Krebs-Studie: Neue Behandlungsmethode für Prostatakrebs entdeckt
Jährlich erkranken etwa 65.000 Männer an Prostatakrebs. Viele von ihnen werden mit teuren Medikamenten behandelt - dabei könnten laut Forschern günstigere Östrogen-Pflaster eine ähnliche Wirkung erzielen.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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- Forscher haben in einer aktuellen Studie die Wirkung von Östrogenpflastern bei Prostatakrebs-Patienten untersucht
- Die neue Behandlungsmethode zeigte ähnliche Ergebnisse wie die Standard-Therapie
- Zwar wäre die Therapie günstiger, ist aber bislang noch nicht zugelassen
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Jährlich erkranken laut dem Krebsinformationsdienst etwa 65.820 Männer an Prostatakrebs. Oft ist die Krankheit mittels Strahlentherapie oder Operation gut behandelbar, wenn sie früh genug erkannt wird. Schlagen die herkömmlichen Methoden nicht an, bleibt noch die Hormontherapie. Dabei werden sogenannte LHRH-Analoga eingesetzt. Eine neue Studie zeigt nun die Möglichkeit einer alternativen Behandlung auf – mittels Hormonpflastern.
So funktioniert die neue Behandlungsmethode
Forscher der Universität London haben in einer aktuellen Studie zeigen können, dass sich bei fortgeschrittenem Prostatakrebs eine ähnliche Wirkung erzielen lässt wie bei der bisherigen Therapiemethode. Dabei wird die Hormonproduktion nicht durch die LHRH-Präparate gestoppt, sondern mittels Östrogen gesenkt. Doch wie genau funktioniert die neue Therapie?
Die Antwort liegt laut dem Wissenschaftsmagazin "The Conversation" in einer Art "Feedbackschleife" des Hormonhaushalts: Estradiol, die Form, in der Östrogen in den Pflastern vorliegt, signalisiert dem Gehirn, dass bereits jede Menge Sexualhormone vorhanden sind. Das Gehirn gibt dann wiederum ein Signal an die Hoden weiter, welche die Produktion des männlichen Hormons reduzieren. Testosteron regt das Wachstum des Tumors bei Prostatakrebs an - wird es abgeschaltet, hört das Geschwür auf, zu wachsen.
Studie zeigt ähnlich gute Wirkung wie bei Injektionen
In den Untersuchungen der Forscher wurden mehr als 1.300 Männer mit einem durchschnittlichen Alter von 72 entweder mit Hormoninjektionen oder Östrogen-Pflastern behandelt. Viele erhielten zusätzlich eine Strahlentherapie, einige andere eine Chemotherapie - die Standardmethoden zur Behandlung von Prostatakrebs. Drei Jahre später war die Anzahl der überlebenden Männer, bei denen der Krebs nicht weiter fortschritt, in beiden Gruppen annähernd gleich. Etwa 87 Prozent der Pflaster-Träger sowie 86 Prozent derjenigen, die Injektionen erhielten, hatten überlebt. Das zeigt: Die Hormonpflaster können eine ähnlich gute Wirkung erzielen wie die Standard-Hormontherapie.
Mögliche Nebenwirkungen der Behandlungsmethoden
Ein größerer Unterschied zwischen den Behandlungsmethoden zeigte sich jedoch in den Nebenwirkungen durch die Therapie: Da Injektionen sowohl Östrogen als auch Testosteron reduzierten, verursachten sie eine Art "männliche Menopause" mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und weniger starken Knochen. Auch im Versuch fühlten neun von zehn mit Injektionen behandelten Männern diese Symptome.
Das Spannende: Unter denen, die Pflaster trugen, berichtete nur die Hälfte der Patienten von solchen Nebenwirkungen. Allerdings entwickelten rund 80 Prozent von ihnen Gynäkomastie - eine Anomalie, bei der es zu einer Vergrößerung der Milchdrüsen und des darüberliegenden Gewebes kommt. Dies ist gesundheitlich zwar unbedenklich, kann aber für die Betroffenen unangenehm sein. Bei den Injektionen kam es nur in 40 Prozent der Fälle dazu.
Östrogentherapie ist nicht profitabel genug
Doch wenn die Therapie scheinbar ähnlich effektiv ist, warum wird sie dann nicht großflächig angewendet? Das hat einen einfachen Grund: Mit der Pflaster-Therapie ließe sich kaum Geld verdienen. Daher ist das Interesse der Pharmafirmen, die in der Regel Zulassungsstudien finanzieren, grundsätzlich eher gering. Ohne Zulassung bleibt die Anwendung der Pflaster allerdings "off-label". Eine Behandlung mit ihnen könnte Ärzte im Zweifel in rechtliche Schwierigkeiten bringen, weswegen eine Behandlung mit Östrogen-Pflastern bislang ausgeschlossen ist.
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sfx/bua/news.de
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