Ministerium plant Aus für Vorsorge: Wie gut schützt das kostenlose Hautkrebs-Screening wirklich?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will das kostenlose Hautkrebs-Screening als Teil der Sparmaßnahmen streichen. Noch ist die Entscheidung zwar nicht durch, doch Dermatologen reagieren bereits jetzt alarmiert.
Von news.de-Redakteur Felix Schneider - Uhr
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- Das kostenlose Hautkrebs-Screening soll abgeschafft werden
- Dermatologen warnen vor dem Früherkennungs-Aus
- Die Fachmediziner befürchten unbemerktes Tumor-Wachstum
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Sagenhafte 240 Millionen Euro pro Jahr will das Gesundheitsministerium mit dem Aus des kostenlosen Haut-Checks sparen können. Doch ein Grund zum Feiern ist das nicht, urteilen viele Dermatologen. Eine Abschaffung könnte dafür sorgen, dass Tumore häufig erst später entdeckt werden - und je später die Erkennung, desto schlechter die Heilungschancen.
Dermatologen warnen vor Streichung des Hautkrebs-Screenings
Das Argument der Finanzkommission Gesundheit (FKG) für die Streichung: Das Screening sei "anlasslos" und dementsprechend willkürlich und sinnlos. Doch der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) sieht dies laut "Medical Tribune" anders. Bereits während der Pandemie habe sich gezeigt, dass ausbleibende Untersuchungen zu einer späteren Erkennung von Tumoren und schlechteren Heilungschancen führten, erklärt BVDD-Präsident Dr. Ralph von Kiedrowski.
Eine verzögerte Diagnose kann insbesondere bei einem malignen Melanom tödlich sein. Je weiter es dem Tumor erlaubt wird, sich zu entwickeln, desto höher ist das Risiko, dass sich Metastasen bilden. Wird ein Melanom früh erkannt, liegt die 5-Jahres-Überlebenschance bei 99 Prozent – so gut wie jeder Patient überlebt.
Zudem sei gerade die Anlasslosigkeit der Sinn: Ziel sei nicht nur die frühe Erkennung, sondern auch die Prävention von Hautkrebs durch Aufklärung über die Risiken von UV-Strahlung. Der Berufsverband besteht daher darauf, dass das Hautkrebs-Screening als Teil der Früherkennung erhalten bleibt.
Wer hat Anspruch – und was kostet das Screening für Selbstzahler?
Aktuell hat noch jeder gesetzlich Versicherte über 35 Jahren Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre. Einige Krankenkassen bieten die Übernahme der Kosten sogar schon früher oder häufiger an. Die Leistung variiert laut dem Krebsinformationsdienst je nach Anbieter. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, das ein anlassloses Hautkrebs-Screening für Erwachsene anbietet. In anderen Ländern wird die Leistung lediglich dann übernommen, wenn ein Verdacht vorliegt – etwa, wenn Veränderungen der Muttermale beobachtet wurden.
Allerdings sind die Termine beim Hautarzt häufig eher knapp – Wartezeiten von mehreren Wochen oder gar Monaten sind keine Seltenheit. Zwar kann der Weg über den Hausarzt den Prozess beschleunigen, doch dafür gibt es keine Garantie. Deutlich schneller geht es für alle Selbstzahler: Viele Praxen bieten das Screening als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an – für diese gibt es tatsächlich häufig noch kurzfristige Termine.
Dabei geht es in der Regel um 40 bis 120 Euro, wobei das einfache Screening zunächst nur 40 Euro kostet. Zusätzliche Leistungen können den Preis erhöhen. Dazu gehören beispielsweise eine Dokumentation auffälliger Hautstellen mit einer Kamera oder spezielle Untersuchungsverfahren.
Künstliche Intelligenz erkennt auffällige Hautstellen
Besonders spannend: Immer häufiger kommt in Praxen, Kliniken und Laboren auch künstliche Intelligenz beim Hautkrebs-Screening zum Einsatz. Dabei wird die Fähigkeit zur Mustererkennung der KI genutzt, um Auffälligkeiten auf der Haut zu entdecken. In Studien schneidet sie mittlerweile ähnlich gut oder teils sogar besser ab als Dermatologen. Da sie trotzdem fehleranfällig bleibt, raten Fachmediziner zu einem kombinierten Einsatz aus Mensch und KI bei der Erkennung. Zudem gibt es auch digitale Screening-Möglichkeiten: Apps können per Foto auffällige Hautstellen analysieren und erste Einschätzungen dazu geben. Eine ärztliche Diagnose lässt sich dadurch allerdings nicht ersetzen.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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sfx/bua/news.de
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