Späte Diagnose: ADHS im Erwachsenenalter - diese Zeichen deuten darauf hin
Bei ADHS denken die meisten Menschen noch immer an zappelige kleine Jungs, die Schwierigkeiten haben, im Unterricht aufzupassen. Doch die Störung kann lange unbemerkt bleiben - sogar bis ins Erwachsenenalter.
Von news.de-Redakteur Felix Schneider - Uhr
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- Immer mehr Menschen werden als Erwachsene mit ADHS diagnostiziert
- Viele wurden als Kinder übersehen oder erhielten eine falsche Diagnose
- Welche Anzeichen auf die Störung hindeuten können, erklären wir hier
Mehr über psychische Gesundheit finden Sie am Ende dieses Beitrags.
Auch im Erwachsenenalter bekommen viele überraschend die Diagnose ADHS. Während man früher dachte, dass die Entwicklungsstörung lediglich Kinder betrifft, weiß man heute, dass sie Betroffene ein Leben lang begleitet. Bei vielen bleibt ADHS lange Zeit sogar völlig unentdeckt - doch die Störung äußert sich auch nicht immer gleich. Welche Anzeichen auf ADHS hinweisen können, lesen Sie hier.
Immer mehr Erwachsene bekommen die Diagnose
Erwachsene sind die wohl am häufigsten übersehene Gruppe bei der Ausstellung der Diagnose: Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen ihre Diagnose zwischen 8 und 13 Jahren erhalten. Damit gehört ADHS zu den Störungen mit sehr frühem Manifestationsalter. Das bedeutet, dass die meisten bereits im Grundschulalter deutliche Symptome zeigen.
Allerdings zeigt eine im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlichte Statistik auch, dass seit kurzem ein deutlicher Anstieg an Neudiagnosen bei Erwachsenen zu beobachten ist. Besonders häufig haben Frauen sowie Personen mit einem "unauffälligen Verlauf" die Diagnose bekommen. Viele heute erwachsene Menschen hatten die Symptome bereits als Kind, wurden aber übersehen oder falsch diagnostiziert.
Welche Anzeichen können auf ADHS bei Erwachsenen hinweisen?
Wer unter ADHS leidet, allerdings erst im Erwachsenenalter die Diagnose bekommt, lernt, für seine Defizite zu kompensieren. Das verlangt ihnen allerdings einen enormen Kraftaufwand ab und führt zu extremer emotionaler Belastung. Dazu kommen noch Konzentrationsstörungen, Ablenkbarkeit und organisatorische Schwierigkeiten, die es erschweren, den Alltag langfristig zu meistern.
Entsprechend sind Betroffene häufig schnell reizbar, unruhig, vergesslich und erschöpft. Da bei Erwachsenen jedoch nur selten an ADHS gedacht wird, stehen oftmals andere Ursachen für diese Gefühle im Raum - Burnout, Depressionen oder sogar Demenz. Wer sich unsicher ist, sollte seine Symptome ärztlich abklären lassen - konkrete Anzeichen für ADHS im Erwachsenenalter sind laut dem ADHS Deutschland e.V.:
- Unaufmerksamkeit
- Impulsivität
- (innere) Hyperaktivität
- chronisches Zuspätkommen
- Probleme mit Routinen
- Probleme mit Zeitmanagement
- Schwierigkeiten, auf der Arbeit konsistente Leistung zu liefern
- schnelle Frustration
- Stimmungsschwankungen
ADHS im Zusammenspiel mit psychischen Erkrankungen
Wichtig zu wissen: ADHS tritt bei Erwachsenen selten allein auf. Je nach Erhebung sind es 60 bis 80 Prozent, die an einer oder mehreren psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen leiden. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen, Burnout und Persönlichkeitsstörungen. Das Risiko für Substanzkonsumstörungen ist zudem zwei- bis dreimal höher als bei Menschen ohne ADHS. Das liegt unter anderem daran, dass Betroffene Substanzen oftmals nutzen, um ihre innere Unruhe zu dämpfen oder Emotionen besser regulieren zu können. Die erhöhte Impulsivität begünstigt zudem riskantes Verhalten.
Wie bekomme ich eine ADHS-Diagnose?
Die gute Nachricht: Obwohl ADHS enorme Auswirkungen auf das Leben haben kann, lässt es sich gut behandeln. Insbesondere Medikamente können helfen, Stabilität zu gewinnen. Der Weg dahin ist der schwerste Teil - insbesondere die Überwindung, einen Arzt aufzusuchen sowie anschließend einen Facharzt zu finden, der das ADHS diagnostizieren kann.
Unser Tipp: Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt und erklären Sie Ihre Symptomatik. Hält dieser es für angemessen, kann er Ihnen einen sogenannten "Dringlichkeitscode" aushändigen - dieser ist auf der Überweisung zum Facharzt zu finden. Den Code können Sie anschließend nutzen, um mithilfe der Terminservicestelle des Kassenärztlichen Notdienstes (auch unter 116-117 erreichbar) ein Erstgespräch bei einem Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten zu vereinbaren.
Wie es dann weitergeht, entscheidet sich nach dem Erstgespräch. In der Regel müssen Sie sich darauf einstellen, bei mehreren Ärzten vorzusprechen oder auf die Warteliste setzen zu lassen. Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern.
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sfx/ife/news.de
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