Verschlimmert Probleme: Aus diesem Grund raten Mediziner von Schlaf-Tracking ab

Smartwatches und Fitness-Armbänder versprechen, guten Schlaf messbar zu machen. Experten warnen nun: Das Tracking ist oft ungenau und kann die Schlafprobleme sogar noch verschlimmern.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Immer mehr Menschen nutzen Smartwatches, um ihren Schlaf zu überwachen. (Foto) Suche
Immer mehr Menschen nutzen Smartwatches, um ihren Schlaf zu überwachen. Bild: AdobeStock / sisterspro
  • Viele Menschen tracken ihren Schlafrhythmus mit Smartwatches
  • Dabei sind die Daten der Geräte relativ häufig nicht besonders genau
  • Wer den Schlaf zur Fixierung macht, schläft oftmals sogar schlechter

Mehr Infos, Tipps und Tricks für Ihre Nachtruhe finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Für viele Deutsche ist der Griff zum Smartphone oder zur Smartwatch nach dem Aufwachen inzwischen zur Routine geworden. Immer mehr Menschen wollen wissen, wie sie ihren Schlaf optimieren können. Doch Mediziner mahnen, dass die Daten nicht immer besonders verlässlich sind - und der Schlafqualität im schlimmsten Fall sogar schaden können.

Über die Hälfte der Menschen findet guten Schlaf extrem wichtig

Rund 11 Prozent der Deutschen nutzen mittlerweile Schlaftracking-Apps, wie Zahlen von Statista zeigen. Kein Wunder, denn Schlaf ist für viele sogar wichtiger als Sport - und lässt sich im Idealfall natürlich auch mit weniger Aufwand steuern. In der sechsten ResMed Global Sleep Survey sagten sogar satte 59 Prozent der Befragten, dass gesunder Schlaf wichtiger für sie sei als Ernährung oder Bewegung. Und gleichzeitig gab mehr als die Hälfte an, sich an nur maximal vier Tagen in der Woche wirklich ausgeruht zu fühlen.

Doch sind Schlaftracker die Antwort darauf? Die Geräte können Schlafmuster sichtbar, den Schlaf über Wochen hinweg nachvollziehbar und Zusammenhänge mit den Alltagsgewohnheiten erkennbar machen. In erster Linie sollen sie also einen Impuls geben, die eigenen Schlafgewohnheiten zu überdenken. Was die Geräte weder ausstellen können noch sollen, ist eine ordentliche medizinische Diagnose - für diese benötigt es Fachmediziner.

Schlaftracker sind häufig eher ungenau

Das Hauptproblem beim Schlaftracking: Das Gerät "weiß" natürlich nicht, wann Sie wirklich schlafen, sondern errät es anhand von Bewegungsmustern und Puls. Geringe Bewegung kann daher schnell als Schlaf interpretiert werden - unabhängig davon, ob Sie tatsächlich schlafen oder nicht. Für eine echte Diagnose wäre allerdings eine Ableitung der Hirnströme (EEG) erforderlich - mit diesem lässt sich bestimmen, in welcher Schlafphase sich ein Mensch befindet.

Je nach Studie können Schlaftracker zwar beispielsweise mit einer Genauigkeit von bis zu 90 Prozent den Schlaf an sich identifizieren, haben allerdings deutliche Probleme bei der Erkennung von einzelnen Wach- und Schlafphasen. Wacht man nachts häufiger auf, kann es sein, dass das Gerät diese Phasen gar nicht erkennt.

Jüngere lassen sich schneller beeinflussen von negativen Ergebnissen

Neben den Genauigkeitsproblemen der Tracker stellt sich auch die Frage nach den psychologischen Auswirkungen der Geräte und Apps. In einer norwegischen Studie mit 1.002 Teilnehmern, von denen etwa die Hälfte bereits zuvor Schlaf-Apps und Trackinggeräte genutzt hat, zeigten sich deutliche Unterschiede in den Erfahrungen. Bei jüngeren zeigten sich deutlich stärkere Reaktionen auf die gemessenen Daten - sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Ältere Teilnehmer hingegen zeigten sich grundsätzlich eher gelassen und sahen Schwankungen in ihrem Schlaf als völlig normal an.

Wenn der Schlaf zur Fixierung wird

Immerhin: Rund 48 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie dadurch etwas über ihren Schlaf gelernt hätten. Allerdings zeigten sich auch 18 Prozent ob ihrer gemessenen Daten besorgt - 2,3 Prozent gaben sogar an, dass ihr Schlaf sich durch dieses Wissen verschlechtert habe. Negative Effekte sind zwar selten, können aber bestimmte Gruppen stärker treffen.

Wird der Schlaf zur Fixierung, sprechen Mediziner von einer sogenannten "Orthosomnie": Gemeint ist hier das Gefühl, unbedingt den Schlaf optimieren zu müssen. Doch Schlaf lässt sich nicht erzwingen - wer auf "bessere Werte" abzielt, wird eher unruhiger und schläft dadurch schlechter ein oder durch. Anstrengung bewirkt hierbei also eher das Gegenteil des gewollten Effekts.

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