Hohe Cholesterinwerte: Warum im Gesundheitssystem am falschen Ende gespart wird

Meinungsverschiedenheiten sind keine Seltenheit unter Medizinern - so auch beim Cholesterinwert. Warum sich gerade bei den Blutfettwerten die Geister scheiden, erklären wir Ihnen hier.

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Oftmals wird mit Behandlungen zu lange gewartet - das hat nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern verursacht auch zusätzliche Kosten. (Foto) Suche
Oftmals wird mit Behandlungen zu lange gewartet - das hat nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern verursacht auch zusätzliche Kosten. Bild: AdobeStock / dreamsnavigator
  • Oftmals warten Ärzte zu lange mit der Behandlung hoher Cholesterinwerte
  • Eine Behandlung mit Medikamenten könnte dem Gesundheitssystem Geld sparen
  • Die Folgeschäden sind oftmals deutlich teurer als die direkte Behandlung

Mehr Infos rund um Cholesterin finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt - nicht ohne Grund geraten Kassenleistungen immer öfter ins Visier von Kürzungsmaßnahmen. Dass das nicht nur an den Einnahmen, sondern vor allem an den Ausgaben liegt, zeigt der Blick auf die Behandlung hoher Cholesterinwerte.

Experte warnt vor Kosten für das Gesundheitssystem

Professor Oliver Weingärtner, Kardiologe an der Universitätsklinik Jena, urteilt gegenüber "Bild": "Es wird am falschen Ende gespart!" Statt auf frühe und intensive Behandlungen zu setzen, die kurzfristig teurer sind, zögere man zu häufig oder setze zunächst nur schwächere Behandlungen ein, um Geld zu sparen. Das Problem: Je länger gewartet wird, desto höher ist das Risiko von teuren Folgeschäden durch die langfristig erhöhten Cholesterinwerte.

Für seine Studie "Jena ans Ziel" behandelte Weingärtner Patienten konsequent mit einer Kombinationstherapie aus den Cholesterinspiegel-Senkern Statin und Ezetimib - bereits vom ersten Tag der Diagnose an. Die Ergebnisse der Studie zeigen: 40 Prozent der Patienten erreichten den Zielwert beim Cholesterinwert im Krankenhaus, nach sechs Wochen waren es bereits 80 Prozent. "Wir haben gezeigt, dass es geht", so Weingärtner.

Cholesterin-Therapie scheitert an Hausärzten

Ein weiteres Problem: Die Nachbehandlung durch die Hausärzte entspricht nicht immer der Therapie, die im Krankenhaus angewendet wurde - auch die medizinischen Leitlinien unterscheiden sich. Grund ist, dass in Deutschland zwei verschiedene Empfehlungen für den Cholesterinwert gelten: Die kardiologische Leitlinie erfordert einen Cholesterinwert von 55mg/dl (Milligramm LDL pro Deziliter). Die nationale Versorgungsleitlinie für Hausärzte schreibt jedoch nur eine Senkung auf 70 mg/dl vor.

Das bedeutete für viele Patienten eine schrittweise Reduktion der Arzneimittel auf Anordnung der Hausärzte - in Fachkreisen auch "Deprescribing" genannt. Die Folge war, dass der LDL-Wert der jeweiligen Patienten sich von gut eingestellten 55 auf schlechtere Werte (teils über 80) erhöhten.

Herzinfarkte sind teurer als Medikamente

Dabei wäre die Standard-Behandlung mit lediglich 20 bis 30 Cent pro Tag grundsätzlich kein großer Kostenfaktor.Ein Herzinfarkt verursacht hingegen etwa 10.000 Euro Klinik-Kosten (ohne Folgekosten). "Absetzen von Medikamenten spart kein Geld, das kostet richtig Geld im System", erklärt der Professor.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das Sparen bei Medikamenten dementsprechend unsinnig - effizienter wäre es, das Herzinfarktrisiko der Gesamtbevölkerung mittels ausreichend früher Therapien zu senken. Für Patienten, denen die Senkung auf 55 mg/dl wichtig ist, gibt es laut ihm nur eine Lösung: Den Arzt wechseln, wenn dieser sich weigert, die Therapie bis zu diesem Cholesterinwert fortzuführen.

Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.

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