Influenza-D-Virus als "erhebliche Bedrohung": Mutiertes Grippevirus schürt Experten-Sorge vor neuer Pandemie

Ein mutiertes, bei Nutztieren verbreitetes Influenza-Virus könnte Experten zufolge die nächste Pandemie in Gang setzen. Forscher warnen bereits: Nur minimale Mutationen könnten ausreichen, damit sich der Erreger von Mensch zu Mensch verbreitet.

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Ein neuartig mutierter Grippe-Erreger schürt unter Experten Pandemie-Sorgen (Symbolfoto). (Foto) Suche
Ein neuartig mutierter Grippe-Erreger schürt unter Experten Pandemie-Sorgen (Symbolfoto). Bild: Adobe Stock / ali
  • Pandemie-Gefahren aktuell: Mutierter Grippe-Erreger beunruhigt Experten
  • Influenza D bei Schweinen und Rindern nachgewiesen - Ansteckung von Menschen nicht ausgeschlossen
  • Influenza-D-Erreger als Auslöser neuer weltweiter Erkrankungswelle?

Alltäglich sind wir umgehen von verschiedensten Krankheitserregern, die geimpften Personen ebenso wie Menschen mit einem gesunden Immunsystem in der Regel nicht viel anhaben, für immungeschwächte, vorerkrankte oder hochbetagte Personen jedoch eine mitunter lebensbedrohliche Gefahr bedeuten können. In der Virologie wird zudem eine Reihe von Viren unter anderen Aspekten genau beobachtet - nämlich im Hinblick auf ihr Potenzial, eine weltweite Pandemie auszulösen.

Experten alarmiert: Mutiertes Grippe-Virus könnte nächste Pandemie auslösen

Nun schlagen Wissenschaftler in den USA Alarm: Ein Grippevirus, das bislang hauptsächlich Schweine und Rinder befällt, könnte bereits unbemerkt in der menschlichen Bevölkerung zirkulieren und den Grundstein für eine neue Pandemie legen. Der sogenannte Influenza-D-Stamm greift die Atemwege an und stellt nach Einschätzung von Forschenden eine ernstzunehmende Bedrohung dar.

Influenza D könnte bereits von Nutztieren auf den Menschen übergesprungen sein

Das Virus ist bisher wenig erforscht und wird kaum getestet. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass Menschen sich bereits infiziert haben könnten – und das, ohne es zu wissen. Die Krankheit könnte demnach im Verborgenen schlummern und auf ihre Aktivierung warten. Besonders beunruhigend: Experten gehen davon aus, dass nur geringfügige genetische Veränderungen ausreichen könnten, damit sich der Erreger von Mensch zu Mensch verbreitet. Dies würde das Risiko von Epidemien oder sogar einer neuen Pandemie erheblich steigern.

Studie zu Influenza D: Grippe-Erreger umgeht Immunabwehr und vermehrt sich rasant

Forscher der Ohio State University haben in Laboruntersuchungen alarmierende Erkenntnisse gewonnen. Sie testeten, wie der Influenza-D-Stamm auf verschiedene Zelltypen in den menschlichen Atemwegen reagiert. Das Ergebnis: Das Virus konnte sich unabhängig vom untersuchten Gewebe schnell ausbreiten. Die Studie, die auf dem Online-Server bioRxiv veröffentlicht wurde, zeigt, dass Influenza D sich effizient in mehreren menschlichen Atemwegsmodellen vermehrt und dabei die angeborene Immunabwehr weitgehend umgeht. Das Atemwegsgewebe leistet demnach kaum Widerstand gegen den Erreger.

Die Wissenschaftler warnen in ihrer Arbeit: "Dies gibt Anlass zur Sorge, dass nur minimale evolutionäre Veränderungen für eine anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch erforderlich sein könnten." Weitere Untersuchungen zur Biologie des Virus und zum Risiko einer Übertragung vom Tier auf den Menschen seien dringend notwendig.

Löst Influenza D die nächste Pandemie aus? Virusspuren bereits an Flughäfen und in Kliniken nachgewiesen

Es gibt bereits konkrete Hinweise darauf, dass der Influenza-D-Stamm in der Umwelt präsent ist. Luftproben an Orten mit hohem Personenaufkommen wie Krankenhäusern und Flughäfen enthielten Spuren des Virus. Dies deutet darauf hin, dass der Erreger möglicherweise schon weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Besonders auffällig sind die Befunde bei Menschen mit direktem Tierkontakt. Bei Landwirten, die mit Schweinen und Rindern arbeiten, wurden in einer Untersuchung bei bis zu 97 Prozent der Betroffenen Influenza-Antikörper gegen den D-Stamm festgestellt. Diese Antikörper entstehen nach einer Infektion mit dem Virus – ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Personengruppe dem Erreger bereits ausgesetzt war.

Virus-Experte warnt vor fehlender Immunität in der Bevölkerung

Trotz der potenziellen Gefahr ist das Wissen über den Influenza-D-Stamm noch immer begrenzt. In einer Veröffentlichung der US-Gesundheitsbehörde CDC räumten Wissenschaftler ein, dass klinische Forschung zu dem Virus bislang kaum stattfindet. Dennoch stufen sie den Erreger als "erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit" ein. Dr. John Lednicky, Forschungsprofessor an der University of Florida, macht die Dringlichkeit deutlich: "Unsere Auswertung der Literatur zeigt, dass dieses Virus eine Gefahr für Atemwegserkrankungen beim Menschen darstellt, doch es wurde wenig getan, um darauf zu reagieren oder Infektionen zu verhindern." Sollte der Erreger die Fähigkeit entwickeln, sich leicht zwischen Menschen zu übertragen, könnte er Epidemien oder Pandemien auslösen – da die meisten Menschen keinerlei Immunität besitzen.

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