolut faszinierend und so. In meinem Atelier im Hotel male ich nachts, wenn ich Unruhe habe." So seien tierisch viele Bilder entstanden. 800, schätzt er. "Das ist eine Menge Kreativität. Das kann ich doch eigentlich alles gar nicht alleine gemalt haben", sagt er und lacht sein zufriedenes Udo-Lachen.
Weltfrieden? Warum nicht?
Sorgen macht ihm die Weltlage, vor allem Russlands Krieg gegen die Ukraine. Vor der Wende von 1989 trat er in Ost-Berlin und Moskau auf – mit unerschütterlichem Glauben: dass Frieden nicht nur möglich, sondern auch unausweichlich ist. Heute erntet man dafür ein Schulterzucken. "Ich würde ja den Sonderflug nach Moskau nehmen", sagt Lindenberg in Anspielung auf seinen "Sonderzug nach Pankow", "wenn es denn etwas nutzen würde."
Dass Lindenberg vor seinem Geburtstag seit Wochen im Mittelpunkt steht, hat ihn überrascht. "Es ist wirklich enorm", sagte er im Interview. Er habe nicht damit gerechnet, dass ihn quasi die ganze Nation feiern werde. "Das ist ja wie ein nationales Großereignis. Ich bin schon ein Glückspilz."
Was an seinem Geburtstag ansteht? "Ich weiß es noch nicht genau. Das ist ein Geheimnis. Irgendwas Schönes mit vielen Menschen. Ich liebe ja Menschen. Eine große Panikfamily. Die halten mich ja auch frisch." Die Reiselust hat er sich bewahrt, denn "hinterm Horizont geht's weiter", wie es im Song heißt.
Auf der Flucht vor der eigenen Festschreibung
Es wird fast hell, die Alster braust, die weiße Fassade des "Atlantic" beginnt zu schimmern. In Lindenbergs Suite unter der imposanten Weltkugel auf dem Hoteldach geht das Licht aus.
Wird es neue Lieder geben? Lindenberg wackelt leicht mit dem Hut. "Kann passieren. Alles optional, ne." Auch mit 80 bleibt er auf der Flucht vor der eigenen Festschreibung. Und Konzerte mit seinem Panikorchester? Denkbar. Wie heißt es in "Cello" noch? "Komm, pack das Ding doch noch mal aus. Und spiel so schön wie früher."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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