Gender Sleep Gap: Unbezahlte Arbeit im Haushalt raubt Frauen den Schlaf

Frauen schlafen im Schnitt deutlich schlechter als Männer. Hinter dieser wenig beachteten "Gender Sleep Gap" stecken nicht nur hormonelle Schwankungen, sondern auch ungleiche Lebensrealitäten.

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Anhaltende Müdigkeit liegt bei Frauen oft nicht nur an biologischen Ursachen. (Foto) Suche
Anhaltende Müdigkeit liegt bei Frauen oft nicht nur an biologischen Ursachen. Bild: AdobeStock / kieferpix
  • Frauen schlafen häufig deutlich schlechter als Männer
  • Die Gründe dafür sind teils biologisch, teils gesellschaftlich verankert
  • Oftmals übernehmen Frauen mehr Sorgearbeit als Männer

Mehr Infos über gesunden Schlaf finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Frauen benötigen pro Nacht durchschnittlich elf bis zwanzig Minuten mehr Schlaf als Männer. Gleichzeitig ist ihr Risiko für Schlafstörungen um 40 bis 50 Prozent erhöht. Diese Diskrepanz bezeichnen Fachleute als "Gender Sleep Gap" - eine stille Ungleichheit, die selten öffentlich diskutiert wird. Der Grund: Die Ursachen sind nur zu einem Teil biologisch, zum einem anderen aber auch gesellschaftlich verankert.

Hormone bringen den Schlafrhythmus durcheinander

Ein wesentlicher Faktor für die Schlafprobleme von Frauen liegt in ihrem Hormonhaushalt. Östrogen und Progesteron wirken nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane, sondern beeinflussen den gesamten Körper - einschließlich des Schlafzentrums im Gehirn. Untersuchungen zeigen, dass Progesteron dabei als natürliches Beruhigungsmittel wirkt. Sinkt der Hormonspiegel vor der Menstruation ab, kann dies zwei bis drei besonders unruhige Nächte pro Monat verursachen.

Auch Schwangerschaft und Stillzeit gehen mit erheblichen hormonellen Veränderungen einher, die den Schlaf beeinträchtigen. Besonders gravierend zeigt sich das Problem in den Wechseljahren: Fast 80 Prozent der Frauen berichten in dieser Lebensphase von Schlafstörungen. Nächtliches Schwitzen und Hitzewallungen rauben vielen Betroffenen die dringend benötigte Erholung.

Warum die Verteilung der Sorgearbeit eine Rolle spielt

Zahlen des Statistischen Bundesamtesbelegen allerdings auch die gesellschaftliche Seite des Problems: Frauen übernehmen täglich mehr als 50 Prozent zusätzliche unbezahlte Sorgearbeit im Vergleich zu Männern. Haushalt, Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen summieren sich zu einer Mehrfachbelastung, die chronischen Stress verursacht. Besonders drastisch zeigt sich das Ungleichgewicht nach der Geburt eines Kindes. Mütter büßen im Durchschnitt eine komplette Stunde Schlaf pro Nacht ein - Väter lediglich etwa 15 Minuten.

Studien belegen zudem, dass Frauen bis zu sechs Jahre nach der Geburt schlechter und weniger schlafen als ihre Partner. Die ungleiche Verteilung der Fürsorgeaufgaben setzt sich bis in die Nachtstunden fort. Frauen stehen häufiger auf, wenn das Baby schreit oder ein Kind Albträume hat. Diese nächtlichen Unterbrechungen verstärken die ohnehin bestehende Erschöpfung zusätzlich.

So lässt sich die Schlafqualität verbessern

Doch wie können Frauen ihre Schlafprobleme nun überwinden? Sicher können regelmäßige Schlafenszeiten und feste Abendrituale dem Körper helfen, zur Ruhe zu kommen. Auch Sport oder gezielte Entspannungsübungen können sinnvoll sein. Aber: Es braucht auch Maßnahmen, um der strukturellen Benachteiligung beizukommen. Dabei geht es nicht nur um Fairness, sondern um Gesundheit - schlechter Schlaf kann indirekt die Lebensspanne verkürzen und Risiken für diverse Erkrankungen fördern. Ein gemeinsames Gespräch mit dem Partner kann helfen, die Aufgabenverteilung fairer zu gestalten und sich selbst zu entlasten.

Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.

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